Erkelenz: Die rote Karte für den blauen Dunst

Erkelenz : Die rote Karte für den blauen Dunst

Ist bald Schluss mit lustig für Raucher an den Schulen? Wenn es nach dem Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen geht, dann hat Nikotin nichts mehr in der Schule verloren.

Mit dem kürzlich auf den Weg gebrachten neuen Schulgesetz soll der blaue Dunst an nordrhein-westfälischen Schulen verboten werden.

Hintertürchen

Doch bekanntlich wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Denn auch weiterhin wird es einige Hintertürchen geben, durch die Schüler wie Lehrer wie bisher ihren Zigarettenqualm blasen können.

So steht es nämlich der Schulkonferenz frei, Raucherzonen auf dem Schulgelände einzurichten, auf denen die Nikotin-Abhängigen weiterhin ihrem Laster nachgehen können.

Und selbst wenn eine Schule tatsächlich für „Rauchfrei” erklärt wird, so lässt die Konsequenz einer solchen Entscheidung zu wünschen übrig.

Denn Oberstufenschüler haben das Recht, das Schulgelände während der Schulzeit zu verlassen, um von dort aus demonstrativ den Tabaksqualm gen Schule zu pusten.

Ist ein solches Rauchverbot an Schulen also nur ein Gummiparagraph ohne merkbare Veränderung, oder tatsächlich eine sinnvolle Maßnahme?

Prinzipiell schon, findet Helmut Karg, Schulleiter des Cornelius-Burgh-Gymnasiums (CBG) Erkelenz. „Man muss unterscheiden zwischen der grundsätzlichen Idee und der Frage der Durchsetzbarkeit”.

Doch eins ist für Karg klar: „Wir können den Schülern das Rauchen nicht verbieten und rauchen selbst weiter”. Eine Regelung gelte also für Schüler und für Lehrer gleichermaßen.

Auch Willy Meersmann vom Wegberger Maximilian-Kolbe-Gymnasium findet es „toll, ein Zeichen zu setzen”. Dennoch hält auch er ein allgemeines Rauchverbot für schwer durchsetzbar.

Ähnlich sieht dies Annegret Krewald, Direktorin des Kreisgymnasiums Heinsberg. Aus diesem Grund ist sie der Meinung, dass es ohne Ausnahmen in Form von Raucherbereichen auf dem Schulgelände nicht geht.

Eine tatsächliche Veränderung bleibt am Heinsberger Gymnasium demnach aus. Die Lehrerschaft steht, inklusive den Rauchern in ihren eigenen Reihen, geschlossen hinter dem geplanten Verbot.

Wolfgang Wittmann, Lehrer am CBG Erkelenz, erläutert, das Ziel sei es nicht die Schüler vom Rauchen abzuhalten, sondern ein Vorbild für jüngere Mitschüler zu verhindern.

„Jüngere Schüler werden durch das Verhalten der Älteren oft zum Nachahmen animiert. Das wollen wir in diesem Fall verhindern.”

Die Hauptbetroffenen, also die Raucher in der Schülerschaft, nehmen das Gerede um ein Rauchverbot ziemlich gelassen. „Ich halte das Ganze für ziemlich sinnlos”, erklärt Jannis Nolten, Schüler am CBG.

„Ich werde durch ein Verbot meine Rauchgewohnheiten nicht verändern. Notfalls werde ich außerhalb des Schulgeländes rauchen”, so der 19-jährige.

Auch nicht rauchende Schüler stehen einem Rauchverbot offenbar skeptisch gegenüber.

„Totaler Schwachsinn”, findet Jarmo Neukirch, 18 Jahre, vom CBG. „Die Schüler lassen sich mit einer solchen Maßnahme nicht vom Rauchen abhalten”, sagt er.

Raucherzonen

Ähnlich ist Carina Deck, ebenfalls 18 Jahre und vom CBG, eingestellt. Sie findet ein Rauchverbot an Schulen intolerant den Rauchern gegenüber.

Sie selbst fühlt sich durch Raucher in der Schule nicht gestört. „Wer sich durch den Zigarettenqualm belästigt fühlt, der braucht diese Raucherzonen ja nicht betreten”, sagt sie.

Eines ist jedenfalls klar: Das allgemeine Rauchverbot sorgt für eine Menge Diskussionen bei Schülern wie bei Lehrern. Welche Lösung für das Problem gefunden wird, muss letztendlich jede Schule für sich entscheiden.