Kreis Heinsberg: Ehrenamtliche: „Säulen des Vereinssports“

Kreis Heinsberg : Ehrenamtliche: „Säulen des Vereinssports“

Zum achten Mal veranstaltet der Kreissportbund Heinsberg an diesem Samstag seine Sportgala. Die KSB-Veranstaltung findet ab 19 Uhr im Wegberger Forum statt. Als Schirmherr fungiert wieder der Landrat des Kreises Heinsberg, ­Stephan Pusch. Unsere Zeitung begleitet das Fest — wie in den vorangegangenen Jahren — als Medienpartner.

Tradition hat auch das Interview mit dem KSB-Vorsitzenden, das zu diesem Anlass erscheint. Ronnie Goertz beantwortet diesmal Fragen rund um das Thema Ehrenamt.

Erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler stehen meist im Blickpunkt, die vielen ehrenamtlichen Kräfte arbeiten hingegen oft im Verborgenen hinter den Kulissen. Der Kreissportbund Heinsberg ehrt bei seiner Sportgala alljährlich bewusst herausragende Köpfe aus beiden Bereichen: Aktive wie Ehrenamtliche. Wird ehrenamtliches Engagement generell ausreichend wertgeschätzt in dieser Gesellschaft?

Goertz: So generell lässt sich das nur schwer beantworten. Ich denke, das kommt immer auf die jeweilige Perspektive und die Erwartungshaltung an. Oftmals wird ja die Politik angesprochen und vom Sport kritisiert, sie würde zu wenig für die Ehrenamtlichen tun.

Der Politik ist nach meiner Einschätzung schon sehr bewusst, wie wichtig das Ehrenamt für die Gesellschaft ist und dass unsere Gesellschaft ohne Ehrenamt nicht funktioniert. Das haben zuletzt die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten und die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin gezeigt, die beide das gesellschaftliche Engagement in den Fokus gerückt und dessen Bedeutung hervorgehoben haben.

Und die Politik möchte das Ehrenamt auch unterstützen, nur die Möglichkeiten scheinen begrenzt. In der Wahrnehmung der Sportvereine bedankt sich die Politik gerne für das Engagement und lobt es, wenn dann aber echte Unterstützung zum Beispiel in Form finanzieller Förderung oder im Zusammenhang mit Sportstätten eingefordert wird, laufen Gespräche gerne ins Leere.

Ich halte es für wichtig und sinnvoll, dass Sport und Politik in einen ernst gemeinten Dialog auf Augenhöhe treten und sich darüber austauschen und vereinbaren, in welcher Form das Ehrenamt unterstützt werden kann. Der Sport sollte dabei in der Lage sein zu formulieren, was er benötigt, um seiner gesellschaftlichen Bedeutung auch nachkommen zu können. Aus meiner Sicht ist hier auf beiden Seiten noch viel Luft nach oben.

Wenn Sie auf die Sportszene im Kreis Heinsberg blicken: Wie würden Sie das Ehrenamt, auf das Sie als Kreissportbund und die Vereine vor Ort da bauen können, zusammenfassend beschreiben? Zugegebenermaßen keine einfache Frage.

Goertz: Das stimmt allerdings. Ich würde es mal so beschreiben: Diejenigen, die sich bereits engagieren, tun dies in einem sehr hohen Maß im Interesse der Mitglieder und Sportler des Vereins. Sie sind die Säulen des Vereinssports und engagieren sich mit jeder freien Minute für ihren Verein. Teilweise in einem Umfang, der auf Dauer nicht leistbar ist. Denn in vielen Vereinen ist die Zahl der ehrenamtlich Engagierten eher unzureichend.

Und die sich engagieren, versuchen das aufzufangen, bis es nicht mehr geht. Leider ist es heutzutage in einem Verein nicht mehr selbstverständlich, dass jeder seinen Beitrag leistet, damit ein Verein auch funktionieren kann. Und an diesem fehlenden Selbstverständnis krankt es auch im Vereinssport im Kreis Heinsberg.

Ehrenamt bedeutet oft viel Arbeit für diejenigen, die es machen. Es muss ihnen aber andererseits auch etwas bringen, sonst würde es ja niemand machen. Ich denke da nicht an eventuelle Aufwandsentschädigungen. Was ist der wahre Gewinn für ehrenamtliche Kräfte?

