Kreis Düren: „Donum Vitae“ bietet auch Hilfe für Paare mit Kinderwunsch an

Kreis Düren : „Donum Vitae“ bietet auch Hilfe für Paare mit Kinderwunsch an

Auch wenn die Schwangerschaftskonfliktberatung nach wie vor die Hauptaufgabe des kreisweit tätigen Vereins „Donum Vitae“ ist, wollen die Beraterinnen um Sozialarbeiterin und Sexualpädagogin Ruth Maiß und Vereinsvorsitzende Beate Nießen neue Wege gehen.

Ab sofort berät „Donum Vitae“ auch Frauen und Paare, die unter einem unerfüllten Kinderwunsch leiden. „Grundsätzlich ist es so“, erklärt Ruth Maiß, „dass wir aufgrund unserer gesetzlichen Grundlage, nämlich des sogenannten Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetzes, zu allen Themen rund um Schwangerschaft beraten.

Dazu gehören beispielsweise auch die Regelungen der Elternzeit.“ Gleichwohl sei es immer noch so, dass etwa ein Drittel der 362 Frauen, die im vergangenen Jahr bei „Donum Vitae“ Rat gesucht haben, die Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch genommen haben. „Aber es gibt immer mehr Frauen und Männer, die sich an uns wenden, weil sie einen unerfüllten Kinderwunsch haben.“

Für Ruth Maiß, die für die Kinderwunschberatung eine zweijährige Ausbildung beim „Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland“ gemacht hat, ist Kinderwunsch- und Schwangerschaftskonfliktberatung kein Widerspruch. „Ich glaube, dass die Themen ganz ähnlich sind“, sagt die Sozialarbeiterin. „Schwangerschaft und Elternschaft sind sehr große Themen der Menschheit. Und der Leidensdruck von Frauen, die nicht schwanger werden können, obwohl sie es gerne möchten, ist aus meiner Sicht ähnlich hoch wie der Leidensdruck von Frauen, die ungewollt schwanger werden,“

Maiß nennt noch einen weiteren Grund, warum sie es wichtig findet, dass „Donum Vitae“ als erste Einrichtung im Kreis Düren die Kinderwunschberatung anbietet. „Paare werden heute immer älter, bis sie Eltern werden. Hinzu kommt, dass es Studien gibt, die belegen, dass die Fruchtbarkeitsrate von Frauen aufgrund unterschiedlichster Umwelteinflüsse sinkt. Das heißt, dass mittel- bis langfristig das Thema unerfüllter Kinderwunsch in unserer Gesellschaft immer drängender wird. Der Bedarf an Kinderwunsch-Beratung wird steigen.“

Im Rahmen ihrer Ausbildung hat Maiß sich unter anderem damit beschäftigt, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, um unerfülltem Kinderwunsch zu begegnen, und welche finanzielle Unterstützung betroffene Paare bekommen können. Außerdem hat sie zwei Monate bei einem Humangenetiker hospitiert. „Dort habe ich gesehen, dass die Paare bei einem Mediziner nur sehr wenig psychosoziale Beratung bekommen. Und genau dort möchte ich ansetzen.“

Es sei wichtig, ergänzt die Sozialarbeiterin, zu klären, welche Bedeutung der unerfüllte Kinderwunsch für die beiden Partner hat. „Manchmal ist das sehr unterschiedlich.“ Frauen seien häufig infolge einer Hormonbehandlung körperlich sehr belastet, manche würden sich auch mit dem Thema alleingelassen fühlen.

„Viele spüren auch eine gewisse Scham, weil alle Welt schwanger werden kann, nur man selbst nicht. Es ist wichtig, dass all diese Themen möglichst offen angesprochen werden. Und zwar bis zu der Frage, ob der unerfüllte Kinderwunsch wirklich so groß ist, all diese Strapazen auf sich zu nehmen.“ Medizinische Versuche, den Kinderwunsch zu realisieren, würden die Partnerschaft, Familien und auch die Arbeitssituation der Betroffen oft stark belasten. „Darüber müssen Paare sich klar sein.“

Ruth Maiß kann sich auch vorstellen, dass Paare mit unerfülltem Kinderwunsch eine Gesprächspartnerin und einen Ort suchen, wo sie sich innerlich neu sortieren und gegebenenfalls auch trauern können. „Auch dabei möchte ich die Menschen unterstützen.“

Das Angebot der psychosozialen Kinderwunschberatung ist kostenlos und kann auch begleitend zu einer medizinischen Kinderwunschbehandlung in Anspruch genommen werden.