Hückelhoven: Ein Vertrag mit Signalwirkung

Hückelhoven : Ein Vertrag mit Signalwirkung

Die Fakten sind alles andere als beruhigend: Das Land NRW kündigt „drastische Einschnitte der Förderung im Jugendbereich” an und das Bistum Aachen praktiziert rigide Sparmaßnahmen.

Den beiden großen Kirchen als Träger vieler Einrichtungen drohen immense Rückgänge bei den Kirchensteuereinnahmen. In dieser für den Fortbestand der Jugendeinrichtungen bedrohlichen Situation haben sich Vertreter der Stadt und der kirchlichen Einrichtungen an einen Tisch gesetzt.

Vorbildcharakter

Ziel der Zusammenkunft: Die Ausarbeitung einer vertraglichen Regelung zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Am Mittwochmorgen wurde das Vertragswerk im Jugendamt der Stadt Hückelhoven an der Ludovicistraße unterzeichnet.

Alle Vertragsparteien würdigten die Regelung als eine Vereinbarung „mit Signalwirkung”, der man „Vorbildcharakter” für den Kreis und möglicherweise gar für das Land NRW attestiert.

„Der Vertrag bringt den Trägern der Jugendeinrichtungen zunächst einmal Sicherheit”, sagte Hückelhovens Jugendamtsleiter Ralf Schwarzenberg. Konkret: Die Stadt trägt künftig 95 Prozent der Personalkosten (die immer den dicksten Finanzbrocken darstellen), der Träger der Einrichtung die verbleibenden fünf Prozent sowie die Sachkosten.

Die Offene Kinder- und Jugendarbeit wird durch den Vertrag, der keine zeitliche Begrenzung beinhaltet, nicht nur in ihrer jetzigen Substanz erhalten bleiben - es werden neue Wege in der Verbindung mit Erziehungshilfen, mobile Gruppenarbeit und Präventionsangebote in Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen beschritten.

Neben dieser neuen inhaltlichen Ausrichtung wird die Stadt Hückelhoven rund 60.000 Euro zusätzliche Mittel für diesen Bereich zur Verfügung stellen. Mit dann jährlich 210.000 Euro einschließlich der noch bereitstehenden 30.000 Euro übernimmt die Stadt damit die ausfallenden Landesmittel und zum Teil die finanziellen Kürzungen bei den freien Trägern.

„Dies ist ein deutliches Signal für die kinder-, jugend- und familienfreundliche Politik in unserer Stadt”, wertete Bürgermeister Bernd Jansen.

„Neben der Schule ist die Offene Jugendarbeit die zentrale Sozialisationsinstitution in unserer Gesellschaft”, unterstrich Superintendent Klaus Eberl die Bedeutung der Jugendeinrichtungen als „gesellschaftsdiakonische Aufgabe”. Die evangelische Kirche ist übrigens der größte Träger von Einrichtungen für Jugendliche im Kreis Heinsberg.

Das jetzt unterschriftsreife Vertragswerk biete „sehr präzise Leistungsbeschreibungen und den Trägern wie der Stadt wie auch den Jugendlichen selbst ein hohes Maß an Sicherheit”, so Eberl.

Dechant Klaus Jansen hob hervor, dass sich „mit diesem Vertrag einmal mehr deutlich zeige, dass Hückelhoven auf die Jugend und damit auf Zukunft setzt”. Außerdem, so betonte Susanne Bronner als Jugendpfarrerin des Kirchenkreises Jülich, werde mit dieser Übereinkunft die „Ökumene vor Ort noch einmal intensiviert”.

Sie stelle eine Vereinheitlichung der Jugendarbeit für das gesamte Stadtgebiet „über die konfessionellen Grenzen hinweg” dar und zeuge von „gegenseitiger Wertschätzung”.

„Herausgekommen ist ein Modell, das kreisweit , vielleicht sogar NRW-weit ein Novum ist.” Der Bürgermeister ist zufrieden. Klaus Eberl, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, kündigte bei der Unterzeichnung an, dass das Hückelhovener Vertragswerk Folgen haben wird: Er habe in der vergangenen Woche mit Landrat Stephan Pusch gesprochen.

„Es wird demnächst eine ,Zukunftswerkstatt Jugendarbeit geben”, sagte der Superintendent. Nach Eberls Überzeugung wird der Hückelhovener Vertrag „Kreise im Kreis ziehen”.