Kreis Heinsberg: Eine elektrische Fahrt von Geilenkirchen bis Sittard mit „Citea“

Kreis Heinsberg : Eine elektrische Fahrt von Geilenkirchen bis Sittard mit „Citea“

Im Inneren ist es vergleichsweise laut, obwohl es ein Elektrobus ist. Sobald der Bus steht — Stille. Da kommt es einem so vor, als wäre das Fahrzeug aus. Es riecht neu, der Boden des Busses sieht aus als wäre er aus Holz, an den Sitzplätzen gibt es USB-Anschlüsse. Hier kann man sein Handy aufladen.

Zwölf Meter lang, 3,45 Meter hoch und 2,55 Meter breit — so steht der elektrische Bus da, auf dem Betriebshof der West Verkehr GmbH. Die Testfahrt mit dem 13 450 Kilogramm schweren E-Bus beginnt am Geilenkirchener Bahnhof. Durch die Gemeinden Gangelt und Selfkant geht es bis zur Busstation im niederländischen Sittard-Geleen. Ersetzen soll der E- Bus in Zukunft auf dieser Route die Linie SB3 — aber frühestens 2020.

Eine Woche lang hat das regionale Verkehrsunternehmen im Kreis Heinsberg jetzt den elektrischen „Citea SLF-120 Electric“ des niederländischen Fahrzeugbauers VDL getestet. Eigentlich wollte das Verkehrsunternehmen damit an der E-Rallye der Heinsberger E-Mobilitätsinitiative teilnehmen. Durch die Größe des Busses wäre das allerdings doch schwierig geworden.

Deswegen gab es stattdessen Testfahrten durch das Stadtgebiet. Der „Citea“-Bus ist kein halber E-Bus, sondern ein ganzer. Licht, Heizung, Klimaanlage und natürlich der Antrieb des Busses werden mit dem Strom aus Batterien betrieben. Es ist also kein bisschen Diesel nötig.

Die Testfahrt beginnt

„Dann fahren wir mal los“, sagt Udo Winkens, Geschäftsführer von West Verkehr, und steigt für die 40 Kilometer lange Testfahrt in den E-Bus. Am Steuer sitzen abwechselnd Ralf Muhlberg, zuständig für die Sondertechnik bei West Verkehr, und Dieter Tillmanns, der sich um die Instandhaltung der Fahrzeuge kümmert. Sie nahmen den E-Bus in der vergangenen Woche auch auf technischer Ebene genau unter die Lupe.

„Auf dem Dach des Busses sind insgesamt sieben Batterien verbaut, mit einer Leistung von 180 Kilowattstunden. Auf dieser Strecke von Geilenkirchen bis nach Sittard und zurück liegen wir bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 0,9 Kilowattstunden pro Kilometer. Das ist sehr sparsam und ein guter Wert“, erklärt Muhlberg. Für eine komplette Ladung benötige man mit dem Ladegerät vor Ort etwa sechs einhalb Stunden. Der Ladevorgang sei entweder über den sogenannten Pantograph, der sich auf dem Dach des E-Busses befindet, oder eben über einen Stecker möglich.

Der „Citea“ ist ein Modell aus dem Jahr 2016. So, wie er aktuell beschaffen ist, schaffe er laut Winkens mit einer Ladung noch keine Strecke von 200 Kilometern. Das müsse aber in Zukunft auf jeden Fall machbar sein. „Wie weit so ein Bus fahren kann, hängt auch immer von äußeren Faktoren ab.“

So werde die Reichweite beeinflusst von der Topographie, der Anzahl der Fahrgäste oder der Haltestellen. Aber auch Heizung oder Klimaanlage spielten eine größere Rolle. „Alleine die Beheizung des Busses verbraucht etwa 1,7 Kilowattstunden pro Kilometer zusätzlich. Das ist mehr, als für das reine Fahren benötigt wird“, sagt Tillmanns. Außerdem sei eine solche Batterieleistung auch immer endlich. Die halte nicht ewig.

Wenn ein solcher E-Bus in Zukunft die SB3 ersetzt, dann benötige man etwa drei oder vier Busse auf dieser Strecke. Die Fahrzeuge werden dann in Geilenkirchen und in Sittard auf den Betriebsgeländen aufgeladen. Dass die Deutsche-Bahn-Tochter Arriva, die für den Busverkehr in den Niederlanden zuständig ist, dort bereits über zahlreiche E-Busse verfügt, ist ein Vorteil für die zukünftige Linie SB3. So kann an den dort bereits existierenden Ladestationen schnell und einfach aufgeladen werden. Bis 2025 soll DB Arriva den Busverkehr übrigens komplett auf den elektrischen Betrieb umstellen.

