Kreis Heinsberg: Erster Fachtag für Kinderheilpflege im Kreis Heinsberg

Kreis Heinsberg : Erster Fachtag für Kinderheilpflege im Kreis Heinsberg

Unter dem Motto „Mats up — sinnvoll, wertvoll, anerkannt?“ fand im Geilenkirchener Berufskolleg der erste Fachtag für Kindertagespflege im Kreis Heinsberg statt. Der ausrichtende Verein Mats ist ein Netzwerk für Tagesmütter und Tagesväter aus dem Kreis Heinsberg, das kontinuierlich an Stabilisierung, Auf- und Ausbau sowie Verbesserung der Kindertagespflege durch weitreichende Informationen und unterstützende Maßnahmen für Eltern und Kindertagespflegepersonen arbeitet.

Im Rahmen des Fachtages, der mit 120 Teilnehmern sehr gut besucht war und den Stellenwert dieses Betreuungsangebots unterstrich, gab es viele Vorträge und Informationen zum Thema Kindertagespflege. Das Programm startete mit der offiziellen Begrüßung durch Waltraud Große, die erste Vorsitzende des Vereins, und Veronika Hapke, die zweite Vorsitzende von Mats. „Fünf Jahre ist es nun her, dass sich unser Verein gegründet hat. Fünf Jahre, in denen wir zwar zusammen schon viel erreicht haben, aber auch noch lange nicht dort angekommen sind, wo wir mit der Kindertagespflege stehen wollen und müssen“, resümierte Waltraud Große.

Die Vorsitzenden des Vereins Mats, Waltraud Große (r.) und Veronika Hapke (l.), begrüßten die Teilnehmer des ersten Fachtages für Kindertagespflege im Kreis Heinsberg im Geilenkirchener Berufskolleg. Foto: Jennifer Hapke

Noch viel Luft nach oben

An die Begrüßung schloss sich das Grußwort des Schirmherrn der Veranstaltung, Landrat Stephan Pusch, an. „Wenn man sich hier im Kreis Heinsberg die Betreuungsmöglichkeiten anschaut, dann ist da, insbesondere in der Kindertagespflege, auch nach den letzten Jahren Zusammenarbeit, noch viel Luft nach oben und ein gemeinsames Suchen nach Lösungen unersetzlich“, erklärte Pusch. Auch sei die Vernetzung der Pflegepersonen untereinander immens wichtig, damit an einem Strang ­gezogen werden könne, führte er weiter aus.

Danach übernahm Christa Höher-Pfeifer das Mikrofon und führte durch das Programm. Als erstes gab es einen Vortrag von Andrea Hilger von der Stabsstelle Chancengleichheit der Agentur für Arbeit Aachen-Düren mit dem Thema „Frauen am Arbeitsmarkt — Chancen und Herausforderungen“. Dabei informierte sie darüber, welche Chancen am Arbeitsmarkt bestünden, aber auch darüber, welche Chancen für die Frauen noch ungenutzt blieben.

Über aktuelle Herausforderungen in der Kindertagespflege und über die ­Tagesbetreuung als Säule der frühkindlichen Bildung sprach danach Prof. Dr. Silvia Hamacher von der Katholischen Hochschule Aachen. Dazu gibt es ganz aktuell in diesem Jahr eine Studie, die untersucht, welche Arbeitsbedingungen eine Herausforderung für die Tagespflegepersonen darstellen und wann diese die pädagogische Qualität in der Betreuung beeinflussen.

Dabei interessierte vor allem, welche Strategien im Umgang mit schwierigen Arbeitsbedingungen die Befragten selbst schon entwickelt haben. Aktuell befindet sich diese Studie noch in der Auswertung und soll voraussichtlich Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Rechtsanwältin und Mediatorin Mirjam Taprogge-Essaida informierte über das Thema „Inhalt, Ausgestaltung und Anwendung des Paragrafen 23 SGB VIII“. Dieser Paragraf des Sozialgesetzbuches bezieht sich auf die Förderung in der Tagespflege, insbesondere aber auf die Vermittlung von Tagespflegepersonen, auf den Anspruch, in allen Fragen der Kindertagespflege Beratung zu erhalten, und auf eine gerechte Bezahlung für die geleistete Arbeit.

Weitere Informationen und Beratung erhielten die Teilnehmer an diesem Tag auch von den Fachberaterinnen für Kindertagespflege der Jugendämter und vom Katholischen Forum für Erwachsenen- und Familienbildung.

Nach der Mittagspause stand die angekündigte Podiumsdiskussion auf dem Programm. Mit dabei waren die Landtagsabgeordneten Charlotte Quik von der CDU, Jörn Freynik von der FDP, Eva-Maria Voigt-Küppers von der SPD und Mehrdad Mostofizadeh von Bündnis 90 / Die Grünen sowie Barbara Lieske, Vorsitzende des Berufsverbandes für Kindertagespflegepersonen NRW.

Es entstand eine angeregte Diskussion darüber, wie man die Kindertagespflege in Nordrhein-Westfalen weiterbringen könne. Und man verständigte sich letztlich darauf, das Kinderbildungsgesetz mit einer entsprechenden Novelle reformieren zu wollen. Dazu müsse man sich aber mit allen beteiligten Verbänden und Verantwortlichen zusammensetzen und mit ihnen zusammenarbeiten.

Hastenraths Will auch zu Gast

Schließlich schaute noch ein Überraschungsgast vorbei: Hastenraths Will hatte sich insbesondere den letzten Programmpunkt sehr genau angeschaut und fasste diesen noch einmal für alle Beteiligten zusammen. „Gerade in der Tagespflege hat man als Betreuungsperson eine ganz andere Verantwortung. Ich mein, man kümmert sich ja da um Kinder, und da reicht so eine niedrige Bezahlung von 5,90 Euro einfach nicht aus. Und ja, liebe Politiker, da haben sie jetzt einen Auftrag, das anzupacken“, redete er den Verantwortlichen ins Gewissen.

Zum Abschluss des Tages äußerte die zweite Vorsitzende von Mats, Veronika Hapke, noch einen Wunsch für die Zukunft. „Ich wünsche mir eine bessere Zusammenarbeit mit Kindergärten, Jugendämtern und den Politikern hier im Kreis, damit wir gemeinsam nach Lösungen suchen können, um die von uns gesteckten Ziele schnellstmöglich und zufriedenstellend zu erreichen.“

(jh)