Berlin/Düren: Dietmar Nietan will SPD-Bundesschatzmeister bleiben

Berlin/Düren : Dietmar Nietan will SPD-Bundesschatzmeister bleiben

„Die Aufgabe ist anstrengend und man geht manchmal an seine Grenzen, aber sie ist auch sehr befriedigend“, erklärt Dietmar Nietan. Seit Januar 2014 ist der 51-jährige Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der SPD im Kreis Düren auch Schatzmeister der Bundespartei.

Im Rahmen des am Donnerstag beginnenden SPD-Parteitags in Berlin muss er sich erstmals der Wiederwahl stellen. Und das tut er gerne. „Die Arbeit macht mir große Freude“, betont Nietan, auch wenn sein Terminkalender heute noch voller ist, als er es zu Zeiten des einfachen Abgeordneten ohnehin schon war.

Auch heute, knapp zwei Jahre nach seiner Wahl, ist es für ihn immer noch ein Stück unwirklich, in seinem Büro im Willy-Brandt-Haus, der Machtzentrale der Sozialdemokratie, „so nah an der Politik dran“ zu sein. Viel näher, als der einfache Bundestagsabgeordnete. Fallen in der Bundesregierung wichtige Entscheidungen, gehört Nietan zu den Ersten, die Parteichef und Vizekanzler Sigmar Gabriel in einer Telefonkonferenz informiert, geht es um die Abstimmung zwischen der SPD-Bundesspitze und den Ministerpräsidenten der Länder mit SPD-Beteiligung, der sogenannten A-Runde, sitzt er mit am Tisch.

Dazu kommt die Verantwortung in seiner Funktion als Schatzmeister, der immerhin den Etat der Bundespartei in Höhe von gut 40 Millionen Euro zu verantworten hat, und den Unternehmensbereich der Partei mit Mehrheits- und Minderheitsbeteiligungen.

Dabei geht es beispielsweise um die Frage, wie die Finanzbeziehungen zwischen der Bundespartei und den Landesverbänden geregelt werden sollen oder um die strategische Ausrichtung der Zeitungsbeteiligungen, um das Vermögen der Partei zu erhalten, erklärt Nietan. Ganz intensiv hat sich der Dürener zum Beispiel auch um die Neupositionierung der Partei in Sachsen gekümmert, in der die SPD ein eher stiefmütterliches Dasein fristet. Dort hat er sich dafür eingesetzt, dass die Partei nach mehrjähriger Diskussion direkt gegenüber dem Landtag endlich ein neues Domizil errichtet.

Nietan macht keinen Hehl daraus, dass es anderthalb Jahre gedauert hat, bis er alle Anforderungen und Herausforderungen des neuen Amtes durchschaut habe. Unzählige Nächte hat er mit Aktenstudium verbracht. „Dafür ist es heute schwer, mir ein X für ein U vorzumachen“, betont der Dürener, der zwar seinem 19-köpfigen Team in der Schatzmeisterei vollauf vertraut, am Ende aber mit seiner Unterschrift die Verantwortung übernehmen muss und auch eigene Akzente setzen will.

Und wie ist das hohe Parteiamt mit der Arbeit als Abgeordneter vereinbar? „Es ist machbar, weil Bundestag und Willy-Brandt-Haus nah beieinanderliegen“, betont Nietan. „Aber natürlich haben sich die Schwerpunkte verändert“, betont der passionierte Außenpolitiker. „Die Zahl der Fälle, in denen ich in der SPD-Fraktion im Bundestag Berichterstatter bin, sind zurückgegangen.“ Auch die Zahl der Auslandsaufenthalte ist geringer geworden. Pflegte Nietan früher intensive Kontakte zum Beispiel auch nach Israel, so beschränkt er sich heute vor allem auf Polen und den Westbalkan. Dem Auswärtigen Ausschuss gehört er wie dem Europaausschuss nur noch als stellvertretendes Mitglied an, dafür ist seine Meinung zu außenpolitischen Fragen immer öfter in der Partei gefragt, auch auf dem Bundesparteitag, auf dem er für die außenpolitischen Anträge verantwortlich ist.

Bleibt da überhaupt noch Zeit für die Basis? „Der Wahlkreis hat für mich absolute Priorität“, versichert der 51-Jährige: „Es ist wichtig, mit den normalen Bürgern in Kontakt zu bleiben.“ Ansonsten bestehe die Gefahr, abzuheben. So oft es geht, ist er — vor allem in sitzungsfreien Wochen — in Düren. Und er freut sich — nach einem kurzen Weihnachtsurlaub — auf den Besuch der einen oder anderen Karnevalssitzung.

Den Vorsitz der SPD im Bezirk Mittelrhein hat Nietan nach seiner Wahl zum Bundesschatzmeister zwar abgegeben, Kreisvorsitzender aber möchte er bleiben: „Wenn meine Genossen wollen, trete ich im September 2016 erneut zur Wiederwahl an.“ Drei bis fünf Jahre möchte er das Amt nach Möglichkeit noch bekleiden und potenzielle Nachfolger einarbeiten. Und 2017 will er im Wahlkreis Düren auch wieder für den Bundestag kandidieren. „Thomas Rachel führt im Kampf um das Direktmandat mit 3:2. Ich habe den Ehrgeiz, ausgleichen zu wollen.“ Schon jetzt freut er sich auf den Wahlkampf.

Als Sprungbrett für noch höhere Aufgaben sieht er den Posten als Bundesschatzmeister im Übrigen nicht, auch wenn seine direkte Vorgängerin Barbara Hendricks heute Bundesumweltministerin ist. „Ich habe meinem Vorsitzenden Sigmar Gabriel erklärt, dass ich für ein Schattenkabinett 2017 nicht zur Verfügung stehe“, betont Nietan. Er sieht seine Zukunft im Willy-Brandt-Haus und das Amt des Schatzmeisters als langfristige Aufgabe und Herausforderung, der er sich stellen möchte.