Mit der Anschaffung eines elektrischen Busses habe man laut Winkens mehr als doppelt so hohe Kosten. Kostet ein herkömmlicher Bus etwa 225.000 Euro, muss man für einen E-Bus etwa 600.000 Euro einplanen.

Allerdings gebe es Fördermöglichkeiten, bei denen das Bundesumweltministerium die Modernisierung des öffentlichen Personennahverkehrs mit bis zu 80 Prozent unterstütze. „Der Busverkehr sollte generell auf den elektrischen Betrieb umgestellt werden“, findet Winkens. „Im Moment gibt es gar nicht so viele E-Busse, wie eigentlich benötigt werden. Kein Hersteller produziert derzeit in Serie. Vermehrt wird nur umgebaut und umgerüstet.“

Der niederländische Hersteller VDL hingegen sei schon sehr weit auf dem Gebiet der Elektromobilität. Die E-Busse seien sehr zuverlässig. „In Kontakt sind wir über ein Kleinbusprojekt mit der Firma VDL gekommen“, sagt Winkens. Dieses Projekt sorgt auch dafür, dass ab 2019 in der Erkelenzer Innenstadt der „Erka Bus“ elektrisch rollen soll — ein Kleinbus, der 22 Fahrgäste befördern kann.

„Wenn das klappt, dann soll so ein kleiner E-Bus auch in Geilenkirchen eingesetzt werden“, sagt Winkens. Dass man sich im Falle der Elektrifizierung der Linie SB3 für die Elektrobusse von VDL entscheidet, liege auch daran, dass man zuletzt von Problemen anderer Hersteller gehört habe, die nicht das eingehalten haben sollen, was sie versprochen hätten.

Gesamtgewicht

Was während der Fahrt mit dem E-Bus auffällt, ist die reduzierte Anzahl der Sitzplätze. Das liege an dem Gewicht der Batterien des „Citeas“. Damit das zulässige Gesamtgewicht von 19 000 Kilogramm nicht überschritten werde, stünden hier auch weniger Kapazitäten für die Fahrgäste zur Verfügung. Könnten in einem herkömmlichen Bus dieser Größe 98 Personen mitfahren, seien es in diesem E-Bus nur 78 Personen.

Derzeit arbeite die West Verkehr GmbH zusammen mit anderen Verkehrsunternehmen an der sogenannten „Strategie E“. Dabei werden unterschiedliche Parameter berücksichtigt, um herauszufinden, ob eine elektrische Inbetriebnahme sinnvoll ist. Dann soll auch ersichtlich werden, ob die Linie SB3 elektrifiziert werden kann.

Ergibt es mehr Sinn, die Busse nur in Geilenkirchen und Sittard aufzuladen oder lohnen sich auch Ladestationen an den einzelnen Haltestellen? Was die Kosten des Betriebs und der Instandhaltung angeht, könne man noch nichts Konkretes sagen, dafür fehlten einfach noch die Erfahrungen, so Winkens. „Aber wir gehen davon aus, dass die Betriebskosten etwa zehn Prozent günstiger sind als bei herkömmlichen Bussen.“

Während man als Fahrer kaum einen Unterschied zu den Dieselfahrzeugen bemerkt, ist der Fahrkomfort für den Fahrgast spürbar. Die Beschleunigung des Fahrzeugs ist gleichmäßig. Das ist angenehm. Die Geräuschkulisse im Inneren des Busses gleicht der normaler Busse — was angesichts von Wind- und Reifengeräuschen aber kaum zu vermeiden zu sein scheint.

Etwa 30 Prozent Verbrauch

Von Geilenkirchen bis Sittard hat der „Citea“-Bus etwa 17 Prozent seiner Batteriekapazität verbraucht. Nach der Rückfahrt und bei der Ankunft am Bahnhof in Geilenkirchen sind die Batterien des Busses schließlich noch zu 70 Prozent voll. Rund 30 Prozent sind es also, die bei diesem Modell auf dieser etwa 40 Kilometer langen Strecke verloren gehen.

Die elektrischen Busse von VDL sind auch in anderen Städten bereits voll im Einsatz. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) setzen derzeit acht E-Busse von VDL auf einer sieben Kilometer langen Strecke ein. Wie Mediensprecher Matthias Pesch mitteilt, wolle man bis Ende 2020 oder 2021 in 50 weitere Busse investieren. Auch in Münster, Maastricht und Venlo rollen schon Busse des niederländischen Fahrzeugherstellers VDL.

In Aachen sind derzeit zwei E-Busse im Einsatz. Seit 2015 fährt ein vom Hybridbus zum Elektrobus umgerüstetes Fahrzeug. „Seit 2017 ist ein E-Bus der Firma Sileo aus Salzgitter im Einsatz. Im Laufe dieses Jahres sind noch weitere E-Busse geplant“, erklärt Paul Heesel, Pressesprecher der Aseag in Aachen.