Wassenberg: Erinnerungen an bessere Tage

Wassenberg : Erinnerungen an bessere Tage

Das strahlend blaue Wasser plätschert in leichten Wellen, bis Andrew mit einem Sprung im kühlen Nass eintaucht. Täglich springt der 15-Jährige vom Ein-Meter-Brett und schwimmt die 50 Meter bis zum Ende des Beckens. In knapp fünf Wochen wird er hier zum letzten Mal springen, denn mit Ende der Badesaison schließt das Freibad in Wassenberg. Für immer.

Andrew ist Stammgast im Wassenberger Freibad, die Jahreskarte hat ihn nur zehn Euro gekostet. Lars Röder hat ihn hier aufwachsen sehen. Der Schwimmmeister, der hier seit 1994 Sicherheit bietet, kennt die Kinder der Stadt, ihre Geschwister und Freunde. Mit ihren Eltern hat der gebürtige Wegberger hingegen kaum ein Wort gewechselt. „Sie gehen hier nicht schwimmen”, erklärt er knapp.

Der Blick schweift über die Liegewiesen, an den Umkleidekabinen vorbei, über das Becken. Die Sonne spiegelt sich dieser Tage nur selten auf der Oberfläche des Wassers. Lars Röder und seine Frau sind heute die einzigen Erwachsenen im Wassenberger Freibad. Eine Ausnahme? Wohl kaum, denn 95 Prozent der Badegäste am Gondelweiher sind Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren. Die Liegefläche ist auf den ersten Blick komplett einsehbar, ein Nichtschwimmerbecken gibt es nicht, das Badewasser ist unbeheizt und die Duschen bieten nur kaltes Wasser.

Wer an der Parkstraße schwimmen geht, ist abgehärtet, erklärt der Schwimmmeister. Der Besuch ist witterungsabhängig. Denn die Technik sei veraltet. Wassenberg habe das älteste Freibad im Kreis Heinsberg, erzählt der Bademeister. Das Schwimmbecken sei Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre gebaut worden und in den 50er Jahren mit einer neuen Filteranlage modernisiert worden.

Bestandschutz

„Das alte Bad hat Bestandschutz”, sagt Jürgen Oeben, stellvertretender Vorstand im Stadtbetrieb Wassenberg. Um das Bad zu vergrößern und zu modernisieren, bräuchte die Stadt eine neue Bauleitplanung, die in einem Wohngebiet schlecht umgesetzt werden könne. Die Schwimmbecken in Effeld und Orsbeck eingerechnet, betreibt Wassenberg, so Oeben, „drei marode Bäder”, die die Stadtkasse jährlich mit einem Fehlbetrag von 350.000 Euro belasten. Lehrschwimmen sei für die Gesamtschüler deshalb derzeit nur in eingeschränktem Maße möglich.

„Natürlich hängt man an so einem alten Bad”, meint Jürgen Oeben. Aber die Stadt könne es sich nicht leisten, aus nostalgischen Gründen das Becken nebenher zu betreiben. Und im Durchschnitt habe das Freibad in manchen Jahren „nur 20 gute Tage gehabt”. Dann haben sich bis zu 700 Kinder im Wasser getummelt. An diese „guten Tage” erinnert sich Lars Röder besonders gern. So wird er zum Beispiel nie vergessen, wie sich in seiner Anfangszeit 1994 und 1995 die Besucher des Wildenrather Reggae-Konzerts „Summer Jam” im Freibad erfrischt haben. Oder an die Pool-Party mit Punk-Bands, zu der Mitte Juli rund 300 Musikfans im Wasser planschten.