Städteregion: Ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung: Hilfe für diejenigen, die anderen helfen

Städteregion : Ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuung: Hilfe für diejenigen, die anderen helfen

Timur Bozkir fasst die Lage so zusammen: „Die Versorgungsphase ist beendet, jetzt läuft die Integrationsphase.“ Damit sind die Herausforderungen, die aus dem vielfachen Zuzug von Flüchtlingen resultieren, nicht kleiner geworden, weiß der Leiter des Kommunalen Integrationszentrums (KI) der Städteregion. Aber sie sind anders.

Unverändert groß ist deshalb die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements bei den Integrationsbemühungen. „Das wäre alleine von hauptamtlichen Kräften gar nicht zu stemmen“, betont Tobias Keutgen. Zusammen mit seiner Kollegin Aljona Altergott besetzt er bei der Städteregion die Ende vergangenen Jahres neu geschaffene „Koordinierungsstelle Ehrenamt“. „Unser Ziel ist es, möglichst alle Ehrenamtliche, die mit Flüchtlingen arbeiten, zu erreichen und an einen Tisch zu bekommen“, berichten die beiden. Das gilt für die neun Kommunen im Altkreis. Die Stadt Aachen, die ein eigenes Kommunales Integrationszentrum hat, ist auf diesem Feld selbst aktiv.

Unterstützen Menschen in der Städteregion, die ehrenamtlich Flüchtlingen helfen: Aljona Altergott und Tobias Keutgen. Foto: Michael Grobusch

Hilfe für Menschen, die in ihrer Freizeit Flüchtlingen helfen — darum geht es Keutgen und Altergott, und darum geht es auch dem Land Nordrhein-Westfalen, das im Rahmen des Aktionsprogramms „Komm an“ die in der Summe 1,5 Stellen in der Verwaltung zunächst bis Ende 2017 finanziert. „Die Hilfsbereitschaft ist weiterhin sehr groß“, hat Timur Bozkir festgestellt, aber sie bedürfe der Koordinierung und Unterstützung, um möglichst effektiv zu sein. In diesem Sinne haben Altergott und Keutgen zunächst einmal eine Bestandsaufnahme vorgenommen.

Wo gibt es welche Hilfsangebote? Existieren schon Netzwerke? Wo sind Doppelstrukturen vorhanden? Und wie groß ist der Bedarf an fachlicher Weiterbildung? Solche und zahlreiche weitere Fragen haben die beiden Fachleute den Ansprechpartnern vor Ort gestellt. „Die meisten Ehrenamtler sind froh, dass sie jetzt Ansprechpartner haben, mit denen sie sich austauschen können und die sie unterstützen“, berichten sie von einem positiven Echo.

Auch die Bemühungen um eine Vernetzung der Arbeit und der Angebote werde durchweg begrüßt. Zu diesem Zwecke wurden bereits drei Workshops in Baesweiler, Eschweiler und Monschau initiiert, zudem sollen bald runde Tische überall dort gegründet werden, wo es eine vergleichbare Struktur noch nicht gibt.

„Das Netzwerk wächst stetig“, freut sich Timur Bozkir, und das ist auch gut so, meint der KI-Leiter: „Die Sammelunterkünfte sind geschlossen und die Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht worden. Jetzt geht es für sie darum, tiefer in die Gesellschaft einzudringen.“ Ein dauerhafter Kontakt mit der deutschen Bevölkerung, deren Kultur und Sprache sei unerlässlich, unterstreicht Bozkir. „Denn diese Menschen kommen in ein für sie komplett neues System, sind in einer völlig anderen Rolle als in ihrem bisherigen Leben und deshalb auf Hilfe angewiesen.“

Diese müsse weit über die von staatlicher Seite gemachten Angebote hinausgehen. „Es geht um Beziehungsarbeit, um eine intensive Alltagsbegleitung. Hier nehmen ehrenamtliche eine Schlüsselrolle ein“, ist Tobias Keutgen überzeugt.Da trifft es sich gut, dass keine „Hilfsmüdigkeit“ festzustellen ist. „Unser gesellschaftliches System ist extrem positiv aufgestellt“, lobt Timur Bozkir. „Die Grundhaltung der Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen ist weiterhin vorbildlich.“

Aljona Altergott und Tobias Keutgen wollen dazu beitragen, dass dies so bleibt. Denn auch wenn es gut läuft, ist die fachliche Begleitung von großer Bedeutung, erklärt Bozkir: „Das Ehrenamt muss flexibel sein, ihm stellen sich ständig neue Herausforderungen.“ Das werde sich auch bis zum Ende des laufenden Jahres nicht geändert haben. „Deshalb gehe ich fest davon aus, dass das „Komm-an-Programm“ vom Land verlängert wird.“