Wassenberg: EBV und Rheinbraun sichern weitere Regulierung zu

Wassenberg : EBV und Rheinbraun sichern weitere Regulierung zu

Ein „bewegendes” Thema beschäftigt zur Zeit viele Hausbesitzer: die jüngst aufgetretenen Bergschäden auf einer Linie vom Wassenberger Zentrum bis nach Luchtenberg, in Teilen Orsbecks und im angrenzenden Hückelhovener Raum.

Zu einer Diskussion mit Vertretern von RAG EBV und Rheinbraun hatte die Stadt Wassenberg am Mittwochabend in den Fachausschuss eingeladen. Der Zuhörerraum war proppenvoll.

Die Diskussion, an der auch die Bürger beteiligt wurden, dauerte gut eineinhalb Stunden. Das Phänomen der Hebung ist neu, die Folgen sind die alten: Risse in Mauern, Spalten in Böden.

Erstmals stellten sich am Mittwoch hochrangige Vertreter von EBV und Rheinbraun im Planungs- und Umweltausschuss Politikern und Bürgern.

Für den EBV als Rechtsnachfolger von Sophia Jacoba war Direktor Heinz Sahl und für Rheinbraun als Betreiber des Tagebaus Inden war Werner Schaefer, Leiter der Abteilung Bergschäden und Markscheiderei, nach Wassenberg gekommen.

Eingangs der Diskussion erklärte Dr. Michael Heitfeld aus Aachen die geologisch-tektonischen Hintergründe.

Während der Diskussion gab es vereinzelt Beifall der Zuhörer, doch auch Unmut über die Nichtregulierung bzw. -anerkennung tatsächlicher oder vermeintlicher bergbaubedingter Schäden wurde laut.

Losgelöst von Einzelfällen, die in der Bürger-Fragerunde thematisiert wurden, kristallisierten sich diese Punkte von allgemeiner Bedeutung heraus: Der EBV erkennt die Verursachung der Hebungen entlang der Störungslinie des „Rurrandes” an.

Hauptursache der Bodenhebungen ist das wieder einströmende Grundwasser nach der Zechenschließung 1997, das nun zu Auftriebseffekten im Steinkohlengebirge führt.

Die Beweislast in Streitfällen liegt beim EBV. Der EBV haftet gesamtschuldnerisch. Betroffene müssen sich nicht mit EBV und Rheinbraun gleichzeitig auseinandersetzen, falls Rheinbraun anteilig in eine Regulierung miteinbezogen wäre. Ein Ausgleich zwischen EBV und Rheinbraun, so Schaefer, würde gegebenenfalls intern geregelt.

Sowohl EBV als auch Rheinbraun sagten zu, dass weiter reguliert würde, wenngleich Schaefer angesichts der geringen Sümpfungseffekte des Tagebaus Inden keine Schäden erwartete.

Die Messungen in der Fläche würden auch nach dem Ende der steinkohlebedingten Bewegungen fortgesetzt, betonte er. Der EBV kann laut Sahl gegenwärtig nur „erhaltend regulieren”, da weitere Hebungen erfolgten.

Das heißt, die Bewohnbarkeit geschädigter Häuser wird sichergestellt. Abschließende Reparaturen wie das Verlegen neuer Bodenfließen oder etwaige Entschädigungen für Minderungen der Wohnqualität seien erst möglich, wenn „eine gewisse Zeit der Ruhe” eingetreten ist.

Es sei hart, was man den Bürgern zumute, räumte Sahl ein, „aber wir hatten uns das auch anders vorgestellt.” Anfangs habe man von den Hebungen nichts gewusst, entschuldigte er die zuerst abweisenden Schreiben. Nachher sei man immer schlauer, meinte er.

Man habe es mit einem Inselbergbau zu tun, der geologisch wirksam sei. Das einzige, was man hätte machen können, wäre eine Abfederung des Grundwasseranstiegs gewesen, dann hätte sich das Schadensspektrum vielleicht auf den doppelten Zeitraum erstreckt, „aber die Schäden wären die gleichen gewesen.”

Eventuelle Schadenregulierungen beschränken sich nicht auf die unmittelbare Umgebung der Rurrand-Störung (Stichwort „10-Meter-Abstand”).

Auch außerhalb dieses Bereichs, so der EBV-Direktor, werde man Schäden prüfen und festzustellen haben, „ob das von uns ausgeht”. Dort aber, wo Hebungen gleichmäßig stattfänden, weil es keinen Gesteinsversatz wie am Rurrand gebe, „kann ein Haus nicht geschädigt werden”.

Wie weit sich die Störung genau erstreckt, ist noch unklar. Sahl schloss auf Nachfrage nicht aus, dass auch die Oberstadt erfasst sein könnte.

Aussagen dazu seien aber erst nach weiteren Messungen möglich. Aus dem Ausschuss heraus wurde die genaue Kartierung des Rurrandes und die Anlage eines entsprechenden städtischen Bergschadenkatasters angeregt.

Die Zeit, in der weitere Hebungen folgen, lässt sich nicht vorhersagen. Der Geologe erklärte unter Vorbehalt, das Grundwasser könnte noch etwa 120 Meter ansteigen.

Derzeit betrage der Anstieg pro Jahr 40 bis 50 Meter nach zirka 100 Metern in den Vorjahren. Rechnerisch ergebe sich ein Zeitraum von „zwei bis drei Jahren”. Ob dies aber auch die Zeit sei, in der Schäden aufträten, „kann heute keiner sagen”.

Willi Leber vom Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer (VBHG) riet Bürgern im möglichen Hebungsbereich zu objektbezogenen Messbeobachtungen mit Messbolzen. „Viele Fälle könnte man so sicher eingrenzen”, meinte Leber.
Derzeit vertritt der VBHG 17 Fälle im Raum Wassenberg und Hückelhoven.

An wen kann sich der Bürger wenden?

RAG Immobilien AG, Bergschäden-Abteilung, Roermonder Straße 63, 52134 Herzogenrath; 0 24 04 (Alsdorf) / 555 930;

Stadt Wassenberg, Bürgermeister Erdweg, 0 24 32/49 000;

Verband bergbaugeschädigter Haus- und Grundeigentümer, Geschäftsstelle Jülich, Wiesenstraße 4, 52428 Jülich, 0 24 61/80 36.