Goertz: Viele Menschen möchten mitbestimmen, mitgestalten, mitentscheiden und streben dabei nicht selten nach Selbstverwirklichung. Dies und noch viel mehr bietet ein Sportverein den Menschen — und das bereits in jungen Jahren. Es bieten sich Möglichkeiten und Erfahrungen, die nicht jedem in Schule und Beruf geboten werden, die aber zur Persönlichkeitsentwicklung maßgeblich beitragen. Anerkennung und Wertschätzung — und das schon in seiner einfachsten Form, mit einem Dankeschön oder einem Lächeln — tragen zur Bestätigung und zur Motivation bei.

Aus der Summe ergibt sich für viele ein wichtiger Antreiber: „Anderen etwas zurückzugeben, wovon man selbst profitiert hat.“ Das trifft auch für mich zu. Ich habe dem Sportverein seit jungen Jahren sehr viel zu verdanken, ob als Sportler oder auch schon früh in der Vorstandsarbeit. Das möchte ich zurückgeben, indem ich mich dafür einsetze, dass die Organisationsform Sportverein erhalten bleibt und so noch viele Menschen — jüngere wie ältere — von den Möglichkeiten profitieren können. Deswegen engagiere ich mich in vielfältiger Weise im Sport.

Sie haben jüngst bei der Versammlung des Kreissportbundes die Initiative Ehrenamt 2018 — 2022 des Landessportbundes in den Fokus der Vereine gerückt. Was verbirgt sich dahinter?

Goertz: Die Bindung und Gewinnung von Ehrenamtlichen stellt für immer mehr Sportvereine ein existenzielles Problem dar. Mit der Initiative möchte der Landessportbund das Ehrenamt im Sportverein wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen tragen und für ein Engagement im organisierten Sport werben.

Dazu wurden bislang zwölf Kampagnenmotive zu einzelnen Tätigkeiten im Verein erstellt, die sehr ansprechend und modern für das Ehrenamt werben. Zudem soll die Initiative zum Beispiel über die Ehrenamtsberatung aktiv zur Vereinsentwicklung beitragen und Sportvereinen eine ­systematische Unterstützung an die Hand geben, um einem Mangel an Ehrenamtlichen vorzubeugen und sich zukunftsfähig aufzustellen.

Welche Ratschläge haben Sie für Vereine, die sich dem Thema Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlern intensiver widmen wollen?

Goertz: In erster Linie, sich rechtzeitig und ohne Not mit dem Thema zu beschäftigen und nicht erst, wenn dem Verein die Ehrenamtlichen ausgehen und die Existenz bedroht ist. Zudem halte ich es für sinnvoll, dass es in jedem Verein einen Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen gibt, der dies als ausschließliche Aufgabe hat. Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen als Vorstand neben anderen Aufgaben zu betreiben, ist aus meiner Sicht nicht möglich und wird auch den Ehrenamtlichen nicht gerecht.

Weiterhin halte ich es für wichtig, dass man dieses Thema systematisch angeht und sich bei Bedarf externe Unterstützung über eine Ehrenamtsberatung des Landessportbundes in den Verein holt. Unsere Vereine machen schon vieles gut und richtig, jedoch oftmals eher zufällig und nicht zielgerichtet genug. Bis zu 20 Beratungsstunden sind hierbei für die Sportvereine kostenlos. Das ermöglicht zudem den Blick über den Tellerrand hinaus und manchmal wird ein Dritter besser gehört als der Prophet im eigenen Verein.

Im Rahmen der Kampagne will der Landessportbund mit der Aktion „Tage der Ehre“ jeden Tag zu einem „Tag des Ehrenamts“ machen. Im Laufe eines Jahres soll es mindestens 365 Aktionen für das Ehrenamt geben. Sie haben bei der KSB-Versammlung an die Vereine appelliert, die Aktion mit Leben zu füllen. Wie ist die Resonanz?

Goertz: Auf NRW-Ebene ist die bisherige Resonanz sehr viel versprechend. Auftakt der „Tage der Ehre“ war offiziell am 14. April. Aktuell sind 187 Aktionen landesweit geplant, davon drei im Kreis Heinsberg. Hier würde ich mir noch mehr Beteiligung wünschen, da es aus meiner Sicht eine exzellente Möglichkeit darstellt, mit geballter Kraft auf das Ehrenamt im Sport aufmerksam zu machen. Auf der Internetseite www.sportehrenamt.nrw sind alle Aktionen in Kurzform dargestellt. Hier können sich unsere Sportvereine Ideen und Anregungen holen und sich auch weiterhin noch bewerben.

(disch)