Kreis Heinsberg: Erfolgsautor Richard David Precht kommt zurück nach Heinsberg

Kreis Heinsberg : Erfolgsautor Richard David Precht kommt zurück nach Heinsberg

Gut ein Jahr ist es her: Über Moral und Vertrauen sprach der Philosoph und Erfolgsautor Richard David Precht in der Heinsberger Filialdirektion der Kreissparkasse vor geladenen Gästen. Als Schirmherr des Bundesverbandes „Mentor - Die Leselernhelfer“ rief er seine Zuhörer dabei auf, sich ebenfalls als Mentoren für Kinder zu engagieren — als Beitrag zu einer Gesellschaft, „in der man in wechselseitigem Vertrauen gerne leben möchte“.

Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, griff den Appell auf und initiierte ein Mentor-Projekt für den Kreis Heinsberg. Im Dezember gründete sich der Verein „Mentor — Die Leselernhelfer Kreis Heinsberg“. SeinSchirmherr ist der in Erkelenz lebende Autor Christian Macharski, noch besser bekannt als „Hastenraths Will“. „Als Herr Pennartz mir das Projekt Mentor vorgestellt hat und mich danach fragte, ob ich mir die Übernahme der Schirmherrschaft für den Kreis Heinsberg vorstellen könne, habe ich spontan meine volle Unterstützung zugesagt“, erklärt er.

Aber auch Richard David Precht kommt noch einmal zurück: „Anna, die Schule und der liebe Gott“ heißt gleichlautend mit seinem gerade erschienen, neuen Sachbuch der Titel einer Benefizveranstaltung für den Verein „Mentor“ im Kreis Heinsberg. Sie beginnt am Freitag, 6. September, um 19.30 Uhr in der Stadthalle in Erkelenz am Franziskanerplatz. Der Erlös der Veranstaltung kommt dem Heinsberger Mentor-Verein zugute. „Das tolle Programm und der gute Zweck motivieren hoffentlich viele Bürger des Kreises Heinsberg, zu diesem besonderen Abend zu kommen und die Stadthalle Erkelenz zugunsten des Vereins zum Bersten zu füllen“, wünscht sich Thomas Pennartz.

In seinem neuen Buch „Anna, die Schule und der liebe Gott“ beschäftigt sich Precht mit der Zukunft der heutigen Schulkinder. Er zieht darin einen großen Bogen von der Bildungsreform Wilhelm von Humboldts (1809) bis heute, um die Entwicklung des deutschen Schulsystems zu veranschaulichen. Hätten in den 1960er-Jahren noch alle Kinder mehr oder weniger dieselben Chancen an den Schulen gehabt, habe sich dieser Zustand seit Mitte der 1990er-Jahre dramatisch verändert, stellt er fest. Obwohl sich Politik und Bildungseinrichtungen einig seien, dass es so nicht weitergehen könne, würden konkrete Lösungsansätze weiterhin fehlen. Precht plädiert für eine neue Form der Schule und der Wissensvermittlung. Er wünscht sich einen Ort, an dem es nicht darum geht, dass Kinder funktionieren, sondern vielmehr ihre individuellen Stärken entdecken können. Nur so, sein Fazit, sind sie bereit für neue Einflüsse und entdecken ihre eigene Kreativität, Teamgeist und Tatendrang.

Genau da setzt die Arbeit der Mentor-Bewegung mit ihren Leseinitiativen an. Sie haben sich genau dieser individuellen Förderung von Kindern im Bereich Lese- und Sprachkompetenz verschrieben.

Die bisher für den neuen Verein im Kreis Heinsberg angefallenen Kosten, etwa für die Vereinsgründung, wurden bisher von den ­ersten Mitgliedern und einige nSponsoren bestritten. Nun stehen die ersten Schulungen für die mittlerweile rund 50 ehrenamtlichen Mentoren und anschließend die regelmäßigen Erfahrungsaustausche an, die durch gesondert ausgebildete Literaturpädagogen übernommen werden.

„Insofern freuen wir uns natürlich sehr, dass sich Richard David Precht als Schirmherr des Bundesverbandes persönlich für unseren Verein engagiert“, betont Heinrich Spiegel, der als ehemaliger Leiter der Wassenberger Betty-Reis-Gesamtschule den Vorsitz des Vereins übernommen hat. „Sich mit den Gedanken von Richard David Precht auseinanderzusetzen, heißt, immer wieder neu das Lernumfeld der Kinder so aufzubereiten, dass sie später ihre und die Zukunft der Gesellschaft gestalten können, durch Wissen, Teamfähigkeit, Kreativität und nicht zuletzt durch ein gesundes Selbstbewusstsein.“

„Allen Grundschulen des Kreises Heinsberg haben wir den neuen Verein vorgestellt“, ergänzt sein Stellvertreter, der ehemalige Schulamtsdirektor Peter Kaiser. „Aus den Gesprächen konnten wir festhalten, dass der Bedarf für unser Projekt unbedingt vorhanden ist.“ Erste Gespräche mit weiterführenden Schulen würden ebenfalls ein hohes Interesse an einer Kooperation mit der neuen Initiative zeigen.

„Der Verein verschenkt durch seine Mentoren die drei Z: Zeit, Zuverlässigkeit und Zuwendung. Das sind Güter, die man nirgendwo kaufen kann“, so Peter Kaiser.