Heinsberg-Oberbruch: Erste Ausstellung in der Erlöserkirche: Außergewöhnliche Werke

Heinsberg-Oberbruch : Erste Ausstellung in der Erlöserkirche: Außergewöhnliche Werke

Wer derzeit als Besucher die Erlöserkirche der evangelischen Kirchengemeinde Heinsberg in Oberbruch betritt, den empfängt ein ungewohntes Bild.

Es sind weniger die Bilder an den Wänden in zarten Pastelltönen, die dem Betrachter ins Auge springen. Es ist vielmehr ein in seiner Größe überwältigendes Kunstwerk, das die Figuren im Altarraum verhüllt.
Dazu kommt noch ein von der Decke baumelndes Mobilé, an dem sich weiße Kleidungsstücke im Luftzug bewegen und eine „Kiste”, die wie eine Schlafstatt anmutet, wozu es auch noch Geräusche gibt.

Noch bis zum 7. Dezember, täglich von montags bis freitags - 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung - ist die erste Kunstausstellung, die der Kulturkreis Kirche Heinsberg mit dem markanten Triptychon von Christos Koutsouras und den Zeichnungen und Objekten von Leo Bettina Roost in der Erlöserkirche in Oberbruch zeigt, für Besucher geöffnet.

„Entstehungspfade” lautet der Titel der Ausstellung, in der die beiden Künstler mit ihren Werken das Jahresthema „Schöpfung” des Kulturkreises Kirche Heinsberg aufgreifen und das Innere der Kirche in einen freien Kunstraum verwandeln.

Als Initiator und Mitglied des im März dieses Jahres gegründeten Kulturkreis Kirche begrüßte Pfarrer Günter Rosenkranz zur Vernissage die in Köln lebende und arbeitende Künstlerin Leo Bettina Roost persönlich in Oberbruch. Christos Koutsouras, der in Köln und Seattle lebt und arbeitet, befindet sich derzeit in den USA. Beide Künstler stellten in den letzten Jahren in zahlreichen nationalen und internationalen Kunstinstitutionen aus.

Einige ihrer Werke nun hier in Oberbruch zeigen zu können, darauf war auch Kuratorin Dr. Christina H. Rosnersyk, Kunsthistorikerin und Kulturvermittlerin, ein wenig stolz. Sie gehört wie Beate Königs, Künstlerin aus Heinsberg, und Presbyterin Heike Nolte dem Gremium an, das sich vorgenommen hat, die darstellende, bildende und angewandte Kunst in ihren verschiedenen Ausprägungen, insbesondere junger, freischaffender Künstler zu fördern.

Statt der obligatorischen Einführung in die Ausstellung fesselte Rosnersky durch ein Gespräch mit der Künstlerin. Roost zeigt in dieser Ausstellung Zeichnungen und Objekte, die dem Schaffensprozess gewidmet sind. Seit Jahren setzt sie sich in ihrem Werk mit Menschen, Kleidung und Gegebenheiten auseinander, die meist mit der Abwesenheit von Figuren spielen.

Zu sehen ist in Oberbruch ihr 2008 entstandenes Alphabet, das einzelne Buchstaben in Form getragener Kleidung ohne Personen darstellt. Dass sie ihren Bildern mit ganz normalem Nagellack zu Farbe verhilft, verriet sie unter anderem in diesem Dialog und ließ die Besucher staunen. Zu Fragen an die Künstlerin motivierte die Gäste der Ausstellung auch das „Kleidermobilé”, ein 2001 geschaffenes Objekt. Die aus weißem Japanpapier kreierten Kleidungsstücke sind so real, dass man glaubt, sie anziehen zu können.

Mit dem Objekt „Morgens um sieben”, das 2003 entstand, versetzt die Künstlerin den Betrachter in den Moment der Entstehung einer Reise, auf die ihn dann die eingespielten Geräusche mitnehmen.

Für einen Kirchenraum sicherlich auf den ersten Blick etwas provokant ist das Werk von Christos Koutsouras mit dem Titel „Chorus I”, das 2005 vom Künstler geschaffen wurde. Es sind fünf ineinander verflochtene männliche Akte, die eine weibliche Figur rahmen. Der Künstler bedient sich der griechischen Philosophie, wobei sich das Werk mehrfach auf den Satz des Pythagoras über das gleichschenklige Dreieck bezieht. Die Kuratorin verwies als Beispiel unter anderem auf die Anordnung der Figuren. „Sie stehen in vielschichtiger Beziehung zueinander”, so Rosnersky. Die Schöpfung sei das Hauptthema des Bildes, dargestellt auf einer bildhaften, emotionalen und spirituellen Ebene.