Rath-Anhoven: Die Pfarrkirche als zweite Wohnung der Küsterin

Rath-Anhoven : Die Pfarrkirche als zweite Wohnung der Küsterin

„Es war eine wunderschöne Zeit” - so viel steht für Küsterin Maria Jennißen schon mal fest. Und außerdem: „Es ist mir nichts schwer gefallen.”

In einem Alter, das normalerweise einen baldigen Berufsaustritt vermuten lässt, trat die rüstige Dame noch einmal eine neue Stelle als gute Seele der St. Rochus-Pfarrgemeinde an. Das war vor 21 Jahren. Am Sonntag nun wurde die mittlerweile 80-Jährige offiziell in den wohl verdienten „Unruhestand” verabschiedet.

Ungezählte Menschen versammelten sich im Jugendheim an der Josef-Loogen-Straße, um der scheidenden Küsterin beim Neujahrsempfang ihren Dank für die geleistete Arbeit auszusprechen.

„Du musst uns noch lang erhalten bleiben”, forderte die regionale Vertreterin der Sakristane im Kreis Heinsberg, Therese Jansen. „Ohne dein Lachen ist alles viel zu ruhig bei uns.” Entgegen möglicher Vorstellungen bestehe der Küster-Dienst nicht nur darin, vor den Messen lediglich ein paar Kerzen anzuzünden.

Damit sei es noch längst nicht getan, so Jansen. Küsterin sein bedeute, an jedem Feiertag arbeiten zu müssen. „Zu einem würdigen Gottesdienst gehört auch ein schön dekorierter Raum”. Und diese Aufgabe habe Jennißen stets vorbildlich erfüllt. Pfarrer Mirco Enderli ergänzte an anderer Stelle: „Zum Glück blühen in deinem Garten viele Blumen.”

Vor allem der persönliche Einsatz der Küsterin während der Renovierung der Pfarrkirche ist Enderli nachhaltig in Erinnerung geblieben. Nachdem alle beteiligten Firmen bereits wieder abgezogen waren, sei es Jennißen ein Bedürfnis gewesen, das Innere des Gotteshauses wieder herzurichten.

„Die Pfarrkirche war deine zweite Wohnung”, so Enderlis These. Eva Beier, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, lobte insbesondere folgende Charaktermerkmale der frisch gebackenen Ruheständlerin: ihre Freundlichkeit, ihre Bescheidenheit und ihre Hilfsbereitschaft.

Die Zusammenarbeit zwischen ihr und dem Pfarrer sei einmalig gut gewesen, betonte Maria Jennißen - nie sei ein schlechtes Wort gefallen. „So ein Priester ist Gold wert. Früher waren die strenger mit uns.”

Der Nachfolger der Küsterin, Peter Vieten, wird es nicht leicht haben, in ihre „großen” Fußstapfen zu treten. Darin ist sich die Gemeinde sicher. Dennoch wurde er mit eben solcher Herzlichkeit empfangen, wie die Küsterin verabschiedet.

Pfarrer Enderli hatte das Vergnügen, eine weitere verdiente Bürgerin zu ehren: Aus Dienstjubilarin Edelgard Claßen sei jetzt, nach 25-jähriger Tätigkeit, eine „silberne Kindergartenleiterin” geworden. Zusammen mit Jennißen ließ es sich die Pädagogin nicht nehmen, für das leibliche Wohl der Gäste zu sorgen. Sie spendierten kurzerhand einige schmackhafte Neujahrs-Brezeln.