Hückelhoven: Ein Trio begeistert mit viel Enthusiasmus

Hückelhoven : Ein Trio begeistert mit viel Enthusiasmus

Kann man mit Hilfe einiger Tasten und zehn Saiten einen abwechslungsreichen Konzertabend gestalten und dabei auch die Aufmerksamkeit und den Applaus ernten, der sonst nur einem großen Orchester gebührt?

Ja, man kann, vorausgesetzt, es agiert eine Gruppe ambitionierter Jungmusiker, die mit Enthusiasmus bei der Sache sind.

Bestes Beispiel für eine solch glückliche Mischung aus noch unverbrauchten Talenten ist das Klaviertrio „Fiorin Trio”, das die nunmehr zehnte Spielsaison von con brio, Freunde der Kammermusik Hückelhoven, in der städtischen Aula eröffnete.

„Besonders stolz sind wir diesmal, dass wir mit der Violinistin Eva Lüdenbach einen Gast hier haben, der im Kreis Heinsberg aufwuchs und schon einmal in Hückelhoven ein Stelldichein gab,” freute sich Organisatorin Eva-Maria Seidel bei der stimmungsvollen Eröffnung des Konzerts und verdeutlichte damit eines der wichtigsten Bestreben von con brio.

Der Verein will neben jungen Künstlern auch aus der Region stammende, erfolgreiche Musiker präsentieren und damit einen attraktiven Kontrast zu der oftmals anonymen, internationalen Ensemblebesetzung großer Orchester bieten.

So jung Eva Lüdenbach auch ist, durch ihre Kindheit in Erkelenz kann sie in der hiesigen Gegend nicht mehr als unbeschriebenes Blatt gelten und nach dem jetzigen Auftritt in Hückelhoven ist sie wohl endgültig ein weiterer, künstlerischer Export, auf den der Kreis Heinsberg stolz sein kann.

Verstecken brauchten sich auch die beiden anderen Mitglieder des „Fiorin Trios”, Nikolaus Resa (Piano) und Clemens Müllner (Violoneello) nicht, die mit ihr gemeinsam an den Berliner Musikhochschulen studierten und die begabte Violinistin nach Hückelhoven begleiteten.

Alle drei hatten sich mit einer ansprechenden Mischung aus speziell auf ihre Instrumentalisierung zugeschnittenen Kompositionen ein gleichermaßen anspruchsvolles wie abwechslungsreiches Programm ausgewählt.

Zum Auftakt gab es mit Ludwig van Beethovens zweitem Klaviertrio op. 70 eine ausdrucksstarke Kostprobe des vielfältigen Repertoires der jungen Musiker.

So konnte Nikolaus Resa frühzeitig ein virtuoses Spiel mit den Tasten entfalten, zu dem Eva Lüdenbach und Clemens Mütiner mit ihren Streichinstrumenten die passenden Akzente setzten.

Gegen Ende des Finales, das mit einem Allegro abgeschlossen wurde, glich der Vortrag damit eher einem munteren Dialog, der von der Grundrhythmik des Klaviers getragen wurde und sich in einem raffinierten „Frage-und-Antwort-Spiel” zwischen Violine und Violoneello in Tempo und Höhe bis zum markanten Schlussakkord immer mehr steigerte.

Mit einem Auszug aus dem Gesamtwerk des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu konnte das Fiorin Trio den vorangegangenen Hörgenuss sogar noch überbieten.

Die fünf kurzen Stücke Martinus boten die optimalen Voraussetzungen für eine lebendige und mitreißende Darbietung, die eine besondere Atmosphäre schuf.

Nicht weniger einvernehmend und lebhaft offenbarte sich auch der zweite Teil des Konzerts, in dem die drei Interpreten sich mit einer speziellen Klaviertriokomposition von Johannes Brahms wieder der klassischen Musik des 19. Jahrhunderts zuwandten.

In Anbetracht der Lebensläufe von Eva Lüdenbach, Nikolaus Resa und Clemens Müllner verblüfft diese meisterhafte Perfektion und der Enthusiasmus jedoch keineswegs.

Alle drei sind mehrfach ausgezeichnete Preisträger bedeutender Wettbewerbe im In- und Ausland und bereits sehr gefragt für diverse Ensemblebesetzungen.

Der Applaus am Ende hätte auch für ein Orchester nicht größer sein können.