Städteregion: „Die Natur rückt mehr in den Blickpunkt“

Städteregion : „Die Natur rückt mehr in den Blickpunkt“

Natürlich hat Eike Lange die Weltklimakonferenz verfolgt und das Ergebnis mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen. „Doch im Vorfeld protestiert und demonstriert, das habe ich nicht“, räumt er ein. „Das ist mehr was für den BUND und Greenpeace.“

Diesen beiden Organisationen gehört Lange nicht an. Er ist stattdessen überzeugtes Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) und seit 2012 Vorsitzender des Kreisverbandes Aachen-Land. Gut 600 Mitglieder zählt der Nabu in den neun Kommunen des Altkreises Aachen, fast 200 weitere wird Lange infolge einer sehr erfolgreichen Kampagne in den kommenden Wochen begrüßen können.

„Die Natur rückt wieder mehr in den Blickpunkt“, freut sich der pensionierte Tierarzt über die gute Resonanz. Doch leider gehe das gestiegene Interesse bisher nicht einher mit einem besseren Umweltschutz. Zwar sei die Lage in der hiesigen Pflanzenwelt ganz gut.

„Aber die rapide Dezimierung der Vogelwelt macht mir große Sorgen.“ Für Eike Lange ist die Ursache klar: „Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und der Gartenwirtschaft hat verheerende Folgen.“ Und diese seien nicht nur für ihn als passionierten Ornithologen sichtbar. „Schauen Sie sich doch nur den Schmetterlingsstrauch an. An dem gab es früher ein Vielfaches an Schmetterlingen zu beobachten.“ Für Lange ist das ein Trauerspiel.

„Natur erleben, Natur schützen“, lautet das Motto des Nabu. Weil sich aber vor allem Letzteres als mitunter recht schwierig erweist, hat der Kreisverband sukzessive Grundstücke gekauft. Mittlerweile gehören ihm in der Städteregion rund 15 Hektar Land, und Anfang des Jahres soll der Besitz weiter vergrößert werden: Die Kaufverhandlungen mit der Stadt Herzogenrath stehen laut Lange kurz vor dem Abschluss.

„Wir haben ganz unterschiedliche Grundstücke“, erzählt der Vorsitzende und nennt Beispiele: In Monschau-Höfen gehört dem Nabu ein Stück Wald, „das haben wir gekauft, um eine Abholzung zu verhindern.“ In Kalterherberg hingegen sind an einem Ufergrundstück alle Fichten entfernt worden, um den Bachlauf wieder freizulegen.

Und am Eschweiler Blausteinsee werden auf zwei Obstwiesen die Bäume gepflegt und mit selbst gemachten Kisten Feldsperlingen, Turmfalken und Steinkauzen Nistplätze geboten. Zielsetzung ist dabei stets, die Natur in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen bzw. in diesem zu erhalten. Dafür hat der Nabu-Kreisverband auch die Pflege weiterer 70 Hektar Land übernommen, die nicht sein Eigentum sind.

Finanziert werden Grundstückskäufe und Anschaffungen in vielen Fällen mit Hilfe von Fördermitteln, vornehmlich von der EU und dem Land Nordrhein-Westfalen. Und auch die Beiträge der Mitglieder werden zum Teil für diesen Zweck verwendet. „Wir kommen so ganz gut über die Runden“, ist Eike Lange mit der finanziellen Situation des Kreisverbandes zufrieden.

Sorgen bereitet ihm da schon eher der Altersdurchschnitt im Vorstand und im Kreis der Aktiven. „Wir sind fast ausnahmslos älter als 60“, berichtet der Vorsitzende. Und das wiegt auch deshalb schwer, weil die Mitarbeit im Nabu noch viel mit dem eigentlichen Wortsinn zu tun hat. „Wir investieren nicht nur viel Zeit in unser Hobby, sondern müssen teilweise auch kräftig anpacken.“

Kostenfrei Veranstaltungen

Einen weiteren Schwerpunkt setzt der Nabu in der Städteregion mit seinem umfangreichen Jahresprogramm. Das Angebot reicht von Wanderungen und Exkursionen über Fledermausnächte und Obstwiesenfeste bis hin zum monatlichen Treffen mit Vortrag.

„Wir haben viele Mitglieder, die Spannendes zu bieten haben. Außerdem kooperieren wir bei der Programmgestaltung mit dem Kreisverband Aachen-Stadt.“ Alle Veranstaltungen sind kostenfrei und auch für Nicht-Mitglieder zugänglich. „Interessierte sind immer willkommen“, versichert Eike Lange. Und vielleicht findet sich unter ihnen ja auch der ein oder andere, der sich engagieren will. Nicht bei Protesten auf der Straße in Paris oder anderswo, sondern in der Natur vor der eigenen Haustür.