Kreis Heinsberg: Einblicke in die Lebenshilfe-Werkstatt

Kreis Heinsberg : Einblicke in die Lebenshilfe-Werkstatt

Vertreter von mehr als 40 Unternehmen unterschiedlicher Branchen waren der Einladung von der Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Heinsberg zu einem „Auftraggeber-Frühstück“ in Oberbruch gefolgt.

„Wir wollen Danke sagen für ihr Vertrauen in die Produktionen und Dienstleistungen der Lebenshilfe-Werkstatt“, so Lebenshilfe-Vorsitzender Klaus Meier und Geschäftsführer Edgar Johnen im Begrüßungstalk mit Regionalredakteur Dieter Schuhmachers, der als Moderator durch den Vormittag führte. Sie hoben hervor, dass einige der Gäste bereits seit den Anfängen des ersten Werkstattbetriebes in den 1970er Jahren mit der Lebenshilfe kooperieren würden.

Beim „Auftraggeber-Frühstück“: Die Lebenshilfe-Band Workshop sorgte für die musikalische Begleitung der Veranstaltung und ­erhielt spontan von Firmenvertretern mehrere Anfragen für bevorstehende Betriebsfeiern. Foto: Lebenshilfe

Meier erklärte: „Einer sinnvollen Arbeit nachgehen zu können, das wünschen sich auch Menschen mit Behinderung. Berufliche Förderung und sinnstiftende Arbeitsplätze schaffen ist bis heute unser Kernauftrag.“ Zurzeit arbeiten in der Lebenshilfe-Werkstatt 1100 Mitarbeiter mit Behinderung an verschiedenen Standorten im Kreisgebiet. „Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen Fähigkeiten und beruflichen Wünschen“, betonte Johnen. Nicht selten entstehen mit der Vergabe von ersten Dienstleistungsaufträgen langfristige Beziehungen zur Lebenshilfe-Werkstatt. Zunehmend interessieren sich Firmen dafür, mit Unterstützung der Lebenshilfe einen Betriebsintegrierten Arbeitsplatz für einen Mitarbeiter mit Behinderung zur Verfügung zu stellen.

Bei der Talkrunde im Lebenshilfe-Center: Regionalredakteur und Moderator Dieter Schuhmachers (3. v. r.) im Gespräch mit Ludger Tekaat, Lothar Szymkowiak, Kai Schimmelfeder, Karin Kampel und Dirk Voß (v. l. n. r.). Foto: Lebenswerk

Dass die Lebenshilfe-Werkstatt neben der beruflichen Bildung und Arbeitsplatzgestaltung auch einen umfangreichen, persönlichkeitsfördernden Bildungsauftrag wahrnimmt, bemerkten die Gäste auch durch den Auftritt der Hausband „Workshop“, die den Vormittag musikalisch untermalte und für eine lockere Stimmung sorgte.

In einer Talkrunde mit Mitarbeitern und Fachangestellten der Lebenshilfe sowie Lothar Szymkowiak vom Hückelhovener Unternehmen Low & Bonar wurde beispielhaft beleuchtet, wie sich eine Kooperation entwickeln kann. Auf der Suche nach einer Lösung, wie der Produzent von beschichteten technischen Textilien seine zahlreichen Musterbeispiele seinen Kunden in Form von Mustermappen präsentieren könne, sei gemeinsam eine komplette Produktionsstraße für die Mustermappen innerhalb des Heinsberger Werkstattbetriebes an der Borsig­straße entwickelt worden, erläuterte Ludger Tekaat, Betriebsstättenleiter Technik in der Lebenshilfe-Werkstatt, die mittlerweile rund 650 verschiedene Mappen in teils hoher Auflage produziert.

Karin Kampel vom Begleitenden Dienst der Lebenshilfe-Werkstatt ist zuständig für die Koordination der Betriebsintegrierten Arbeitsplätze (BiAp) für Mitarbeiter mit Behinderung und begleitet so unter anderen Kai Schimmelfeder, der am Auftrag für Low & Bonar mitgearbeitet hat und inzwischen einen BiAp bei der Wassenberger Autowerkstatt HS-Fahrzeugtechnik gefunden hat. „Teilhabe am Arbeitsleben wollen wir auf vielen Ebenen jedem Menschen ermöglichen“, so Kampel. So gebe es nicht nur Arbeitsplätze in den Werkstattbetrieben oder in den Lebenshilfe-Cafés. Auch durch Praktika und Betriebsintegrierte Arbeitsplätze in Unternehmen in der Region würden Menschen mit Behinderung vielfältige berufliche Chancen erhalten.

Lothar Szymkowiak, verantwortlich für Marketing und Produktmanagement bei Low & Bonar, blickte sehr positiv auf die mittlerweile vierjährige Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe. Auf die Frage, wie die Arbeitsqualität aus Auftragsgebersicht bewertet werde, antwortete er, ohne zu zögern: „Weltklasse!“

Dirk Voß, Leiter für Arbeit und Technik, machte deutlich, dass sich die Werkstatt in der Marktwirtschaft behaupten und Firmenkunden durch einen hohen Qualitätsanspruch vom Arbeitsprozess bis zur Termintreue überzeugen müsse. Zwar sei die Finanzierung des rehabilitativen Fachpersonals und der Neubau eines Werkstattbetriebes staatlich gefördert, jedoch müsse die Werkstatt darüber hinaus in der eigenverantwortlichen Akquise von Produktions­aufträgen die Löhne der Mitarbeiter und die Investitionen für Arbeitsmittel wie Produktionsmaschinen selbst erwirtschaften. „Trotz dieser wirtschaftlichen Eigenverantwortung steht bei uns jedoch der Mensch mit seinen ­Fähigkeiten und beruflichen Wünschen im Mittelpunkt. Wir suchen nicht den Menschen für unsere Arbeit, sondern Arbeitsaufträge für die Mitarbeiter unter den Aspekten einer beruflichen Förderung“, so Voß.

Mit einem Ausblick auf die ständige Weiterentwicklung und zunehmende Spezifizierung der Werkstatt in den kommenden Jahren luden Klaus Meier und Edgar Johnen die Gäste zu Führungen durch die Werkstatt ein — ein gern genutztes Angebot!