Wegberg-Wildenrath: Erst „Gast”, jetzt Chef bei Siemens in Wildenrath

Wegberg-Wildenrath : Erst „Gast”, jetzt Chef bei Siemens in Wildenrath

Mehr als sechs Jahre lang leitete er das weltweit modernste und größte Prüfcenter für Eisenbahntechnik in den Händen der Industrie.

Unter Führung von Karl Engemann, der nach seiner Ingenieurausbildung in der Elektrotechnik 1971 zur Siemens AG gekommen war und für den Konzern nicht nur Stationen in Braunschweig, Berlin, Erlangen und Düsseldorf, sondern auch in Südafrika, Amerika und China absolvierte, wurden in Wildenrath seit Oktober 1998 weitere Ausbauvorhaben realisiert.

So wurde das Prüfcenter um eine zweite Zugbildungshalle, eine Verwiegeeinrichtung und die Infrastruktur für den Desiro UK erweitert. Die Tests für die von britischen Auftraggebern georderten Züge hatten die Installation einer Stromschiene und den Bau einer speziellen Trafostation erforderlich gemacht. Alles in allem wurden in den vergangenen sechs Jahren weitere 45 Millionen Euro vor Ort investiert.

Engemann verbuchte aber noch weitaus mehr Erfolge: Nach einer entsprechenden Anerkennung des Prüfcenters können dort Prüfungen zur Erlangung der Zulassung für den europäischen grenzüberschreitenden Schienenverkehr vorgenommen werden. Das Verkehrsministerium erteilte der Siemens-Einrichtung die Zulassung als öffentliches Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Die Kooperation mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, die insbesondere ein schlagzeilenträchtiges Projekt wie den „Cargo Mover”, ein vollautomatisches Schienenfahrzeug zum Gütertransport, möglich machte, wurde ausgebaut und eine erfolgreiche Schulpartnerschaft mit dem Maximilian-Kolbe-Gymnasium Wegberg begründet.

Engemann lag aber auch die Mitwirkung in deutschen und europäischen Gremien, die sich mit Richtlinien und Normen der Bahn der Bahn befassen, am Herzen.

Nachdem er sich für eine Altersteilzeitlösung entschieden hatte, übergab Karl Engemann (60) die Leitung des Prüfcenters zum Jahreswechsel an Dr. Carsten-Sünnke Berendsen (39), der in dieser Woche offiziell der Presse vorgestellt wurde.

Bekanntes Gesicht

Der neue Chef in Wildenrath ist ein vor Ort schon bekanntes Gesicht: Carsten-Sünnke Berendsen war bereits von 1998 bis 2000 „ständiger Gast” im Prüfcenter. Er leitete damals dort verantwortlich die Inbetriebsetzung für die Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ ICE3.

In Lübeck geboren, studierte Berendsen an der Technischen Universität Braunschweig Elektrotechnik. Nach der Promotion zum Dr.-Ing. trat er 1994 seinen Dienst bei Siemens an. Als Inbetriebsetzungsingenieur war seine erste Aufgabe die Durchführung des Antrieb-Systemtests für die Metro Singapur.

International geprägt waren auch die jüngsten Funktionen, die er wahrnahm: als Technischer Projektleiter für den „Tren Urbano” in Puerto Rico und als Bereichskoordinator von Siemens Transportation Systems in Mailand. Jetzt trägt er die Verantwortung für das rund 250 Mitarbeiter zählende Prüfcenter in Wildenrath.

Viele Projekte 2005, Tag der offenen Tür 2007?

Die Technik des Siemens-Prüfcenters in Wildenrath wird auch in diesem Jahr wieder für eine ganze Reihe von Projekten zur Verfügung gestellt, wie bei dem Pressegespräch aus Anlass des Stabwechsels zu erfahren war. Beispielhaft wurden die ICE-3-Fahrzeuge, die Neigetechnikzüge ICT2, der DesiroUK, die Metro Shanghai, die U-Bahn Nürnberg, der Avanto für Paris, der Velaro für Spanien, der Desiro UK Diesel sowie die Metro Kaoishung genannt.

Zweimal hat es einen Tag der offenen Tür bei Siemens in Wildenrath gegeben: zur Eröffnung 1997 und im Jahr 2002. Viele tausend Besucher pilgerten auf das ehemalige Flugplatzgelände. Dr.Carsten-Sünnke Berendsen, der neue Leiter des Prüfcenters, ist nicht abgeneigt, noch einmal eine solche Großveranstaltung auf die Beine zu stellen. Denkbar ist, dass eine Neuauflage 2007 stattfindet, wenn Siemens „Zehnjähriges” in Wildenrath feiert.