Lövenich: Die Krypta der Kirche St. Pauli Bekehrung

Lövenich : Die Krypta der Kirche St. Pauli Bekehrung

Nur ein Blick in die umfangreiche Lövenicher Dorfchronik genügt, um von den Ereignissen der Vergangenheit in Wort und Bild gefesselt zu werden.

Neben Erinnerungen, die beim Betrachten alter Fotos geweckt werden, sind es die Beiträge über große und kleine dörfliche Ereignisse, über Brände, Katastrophen, bauliche und landschaftliche Veränderungen, über freudige Ereignisse, Jubiläen, Vereinsleben, ausgestorbenes Handwerk und vieles mehr, die den Leser nicht mehr loslassen.

Diesmal fiel der Blick auf ein altes Foto der Krypta in der katholischen Pfarrkirche, die 1867 bis 1868 gebaut wurde. Heute ist die Krypta unter dem Chorraum ein besonders schöner sakraler Raum der Pfarrgemeinde St. Pauli-Bekehrung Lövenich.

Im Laufe der Jahre erfuhr die Krypta so manche Veränderung in der Nutzung: einmal als Betstätte, wofür sie gebaut wurde, dann als Kriegergedächtnisstätte, später als Abstellraum und schließlich nach umfangreicher Renovierung wieder für Gottesdienste und Rosenkranzgebete.

Zwei Kostbarkeiten bietet die Krypta: einmal die an der Wand befestigte Grabplatte des Ritters Arnold von Harff, der durch seine Orientreise bekannt wurde, und die modernen Betonglasfenster von Wilhelm Buschulte aus Unna.

Auf einer Ansichtskarte von 1910 ist die Grabplatte abgebildet und die Kreuzigungsgruppe aus dem 17. Jahrhundert, die heute im Chorraum der Kirche hängt. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Wunsch aus der Bevölkerung, in der Krypta zum Gedenken der Gefallenen Soldaten aus der Pfarre eine Kriegergedächtnisstätte einzurichten.

Im Jahre 1922 weihte Dechant Kamp aus Erkelenz die Gedenkstätte. Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft hatte unter Mitwirkung des Instrumental-Musikvereins im Saal „Zum Löwen” einen Theaterabend veranstaltet und mit dem Reinerlös und vielen Spenden die Finanzierung gesichert.

Bildhauer Hermann Wilms aus Erkelenz schuf das Werk, und Kunstschlosser Wilhelm Schröder fertigte die kunstvollen Kerzenleuchter, wie sie auch oben in der Kirche standen. Die Ausmalung hatte Kunstmaler Caspers aus Wanlo übernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie vorübergehend der einzige brauchbare Raum der Kirche. Später wurde vieles in der Krypta abgestellt, was nicht sofort gebraucht wurde.

Die Kreuzigungsgruppe ließ Pfarrer Josef Retz 1956 aus der Krypta entfernen, restaurieren und außen an der Ostseite der Kirche aufstellen, wo zuvor die Lourdesgrotte gestanden hatte. Im Jahre 1960 stand die Krypta zur Renovierung an und wurde wieder für den Gottesdienst benutzt.

Zugleich war sie Betstätte für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege. Dazu lesen wir weiter in der Chronik: „Jetzt hat sie einen Altar erhalten, unauffällig in die Gewölbe eingelassene Leuchten und vor allem neue Fenster, Betonglasfenster von Wilhelm Buschulte. Sie stellen die Leidensmotive dar: die Geißelung, das Ecce Homo, die Dornenkrone und auf einem vierten Fenster das Kreuz.

Das fünfte, mittlere Fenster dagegen zeigt die Frauen am Grab als Symbol der Auferstehung und Erlösung, die dem irdischen Kreuzweg folgt. Kirchenräume mit einer einheitlichen Verglasung dieser Art gibt es nur in Norddeutschland, in Westdeutschland dagegen kommen sie nur in Einzelstücken vor. Für den kleinen Raum mit den niedrigen, lastenden Gewölben hätte man kaum eine sinnvollere Verglasungstechnik finden können.”

Inzwischen sind die kunstvollen Arbeiten über die Grenzen hinaus bekannt und werden von Fachleuten hoch geschätzt. Im Laufe der Jahre wurde die Krypta in mehrere Bauabschnitte renoviert und zu dem Schmuckstück gemacht, wie sie sich heute dem Besucher präsentiert. Darauf darf die katholische Pfarrgemeinde mit Recht stolz sein.