Kreis Heinsberg: Ein Neuanfang für Bäckermeister Bremer

Kreis Heinsberg : Ein Neuanfang für Bäckermeister Bremer

Daniel Bremer und seine Leute backen weiter. Die Brötchen sind zwar kleiner geworden — im übertragenen Sinne. Im ganz wörtlichen Sinne gilt das Gleiche für die Belegschaft und die Zahl der Filialen, auch sie sind nun kleiner. Und doch wirkt Bäckermeister Bremer im Gespräch wie einer, dem eine Last von den Schultern gefallen ist.

Er, seine Frau Verena und ihre Mitarbeiter haben eine Menge hinter sich, und natürlich sind sie auch immer wieder angesprochen worden, was denn eigentlich los sei mit ihnen und ihren Bäckereien.

Es war ja auch kaum zu übersehen, dass es nicht rundlief. Wurde man in der einen Filiale noch wie gewohnt bedient und mit Brötchen, Teilchen oder Kuchen eingedeckt, verschwand die nächste bereits. In Geilenkirchen etwa schloss zunächst die Filiale in der Herzog-Wilhelm-Straße, es folgte die im Kaufland wenige hundert Meter weiter. Das Familienunternehmen, gegründet 1880 und von Daniel Bremer in fünfter Generation geführt, war insolvent.

Stullen von der Tanke

Der Konkurrenzkampf auf dem Markt ist hart wie wohl noch nie. Das liegt weniger an den traditionellen Betrieben, die natürlich immer schon um die Kundschaft wetteiferten, als vielmehr daran, dass man Brötchen mittlerweile fast überall bekommt. Supermärkte verkaufen Aufbackbrötchen für kleines Geld und haben auch noch damit angefangen, mi von Automaten aufgewärmte Produkte zu verkaufen, die Frische vorgaukeln. Und auch an vielen Tankstellen kann man auf dem Weg nach Hause gleich noch fürs Abendbrot einkaufen. Ob Stullen von der Tanke oder Tiefgekühltes vom Discounter, das Ergebnis ist das Gleiche: Der Kunde hat ein paar Minuten Zeit gespart, sein Kleingeld bleibt bei großen Konzernen hängen. Den traditionellen Betrieben fehlt es.

Dr. Michael Vondenhoff war schockiert, als er von der Bremer-Insolvenz erfuhr. „Man fragt sich natürlich: Wie soll das weitergehen, wenn die schon Probleme bekommen?“, sagt der Hauptgeschäftsführer von Kreishandwerkerschaft und Bäcker-Innung. Immerhin habe es sich um einen der größten Betriebe im Kreisgebiet gehandelt. 30 gebe es zurzeit noch, in der Regel verschwinde einer pro Jahr. Das muss nicht immer aus wirtschaftlicher Not geschehen, es können auch Altersgründe vorliegen. So oder so werden die Filialen dann oft von überregionalen Akteuren wie Stinges, Kamps oder Oebel übernommen, die man im Kreisgebiet mittlerweile vorfindet. Oder sie schließen ganz.

Daniel Bremer hat den Beruf des Bäckers mit der Muttermilch aufgesogen, er betreibt sein Handwerk mit Leib und Seele. Selbst seine Hochzeit war einst kein Grund für ihn, in der Nacht davor der Backstube fernzubleiben. Schon mit zwölf Jahren hatte er im elterlichen Betrieb ausgeholfen, nach dem Abitur ging er 1997 in die Lehre, ab 2002 folgte die Meisterschule. 2005 wurde er Geschäftsführer des Familienbetriebs.

Die Größe wurde zum Problem

Und zunächst lief es gut, eigentlich sogar sehr gut, in den ersten sechs, sieben Jahren wurden praktisch ausnahmslos eine oder gar zwei Filialen pro Jahr eröffnet. Doch irgendwann war das kein Ausdruck wirtschaftlicher Stärke mehr, sondern von Problemen, auch wenn es keiner ahnte. „Ich habe nur noch ein Loch mit dem anderen gestopft“, übt Bremer sich in Selbstkritik. Das konnte nicht ewig gutgehen. Als Anfang 2017 die Verkäufe einbrachen, war das nicht mehr zu kompensieren. Die eigene Größe war zum Problem geworden. Da half es auch nicht mehr, dass Privatvermögen in das Unternehmen floss. Die Insolvenz war nicht mehr abzuwenden.

Für Bremer geht es weiter, wenn auch mit verkleinertem Filialnetz. Von den Geilenkirchener Filialen bleibt die in Lindern, außerdem bleibt Bremer in Hückelhoven-Doveren und in Heinsberg-Randerath, dem Heimatdorf der Familie. Die übrigen Bäckereien, vor der Insolvenz waren es weitere acht, bleiben geschlossen, statt knapp 100 Mitarbeitern beschäftigt man noch ganze 18 in Produktion und Verkauf. Die Bremers sind froh darüber, dass die übrigen Mitarbeiter bei der lokalen Konkurrenz untergekommen seien. Einer, jung und ungebunden, wanderte aus und backt nun auf Mallorca.

Daniel Bremers Arbeitsplatz liegt weiter in Randerath. In der Backstube ist es jetzt ruhiger geworden, einige hochwertige Maschinen wurden verkauft. Doch was ist das schon, wenn dafür der Stress und der Druck nachlassen und die Muße wieder Einkehr hält. „Ich hatte sogar Zeit, ein paar Dinge auszuprobieren, die demnächst in Serie gehen könnten“, verrät Bremer. „Ich stehe morgens wieder gerne auf.“