Simmerath: Ein Leistenbruch entsteht nicht schlagartig

Simmerath : Ein Leistenbruch entsteht nicht schlagartig

Es zieht in der Leistengegend oder schmerzt beim Husten und Laufen, und in der Leistengegend hat sich eine Schwellung gebildet, die sich meist jedoch noch selbst mit der Hand wegdrücken lässt. Diagnose: Leistenbruch.

Alleine in Deutschland treten jährlich circa 250.000 neue Leistenbrüche auf. Männer sind hiervon deutlich häufiger betroffen als Frauen. Im Rahmen unserer Telefonaktion „Leser fragen - Ärzte antworten” beantwortet Dr. Eckhard Hinkel, Chefarzt der Chirurgie am Simmerather St.-Brigida-Krankenhaus, am Mittwoch, 19. Mai, von 16 bis 18 Uhr Fragen zum Thema Leistenbruch und erläutert Therapieverfahren. Die Rufnummer, unter der er zu erreichen sein wird, geben wir am Aktionstag in unserer Druckausgabe bekannt.

Die Bauchwand des Menschen besteht aus mehreren Schichten. Im Bereich der Leiste zieht beim Mann der Samenstrang und bei der Frau das sogenannte Mutterband im Leistenkanal durch die Bauchdecke. Vereinfacht ausgedrückt, sagt Dr. Hinkel, könne es an dieser Stelle in der Bauchwand zu einer Erweiterung dieser natürlichen Lücke kommen. „Die Bauchwand bricht auf, es bildet sich eine Bruchpforte, durch die sich nun die Baucheingeweide nach außen drücken können. Dies ist kein schlagartiger Vorgang, sondern ein wochen- oder monatelanger Prozess.”

Neben anatomischen Gegebenheiten ist eine Bindegewebsschwäche die Hauptursache für den Leistenbruch (Leistenhernie). Eine chronische Erhöhung des Drucks im Bauchraum kann einen Bruch begünstigen. Dies ist beispielsweise der Fall bei chronischem Husten, bei Übergewicht, in der Schwangerschaft oder bei einer chronischen Darmverstopfung (Pressen beim Stuhlgang). Der sogenannte Bruchsack kann im Laufe der Zeit an Größe zunehmen und sich dann in den Hodensack, oder bei der Frau in die Schamlippen, verlagern. Dabei muss ein Leistenbruch keine Schmerzen verursachen, weshalb manche Patienten ihren Bruch jahrelang mit sich tragen.

Für sich betrachtet ist ein Leistenbruch keine ernste Erkrankung. Je größer jedoch der Bruchsack wird, desto mehr Darm verlagert sich in den Bruch. „Normalerweise kann man den Darm durch Druck auf den Leistenbruch leicht wieder in den Bauchraum verlagern”, erläutert Dr. Hinkel. Ist das nicht mehr möglich, spricht man von einer Inkarzeration, einer Brucheinklemmung. Dies ist stark schmerzhaft und muss notfallmäßig operiert werden, bevor durch zu lange Einklemmung ein Absterben des ausgetretenen Darms eintritt. Schlimmstenfalls ist neben der Bruchversorgung auch eine Darmteilentfernung notwendig.

Eine Leistenhernie heilt nicht von selbst. „Eine konservative Therapie mit Bruchbändern ist heutzutage jedoch abzulehnen, wenngleich jährlich noch tausende Bruchbänder verkauft werden”, erklärt der Chirurg. Vielmehr seien inzwischen mehrere Operationsverfahren entwickelt worden - von einem Verschluss der Bruchlücke mit einer speziellen Naht bis zum Einsatz von Netzen, die die Bruchlücke verschließen. Jede Methode habe ihre Vor- und Nachteile, sagt Dr. Hinkel. Allen Methoden gemeinsam ist, dass sie keine hundertprozentige Garantie bieten, dass der Leistenbruch nicht wiederkommt.

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