Ingolstadt: Elektronische Fehlersuche: Irgendwo im Auto knistert es

Ingolstadt : Elektronische Fehlersuche: Irgendwo im Auto knistert es

Sie können einen zur Verzweiflung treiben: ungewohnte Geräusche im Auto, die sich zudem noch schlecht orten lassen. Irgendwo ein Knarzen, Knurren, Knistern, Klopfen, Pfeifen, Surren, Wummern oder Schnarren. Es ist halt nicht einfach, das subjektive Empfinden in die richtigen Worte zu fassen.

Noch problematischer wird es, wenn es darum geht, woher die Misstöne kommen. Vorne rechts? Hinten links? Motorraum? Stoßdämpfer? Audi-Techniker haben nun ein System entwickelt, der Ursache von solchen Geräuschen oder Vibrationen auf die Spur zu kommen. So kann in der Werkstatt das Problem präziser erkennt und schneller behoben werden.

Das neue Diagnose-System für die Werkstätten besteht aus kleinen Mikrofonen und Sensoren, die an unterschiedlichen Stellen im Wagen platziert werden. So kleben die elektronischen Helferlein mit Magneten beispielsweise am Motorblock oder an den Sitzschienen im Innenraum. Während der Fahrt werden dann die verschiedenen Geräusche und mögliche Vibrationen ebenso aufgezeichnet, wie die dabei gefahrene Geschwindigkeit und die jeweilige Drehzahl des Motors. Nach der Probefahrt werden die gesammelten Daten mit einer Referenzmessung eines einwandfrei laufenden Fahrzeugs verglichen. In besonders schwierigen Fällen können die Stör-Daten sogar zur elektronischen Fehleranalyse ins Werk gesendet werden.

Nach dem Start mit vier Betrieben haben inzwischen etwa 50 Audi-Händler das um die 3500 Euro teure mobile System, das so genannte NVH-Tool (Noise, Vibration, Harshness) im Einsatz. Vom nächsten Jahr an steht es weltweit allen Betrieben der Marke mit den vier Ringen zur Verfügung. Mit den ausgewerteten Geräuschen aller Untersuchungen in digitalisierter Form plant die Qualitätssicherung zudem eine Datenbank. Die könnte dann Basis für eine zukunftsweisende Software sein, mit der aufgenommene Geräusche sekundenschnell einer bereits bekannten Ursache zuzuordnen wären - ähnlich einer App, die Musiktitel erkennt.

Aufzeichnung von 12.000 Signale

Der schnelleren Fehlerortung dient ebenso das speziell für elektronische Probleme entwickelten Data-Logger Car Assyst. Dabei wird ein Adapter an die Diagnosebuchse gekoppelt. An der Schnittstelle werden die etwa 12.000 zwischen den Steuergeräten im Fahrzeug permanent ausgetauschten Signale während der Fahrt aufgezeichnet.

Tritt der vom Kunden beanstandete Fehler auf, wird der zusammen mit Tempo, Lenkwinkel und anderen Faktoren an das Tablet oder Smartphone des Mechanikers geschickt und dort abgespeichert. Mit eingeschalteter Kamera des mobilen Geräts lassen sich außerdem Straßenbeschaffenheit und Wetter dokumentieren. Diese Art der Problemerkennung ist ein erheblicher Fortschritt zum derzeitigen Prozedere, bei der das Diagnosegerät lediglich den Fehler im Stand ausliest.

Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung mit bald 100.000 statt jetzt 12 000 Signalen zwischen den Steuergeräten plant der Ingolstädter Autobauer bis spätestens 2025 das Auto mehr und mehr zu einem eigenen Analysetool auszubauen. Eine integrierte Sensorik im Fahrzeug erlaubt es dann - falls vom Kunden gewünscht - sowohl der Qualitätssicherung in Ingolstadt als auch der Werkstatt, in Echtzeit auf die Messdaten zuzugreifen. Analysesysteme erkennen dann, wann individuelle Wartungen durchgeführt werden sollen oder der Verschleiß von Teilen einen kritischen Punkt erreicht.

(nom)