Niederzier: Die schwierige Suche nach einem Auszubildenden

Niederzier : Die schwierige Suche nach einem Auszubildenden

Malermeister Volkhard Decker (58) ist seit 2004 selbstständig, hat fünf Angestellte und in den vergangenen elf Jahren acht junge Menschen zu Maler-Gesellen ausgebildet. Geplant war, dass am Montag Lehrling Nummer neun anfängt.

„Ich hatte so einen Stapel an Bewerbungen auf dem Tisch liegen“, sagt Decker und deutet mit seiner Hand einen Stapel von etwa 30 Zentimetern Höhe an. Vier Bewerber hat er zum Vorstellungsgespräch eingeladen. „Aber naja“, sagt er. „Es wird immer schwerer.“ Deckers kleines Unternehmen ist keine Ausnahme im Kreis Düren. Am Montag beginnt das neue Ausbildungsjahr. Aktuell sind 338 Ausbildungsstellen nicht besetzt. Gleichzeitig suchen 530 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Das sagen die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit.

Einen Teil der Bewerbungen hat Decker aussortiert, weil die Lebensläufe lückenhaft waren. Es komme häufig vor, dass Bewerber schon Anfang, Mitte 20 seien. „Das ist prinzipiell kein Problem“, sagt der Firmenchef. „Man kann auch schon mal eine Ausbildung anfangen und dann merken, dass es nicht passt.“ Aber oft wisse man nicht, was die Bewerber zwei oder drei Jahre lang gemacht haben. „Das macht mich skeptisch“.

Mathe-Kompetenz

Das Auftreten im Bewerbungsgespräch ist für Decker wichtig. „Der erste Eindruck macht viel aus“, sagt er. Damit meine er nicht, dass ein Bewerber in Frack und Zylinder anrücken muss, vernünftige Alltagsbekleidung reiche völlig. „Wir sind ein Handwerksbetrieb, da macht man sich im Laufe des Tages die Hände schmutzig“, sagt der Malermeister. Aber grundsätzlich erwarte er ein Interesse am Beruf, ein bisschen handwerkliches Geschick und die Mathe-Kompetenz, mit einem Dreisatz ausrechnen zu können, welches Mischverhältnis an Farbe gefragt ist. „Ich habe zum Beispiel mit Hauptschülern überhaupt kein Problem, warum auch? Aber eine Fünf oder Sechs in Mathe ist schon schwierig.“

Apropos Hände: „Wer in der Gegend rum steht und die Hände in der Tasche hat, während der Chef arbeitet, der ist eher nicht geeignet.“ Eine Tugend schätzt Decker besonders hoch ein: die Pünktlichkeit. Sein Team sei klein und funktioniere auch nur als Team. „Wenn wir aber am Morgen auf jemanden warten müssen, um gemeinsam zur Baustelle zu fahren, dann ist das ein Problem.“

Die Hoffnung hat Malermeister Decker nicht aufgegeben, auch in diesem Jahr noch einen Lehrling zu finden. Mit Quereinsteigern und jungen Menschen, die zunächst an einer Bildungsmaßnahem der Agentur für Arbeit teilgenommen haben, weil sie keine Lehrstelle gefunden haben, hat Decker überwiegend gute Erfahrungen gemacht. „Ich stelle auch gerne einen Lehrling zu einem späteren Zeitpunkt ein.“ Das gilt für viele andere Betriebe auch.