Erkelenz: Ein kleines „P” sorgt für großen Wirbel

Erkelenz : Ein kleines „P” sorgt für großen Wirbel

Vier vermeintliche Parkplatzmarkierungen, über deren Bedeutung Uneinigkeit herrscht, sorgen auf der Burgunderstraße im Neubaugebiet Oestricher Kamp für einige Verwirrung.

Schon seit geraumer Zeit muss sich Günter Vogts mit einem kleinen Buchstaben „P” beschäftigen, der auf einem Pflasterstein vor seinem Haus eingelassen ist und diesen Bereich anscheinend als Parkplatz auszeichnet. Insgesamt vier dieser beschrifteten Pflastersteine befinden sich rechts und links am Straßenrand. Sie stellen, so vermutete Vogts, eine Maßnahme der Stadt gegen Raser dar, die gerne mit erhöhtem Tempo über die Burgunderstraße abkürzen.

Wenn jeder der Plätze durch ein geparktes Auto besetzt wäre, wären die Autofahrer gezwungen, ihre Geschwindigkeit zu verlangsamen und Schritttempo zu fahren. Clever gedacht, klappt aber nicht. Das weiß auch Günter Vogts: „Die Buchstaben auf der Fahrbahn sind viel zu klein und können von den Autofahrern gar nicht wahrgenommen werden.” Die Autos, so Vogt, stünden weiterhin am Randstreifen, der Verkehr fließe weiter ungehindert durch die an sich verkehrsberuhigte Spielstraße.

„Wenn wirklich mal einer auf dem „P” parkt, stellt er wegen der Falschparker gegenüber eine Verkehrsbehinderung dar”, sagt Vogts. Was dann passiert, hat er selbst erlebt.

Im August wurde sein Wagen von der Polizei abgeschleppt, obwohl - oder gerade weil - er ihn auf dem ausgewiesenen Parkplatz vor seinem Haus abgestellt hatte. „Ich kam gerade mit meiner Frau am Abend von einem Spaziergang zurück, als uns ein Nachbar darauf hinwies, dass unser Wagen abgeschleppt worden sei”, erinnert sich Vogts. Tatsächlich stand sein Auto nicht mehr auf dem Parkplatz vor seinem Haus, sondern gegenüber zwischen anderen vermeintlich falsch abgestellten Fahrzeugen. Zu allem Überfluss hing auch noch ein „Knöllchen” über 35 Euro an der Windschutzscheibe.

Telefonisch erfuhr er, dass die Beamten seinen Wagen „irrtümlich” als Verkehrsbehinderung angesehen und das Abschleppen veranlasst hätten. Nachdem ihnen der Fehler aufgefallen war, hätten sie ihn wieder abgestellt - auf der falschen Seite. Das Bußgeld brauchte er natürlich auch nicht zu bezahlen. Zusätzlich gab es den obrigkeitlichen Ratschlag, zukünftig nicht mehr auf dem „P” zu parken.

Die Stadt beruft sich darauf, dass die markierten Steine laut Straßenverkehrsordnung keine „Parkflächenmarkierung im rechtlichen Sinne” darstellten und „keine eigenständige Wirkung” besäßen und auch nicht einmal als „sonstiger Verwaltungsakt” einzustufen seien.

So bleibt auf der Burgunderstraße alles wie gehabt: Der Pkw-Verkehr fließt weiterhin ungehindert schnurgerade und durchaus nicht im Schritttempo durch die Spielstraße; und rund um die Nutzung der Parkmarkierungen kommt es immer wieder zu unfreundlichen Diskussionen zwischen Anwohnern und Autofahrern. Da stellt sich dann die Frage, warum überhaupt diese Steine eingebaut wurden.

„Wir kommen uns ja schon wie Querulanten vor, wenn wir die Leute ständig darauf hinweisen, dass sie trotz des „P” falsch parken.” Dabei hat Familie Vogts eine Lösung parat: Dort, wo jetzt die Buchstaben eingelassen sind, können massive Blumenkübel aufgestellt werden. Die werden garantiert von den Autofahrern beachtet.

Um der Stadt zusätzliche Kosten und Arbeit zu ersparen, wären er und seine Frau gerne bereit, die Bepflanzung „ihres” Kübels in Eigenregie zu übernehmen. Verkehrszeichen im Sinne der Straßenverkehrsordnung stellen Blumenkübel natürlich auch nicht dar. Jedoch würden sie aus gutem Grunde bestimmt ernst genommen.