Waldfeucht: Eine wahre Sternstunde des Chorgesangs

Waldfeucht : Eine wahre Sternstunde des Chorgesangs

Auch nach dreieinhalb Stunden hatten die zahlreich vertretenen Besucher des Jubiläumskonzertes vom MGV Cäcilia aus Anlass des 140-jährigen Bestehens noch nicht genug und forderten Zugaben - war es doch dem Veranstalter gelungen, für eine wahre Sternstunde des Chorgesangs zu sorgen.

Am Ende bekamen die Besucher von den Mitwirkenden das dickste Lob für ihre außergewöhnliche Aufmerksamkeit. Auch zur vorgerückten Stunde konnte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören.

Ausschank, Mitteilungsbedürfnis und Aufmerksamkeit schlossen sich nicht aus. Im Gegenzug genossen alle drei Vereine die außergewöhnliche Waldfeuchter Atmosphäre mit besten äußeren Bedingungen.

Wie üblich setzte der MGV wieder auf die Attraktion eines Kontrastprogramms. Seinem Auftritt folgte der Mandolinenclub Karken und am Schluss als einsame Spitze die Zangvereniging Oranje Schinveld, frischgekürter holländischer Meister, der sich gegen 260 Mitbewerber durchsetzte. Stimmbildung und Fleiß sind die ausschließlichen Erfolgsmerkmale.

Der Chor wirkt wie ein einziges Mosaik in puncto Anpassung und Ergänzung, ob Register oder Einzelstimme, nicht so sehr über solistische Fähigkeiten. „Mappen weg!”, lautet die Devise von Dirigent Anton Kropivcek.

Demzufolge hängt jeder an seinem Dirigat mit dem Ergebnis der vollendeten Akuratesse, ob in Einsatz, Intonation und vor allem auch Gestaltung. Erfrischend wirkt, dass bei allem Ernst die gute Laune immer mitklingt.

Da fühlte man sich an einen quakenden Froschteich versetzt oder in die afrikanische Tierwelt beim Zulugesang, vernahm die launige Ballade van de Fiets oder das auch bei uns so populäre „´k heb mijn Wagen vollgeladen”.

Es fehlten aber auch nicht die empfindsamen Chorwerke wie Fleur des Blés (Debussy) oder der besungene Abendfrieden in Weisen von Desch, Schubert oder Alfén. Alle vier Meisterstücke kamen zu Gehör und die Besucher waren von dieser Liedkunst einfach hingerissen.

Solch eine Perfektion ist die absolute Ausnahme.

Die Karkener gingen auf eine klingende Weltreise mit Schwerpunkt Südamerika, begannen konzertant und endeten sehr populär. Wie sonst selten gelang es ihnen, die feinsten und zartesten Töne anklingen zu lassen, was ihnen das besondere Lob der Präsidentin Anneliese Ruppert eintrug.

Renate Reich und ihre 18 Musikanten glänzten mit dieser Zupfmusik von A bis Z, verströmten dabei ihre Exotik wie erlesene Virtuosität dank einer zwar kleinen, aber feinen Besetzung.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr verlor der MGV Cäcilia weitere Mitglieder und stand nur noch mit 27 Sängern auf der Bühne, für Dirigent Nico Hermans aber noch kein Grund existenzieller Bedrohung.

Wichtiger ist ihm, dass die Sänger es an Einsatz und Fleiß nicht fehlen lassen und ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Damit verbiete sich auch jeder Vergleich.

Man könne einen Chor nur an seinen Möglichkeiten messen, und die sah er bei der Cäcilia mit vier Neueinstudierungen von sieben Beiträgen voll erfüllt, wobei auch der Rahmen weit gespannt war, beginnend mit slawischem Ritus über die besungene Brüderlichkeit (Fraternitas), den blauen Mond, Dat Waater vun Kölle in einer Eigenbearbeitung bis hin zu populären Musicalweisen. Damit unterstrich der Chor eindrucksvoll seinen Leistungsanspruch.

Angesichts der ständigen Verkleinerung und zunehmenden Ergrauung schloss Hermans im Gespräch auf die Dauer die Notwendigkeit der Zusammenlegung von Männerchören nicht aus, wenn nicht noch ein Wunder geschehe.