Baesweiler/Titz: Eine zweite Chance für den kleinen Spock

Baesweiler/Titz : Eine zweite Chance für den kleinen Spock

Shih Tzu Spock sollte eigentlich längst tot sein. Doch er lebt. Und das nur, weil Menschen wie die Baesweilerin Anita Hünschemeyer sich für Tiere wie ihn einsetzen. Denn der kleine Hund litt an einer Erkrankung am Knie und konnte kaum noch laufen.

Da seine Besitzer die notwendige Operation nicht bezahlen konnten, entschieden sie sich dazu, den zwei Jahre alten Shih Tzu von einer Tierärztin einschläfern zu lassen. Die jedoch weigerte sich und rief Hilfe hinzu. So entkam Spock der Spritze und landete schließlich in Baesweiler.

Geschehen ist all das vor wenigen Wochen auf Gran Canaria. Heute lebt Spock bei einer Familie in Titz. Dorthin wurde er kürzlich von Anita Hünschemeyer vermittelt. Sie hat eine Hundepension in Baesweiler und macht sich für Hunde, die ein neues Zuhause suchen, stark.

Aufgepeppelt und gepflegt

Die Geschichte von Spock ist nur eine von vielen mit einem glücklichen Ende. Spock ist einer von rund 400 Hunden aus Gran Canaria, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren gerettet werden konnten. Hunde wie er, deren Besitzer sich das Tier nicht mehr leisten können, die Straßenhunde Gran Canarias und auch ausgesetzte Hunde landen beim Tierschutzverein Gran Canaria Pets.

Dort werden die Tiere aufgepeppelt, falls nötig operiert, gepflegt und geimpft. Anschließend wird ein geeignetes Zuhause für die Hunde auf Gran Canaria, in den Niederlanden oder eben in Deutschland gesucht. Bevor die Hunde Gran Canaria verlassen, steht auch immer schon fest, wer sie aufnimmt.

Doch das neue Zuhause allein genügt noch nicht. Denn die Hunde müssen auch irgendwie von Gran Canaria nach Deutschland reisen. An dieser Stelle kommen Flugpaten ins Spiel. Sie nehmen die Tiere nach dem Urlaub mit zurück. Das weiß Anita Hünschemeyer aus Erfahrung.

Sie trat im Jahr 2013 nach rund 25 Jahren zu ihrer Silberhochzeit mit ihrem Mann eine Reise nach Gran Canaria an und wollte bei dieser Gelegenheit einem Hund helfen, „nach Hause“ zu kommen. Sie schrieb eine E-Mail an Gran Canaria Pets und erhielt prompt eine Antwort. Weil sie sich sehr für den Ablauf und die Tiere interessierte, stattete sie dem Tierschutzverein einen Besuch ab und schaute sich die beiden vier Monate alten Welpen, die sie mit zurück nach Deutschland nehmen sollte, ganz genau an.

„Die Zwinger auf Gran Canaria sind zwar kleiner als die vergleichbarer deutscher Tierheime, dafür war alles sehr sauber, die Hunde hatten Auslauf und viel menschlichen Kontakt“, sagt sie. „Es ging den Hunden schlichtweg gut.“ Grund genug für Hünschemeyer, die beiden Welpen mitzunehmen. Sie teilte dem Tierschutzverein ihre Buchungsnummer mit und der Rest wurde für sie erledigt.

Zwei Tage vor Abflug wurden die Details telefonisch besprochen und das war es schon. Am Tag der Abreise stand eine Ansprechpartnerin mit den beiden Welpen am Flughafen, hatte alle nötigen Papiere dabei, checkte für Hünschemeyer Gepäck und Hundebox ein, kümmerte sich um die Verladung, machte noch ein Abschiedsfoto und fuhr davon.

Das ist unkompliziert

In Deutschland mussten Hünschemeyer und ihr Mann die Box dann nur noch am Schalter für Sondergepäck abholen und wurden sogleich von einem Tierpfleger empfangen, der die Hunde entgegennahm. „Das ist wirklich unkompliziert. Die Hunde dort sind alle sehr lieb und gut sozialisiert. Und man muss keine Angst haben, dass man am Ende alleine mit den Hunden am Flughafen steht.

Sie werden immer abgeholt“, sagt sie, „das ist alles sehr transparent organisiert und man hat immer einen Ansprechpartner.“ Das einzige Problem: Es finden sich nicht immer Paten. Daher hat Anita Hünschemeyer kürzlich einen Aufruf bei Facebook veröffentlicht. Es warten wieder ein paar Hunde auf ein neues Zuhause.

Paten tragen keine Kosten

Doch der Gedanke an mögliche Kosten oder Aufwand halte viele Urlauber zurück, vermutet Hünschemeyer. Es kann aber auch nicht jeder künftige Besitzer seinen Hund selbst auf der Insel abholen. „Und es kostet nichts für die Paten“, sagt sie. Denn Gran Canaria Pets übernimmt die Kosten für die Überführung. Zudem wird kein krankes Tier nach Deutschland geschickt. Wenn ein Hund vor der Abreise erkrankt, wird sie verschoben. Und die Schutzgebühr wird vom neuen Besitzer übernommen, nicht vom Flugpaten.

Mit viel Herzblut

Anita Hünschemeyer setzt sich deshalb so für Gran Canaria Pets ein, weil sie alle Verantwortlichen persönlich kennengelernt hat und die Tiere auch selbst vom Flughafen abholt und vermittelt. So wie zuletzt Spock. „Es steckt wahnsinnig viel Herzblut darin“, sagt sie.

Kritikern, die sie für ihre Arbeit verurteilen oder gar beschimpfen, weil sie darauf hinweisen, dass zunächst Tiere in deutschen Tierheimen vermittelt werden sollten, entgegnet sie nur: „Jede Hundeseele, die gerettet wird, ist ein Erfolg. Da sollte es egal sein, woher sie kommt.“