Wassenberg-Orsbeck: Ein „weltberühmter Regisseur” reist in die Provinz

Wassenberg-Orsbeck : Ein „weltberühmter Regisseur” reist in die Provinz

„Wir leben hier in Orsbeck nicht hinter dem Mond, wir haben sogar eine Bushaltestelle.” So hieß es am Wochenende beim Rurauen-Theater-Verein Orsbeck-Luchtenberg. Gleich dreimal stand die Komödie „Tatort Goldene Sau” - ein Dreiakter von Christina Acker-Handke - in der Mehrzweckhalle auf dem Programm.

Zum Stück: Hoher Besuch war in Orsbeck angekommen. Der „weltberühmte Regisseur” Hagen von Bussdorf war in den kleinen, beschauliche Ort gereist, eine Tatsache, die insbesondere bei seiner Assistentin Katharina Hoffmann auf völliges Unverständnis stieß.

Mit den Akteuren der heimischen Theatergruppe wollte der namhafte Regisseur ein Stück einstudieren. Ein Unterfangen, das ihn fast in den Wahnsinn trieb. Die Mitglieder des Theatervereins erwiesen sich nämlich als zwar liebenswerte, aber auch sehr eigenwillige Laiendarsteller.

Über allem schwebte jedoch die große Frage, warum ein berühmter Regisseur es sich antut, in die Provinz zu reisen und sich einer Laientheatergruppe anzunehmen. Er spielte zwar den „großen Zampano”, aber irgendwie nahm man es ihm nicht ab, dass er nach Orsbeck gereist war, nur um auch einem Ort auf dem Lande die „Kunst näherzubringen” und den „Tourismus dort anzukurbeln”.

Nach vielen Turbulenzen kam am Ende die Wahrheit ans Licht. Bei Hagen von Bussdorf gab es ein pikantes Kapitel in seiner Vergangenheit. Er hatte einmal in einem etwas anrüchigen Film mit dem Titel „Hagen in den Laken” mitgewirkt. Und das wusste man im Orsbecker Theatervereins, der ihn damit erpresste. Arroganz und Selbstherrlichkeit des Regisseurs wurden bestraft.

Das Ensemble des Theatervereins und insbesondere das Publikum hatten ihre helle Freude. Es war eine gelungene Jubiläumsaufführung des Theatervereins Orsbeck, die in der Mehrzweckhalle über die Bühne ging. Fotos an der Wand dokumentierten das zehnjährige Schaffen des Vereins. Intensive Probenarbeiten hatten erst die Voraussetzungen für die gekonnten Aufführungen geschaffen.

Wie die umsichtig agierende Regisseurin Kerstin Zawieja zu berichten wusste, waren auch unkalkulierbare Problemen zu bewältigen. Drei Schauspieler seien zwischenzeitlich ausgefallen und am Tag vor der Premiere hatte sich auch noch die Souffleuse krank gemeldet; Renate Hochmuth war eingesprungen. Alle Hindernisse wurden aus dem Weg geräumt. So konnten die Aufführungen zu tollen Erfolgen werden.

Beeindruckend waren auch das Bühnenbild und die Kostüme, alles in Gemeinschaftsarbeit gefertigt. Hinter der Bühne agierten Margit Hermanns, Margot Reiners-Schaps und Mieke Reyners (Maske), Iris Malter, Petra Dossart und Ellen Gerighausen (Requisite) sowie Peter Raschke als Technischer Direktor.

Im Mittelpunkt standen natürlich die brillanten Darsteller auf der Bühne. Beeindruckend war ihre Leistung: Marco Winkens als Hagen von Bussdorf, Inge Wittkowski als Katharina Hoffmann, Monika Matzerath als Nora Miller, Bianca Brendgen als Gaby, Ralf Gerloff als Herbert, Rita Schultewolter als Martha, Betty Lind als Rita, Josephin Bienek als Marie, Hans Stolingwa als Anton und Agniszka Gerloff als Schmetterlingssammler.