Hückelhoven: Ein Ort für Stille, Sinnlichkeit und Nähe

Hückelhoven : Ein Ort für Stille, Sinnlichkeit und Nähe

Die aufgehende Montagssonne stellt für Matt das „Bullauge zur Hölle” dar. Sie lässt ihn unmissverständlich wissen: „Das sichere Wochenende ist vorbei. Eine neue schreckliche Woche beginnt.”

Matt will nicht in die Schule, denn dort wartet bereits Remco mit seiner Bande, um ihn - wie jeden Tag - zu verprügeln. Aber er muss: „Schulkrankheit ist keine Krankheit”, sagen seine Eltern. Auch von den Lehrern darf Matt keine Hilfe erwarten.

An einem Tag taucht dieses seltsame weiße Huhn auf, und alles wird plötzlich anders. Voller magischer Momente und zauberhafter Geschehnisse, aber ohne sentimentalen Zuckerguss und stets nah an den emotionalen Innenwelten seiner jungen Zuschauer - mit diesen Qualitäten konnte das Theater mini-art in der Aula des Gymnasiums auftrumpfen.

„Der Junge mit dem Huhn” lautet der Titel des Theaterstückes für Kinder ab neun Jahren nach der gleichnamigen Erzählung von Imme Dros, das das Ensemble in stellenweise bedrückender Authentizität zur Aufführung brachte.

Es war ein weiterer Glanzpunkt des städtischen Theater-Starter-Projektes. Die unverblümte Wahrhaftigkeit des Bühnenwerkes unter der Regie von Rinus Knobel ließ sich freilich nicht an dem eher reduzierten Bühnenbild oder anderen „Oberflächlichkeiten” festmachen, sondern allein an der ganz und gar nicht artifiziellen Intensität der Darstellung von Crischa Ohler und Sjef van der Linden.

Mini-art, ein deutsch-niederländisches Jugendtheater mit eigener Spielstätte in Bedburg, will in einer durch die Superlative „schneller-stärker-größer-bunter-brutaler-lauter-mehr” geprägten Zeit einen Ort schaffen zum Innehalten, für Stille, Sinnlichkeit und Nähe. Dies gelang auf eindrucksvolle Weise.

Was heißt es, Macht über andere zu haben? Wie entsteht Hass und was macht er mit einem? Ist Rache die Lösung? Matt, verzweifelt und allein gelassen, erkennt bald schon die Fähigkeiten des durch den Teufel höchstpersönlich verzauberten Huhns. Er kann andere Menschen kraft seiner Gedanken denken und tun lassen, was er will.

„Ich will, dass die ganze Welt meinen Namen kennt”, bestimmt Matt. Von der Opfer- schlüpft er in die Täterrolle: Lange dauert es, bis ihm die mahnenden Worte der sprechenden Henne einleuchten: „Unbegrenzte Macht ist schrecklich, furchtbar”. Da scheint es fast schon zu spät.

Der faustische Pakt mit dem Teufel treibt ihn zum Bösen, obwohl er eigentlich doch nur Gutes wollte. Oder? Ganz zum Schluss ist wieder alles so wie zu Beginn. Und Matt kann sich bewähren.