Kreis Heinsberg: Doppeltes ­Jubiläum: Zehntes Suchtforum zum 30. Geburtstag

Kreis Heinsberg : Doppeltes ­Jubiläum: Zehntes Suchtforum zum 30. Geburtstag

Ein doppeltes ­Jubiläum gab es bei der Hückel­hovener Beratungsstelle für Suchtfragen zu feiern. Denn im Jahr des 30-jährigen Bestehens der Einrichtung fand auch das mittlerweile zehnte Hückelhovener Suchtforum statt. Die Veranstaltung versteht sich als Forum für Menschen, die in der Suchttherapie und Prophylaxe arbeiten, und bietet Möglichkeiten zur Information und Vernetzung.

Anlässlich des Jubiläums hatten sich Marlies Trapp und ihre Kollegen ein besonderes Programm ausgedacht, wie die Leiterin der Beratungsstelle zur Begrüßung der rund 150 Teilnehmer im evangelischen Gemeindezentrum an der Haagstraße erklärte.

Zunächst jedoch ließen es sich die Partner der Beratungsstelle nicht nehmen, in ihren Grußworten die Bedeutung der Arbeit für den Kreis Heinsberg hervorzuheben. Der Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, Gottfried Küppers, hob die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und Akteuren im Kreis genauso hervor wie die Leiterin des Dezernates für Jugend und Soziales beim Kreis Heinsberg, Liesel Machat. Auch der stellvertretende Landrat Willi Paffen betonte die Einzigartigkeit der guten Zusammenarbeit „ohne Hickhack und Gerangel“ im Kreis Heinsberg.

Der Hückelhovener Bürgermeister Bernd Jansen stellte die besondere Wertschätzung für die Arbeit der Beratungsstelle heraus. Anschließend wurde das Thema „Sucht im Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung“ in einer Talkrunde unter Moderation von Hans-Rainer Hubbes, Leiter des AHG-Therapiezentrums Loherhof Geilenkirchen, beleuchtet. Der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Karl-Heinz Feldhoff, erinnerte an die Anfänge der Suchtberatung. Auch der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes vom Kirchenkreis Jülich, Herbert Hamann, und Hermann-Josef Ronkartz, Leiter der Abteilung Gefährdeten- und Behindertenhilfe des Caritasverbandes, sprachen von der positiven Entwicklung, die die Beratungsstelle im Laufe der Jahre genommen habe.

Marlies Trapp hatte natürlich auch Zahlen parat. Von knapp 90 Beratungsfällen im Gründungsjahr 1986 sei die Zahl auf rund 630 im vergangenen Jahr angestiegen. Dies wertete sie als Beleg dafür, dass die Arbeit der ­Beratungsstelle anerkannt werde. Alkohol sei mit Abstand immer noch der häufigste Grund für Kontaktaufnahme und Bitte um Hilfe. Bis 2004 rangierte Heroin an zweiter Stelle, wurde aber mittlerweile von Cannabis und Amphetaminen abgelöst. „Heroin ist out“, stellte sie fest. „Andere Drogen sind leichter zu bekommen und billiger.“

Mit Heiner Schmitz konnte sie einen Klienten auf die Bühne bitten, der die Beratungsstelle fast seit ihrer Gründung begleitet. Der 55-Jährige ist alkoholkrank und seit rund zwei Jahren „trocken“. Unverblümt schilderte er seinen Weg in die und aus der Sucht, der viele Stationen hatte. Mittlerweile wird er soziotherapeutisch betreut. Trapp berichtete, dass sie ihm vor einem halben Jahr nur einmal Bescheid gesagt und ihn zu der Veranstaltung eingeladen habe. Zweifel, ob er kommen würde, habe sie nicht gehabt, sagte sie. Die habe er selbst jedoch gehabt, erwiderte Schmitz scherzhaft.

Zum Abschluss präsentierte der Mediziner und Kabarettist Lüder Wohlenberg Ausschnitte aus seinem Programm „Spontanheilung“, in dem er sich satirisch und kritisch mit dem Umgang mit der Medizin auseinandersetzte. In der Rolle des „Profipatienten” Radescheidt betonte er frei nach Voltaire, dass es Aufgabe der Medizin sei, „den Patienten so lange abzulenken, bis die Natur sich selbst geheilt hat“. Andererseits hieße gesund zu sein nur, „dass man noch nicht lange genug untersucht worden ist“. Schließlich lud er die Zuhörer ein, herauszufinden, ob man das Jubiläum einer Suchtberatungsstelle mit Sekt feiern könnte. Man kann, wie die Gäste beim anschließenden Empfang feststellen konnten.

(hewi)