Erkelenz: Erkelenz: Abwechslungsreiche Inszenierung des Theaterstücks „Lola”

Erkelenz : Erkelenz: Abwechslungsreiche Inszenierung des Theaterstücks „Lola”

Zwischen Amüsement, Erinnerungen und Betroffenheit schwankte das Publikum in der Erkelenzer Stadthalle bei der Aufführung des Theaterstücks „Lola” von Peter Märthesheimer und Pea Fröhlich nach dem gleichnamigen Drebuch für die Film von Rainer Werner Fassbinder.

Gut zwei Stunden führte das Rheinische Landestheater Neuss in dieser Mischung aus Film und Musical (Movical)zurück in die turbulenten Jahre des Wirtschaftswunders.

Bettina Jahn erzählt in ihrer abwechslungsreichen Inszenierung aus einer deutschen Kleinstadt in den späten 50er Jahren die Geschichte von Menschen, die einerseits der Faszination des Geldes erlegen sind und dem Götzen Mammon anscheinend bedenkenlos jegliche Moral opfern, andererseits aber auch von der verborgenen Sehnsucht nach einer Welt erfüllt sind, in der die Liebe das oberste Prinzip ist. Und dies wird exemplarisch an den Figuren des Stückes aufgezeigt, wobei es eigentlich keinen roten Faden gibt, sondern in einzelnen Szenen Charaktere und ihre Handlungsweisen beschrieben werden, die nicht einfach in die Kategorien gut und böse einzuordnen sind.

Dass ausgerechnet die Hure Lola, die sich der Bauunternehmer Schuckert neben seiner Ehefrau als Gespielin hält, am Ende für so etwas wie geordnete Verhältnisse sorgt, entbehrt nicht einer unterschwelligen Kritik an den damaligen Ethik-Vorstellungen, beziehungsweise deren nicht Vorhandensein. Übrigens wurden die Empfindungen vieler Menschen aus der Nachkriegszeit treffend ausgedrückt durch die damals gängigen Schlager, die mit dem nötigen Schuss Nostalgie von der kleinen Band und dem Gesang der Akteure vor allem die älteren Zuschauer in ihre Jugendzeit zurückversetzten, die sich erinnerten an „den Tag, als der Regen kam”, „die Kutsche voller Mädel und die Taschen voller Geld”, „die nur von den großen Tieren gefressenen süßesten Früchte” oder die auch heute noch gültige Erkenntnis: „Ein Mann muss nicht immer schön sein”.

Linda Riebau spielte die Lola, eine Mischung aus Verruchtheit und unerfüllter Sehnsucht („Bei mir weiß der Verstand mehr als die Seele.”); Rainer Scharenberg war der unbestechliche Baudezernent, der den kleinstädtischen Filz durcheinan-derbringt und mit der Heirat Lolas am Ende offenbar den alten Zustand wiederherstellt; Joachim Berger verkörperte in seiner Rolle des Bauunternehmers den skrupellosen Aasgeier, der mit Geld alles und alle zu kaufen glaubte; Richard Erben war der idealistische Sachbearbeiter Esslin, der den russischen Revolutionär Bakunin verehrte; Doris Dexl spielte die in ihren Chef unglücklich verliebte Sekretärin mit viel komödiantischen Zügen und André Felgenhauer gab den etwas zwielichtigen Bürgermeister Völker.

Auch die Nebenrollen waren mit Katharina Dalichau (in der Doppelrolle als Frau Schuckert und Hure Susi), Hergart Engert (Lolas Mutter) und Melanie Vollmer (Frau des Bürgermeisters und Hure Gigi) exzellent besetzt. Das funktionelle Bühnenbild und die ansehnlichen Kostüme stammten von Ivonne Theodora Storm. - Lang anhaltender Beifall erklang am Schluss.

Nur in die beginnende Fastenzeit schien die „Lola” nicht so recht hineinzupassen, es sei denn, man nimmt sie zum Anlass, sich seiner eigenen Verhaltensweisen zu vergewissern, die ja für diese Zeit der Enthaltsamkeit vielleicht einer Überprüfung bedürfen.