Wassenberg-Ophoven: Die Kiesgrube, die Kirche und die Kritik

Wassenberg-Ophoven : Die Kiesgrube, die Kirche und die Kritik

Um Kiesgrube und Kirche ist erneut eine Diskussion entflammt. Nachdem der Kirchenvorstand der katholischen Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Wassenberg eine Erweiterung der Kiesgrube zwischen Wassenberg-Forst und Ophoven verhindert hatte, hat die GMG Ophoven Kies zwei Gutachten zu Lärm- und Hochwasserschutz in Auftrag gegeben, welche die Argumente der Gegner entkräften sollen.

Nicht nur die Gutachten, sondern auch das nächste Wochenende lässt Befürworter der Westerweiterung hoffen. Dann stehen beim Kirchenvorstand nämlich Neuwahlen an. Aus 16 Mitgliedern setzt er sich zusammen, sechs scheiden turnusgemäß aus. Wie die neuen zu einem Verkauf der Parzellen 59 und 70 stehen, ist ungewiss.

Vor rund einem Jahr war lange und kontrovers über den Punkt debattiert worden. Am Ende gab es eine geheime Abstimmung. Das Ergebnis: Die Kirche behält ihr Land. Damit scheiterte das Gesamtprojekt. Die neun Privateigentümer der Parzellen, die um das Kirchenland verteilt liegen, hätten gerne verkauft. Sie gingen leer aus, weil man um das Kirchenland nicht herumbaggern kann. Und der Stadt Wassenberg entgingen Entgelte und Steuern in Höhe von zwei Millionen Euro. Deshalb sollen nun die Realsteuerhebesätze angehoben werden.

Die Stadt hatte das Geld schon in den Haushalt eingeplant, weil sie laut Bürgermeister Manfred Winkens nicht mit dem Widerstand der katholischen GdG gerechnet hatte. Schließlich war das Planfeststellungsgefahren abgeschlossen, der Kreis Heinsberg und die Bezirksregierung Köln hatten grünes Licht gegeben. Was sollte da noch passieren?

„Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist”, sagt Paul Dammers vom Kirchenvorstand. Ganz sauber sei es nicht, sagt auch der Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden, Propst Thomas Wieners, nun die Kirche für die Ausfälle verantwortlich zu machen.

Aber was steht in den Gutachten? Verkürzt, dass „der Einfluss des Baggersees auf den Grundwasserspiegel (...) auch für den Extremfall weit vor der Bebauung von Ophoven” endet. Und konkret: „Für den höchsten zu erwartenden Seewasserstand reicht die Anhebung des Grundwasserspiegels vom Ufer des Baggersees maximal rund 191 Meter nach Nordwesten.” Und: „Die Entfernung zwischen der 0-Linie der Grundwasserstandsänderung und den Häusern Am Ringhofen beträgt mindestens rund 140 Meter.” Auch für den Kringshof, der knapp 50 Meter von der Erweiterungsfläche entfernt liegt, sei eine mögliche Anhebung des Pegels „in der Praxis voraussichtlich nicht relevant”. Das schreibt Dr. Lutz Jendrzejewski vom Geologie Büro Gelsenkirchen im September dieses Jahres.

Die zweite Studie besagt, dass „bei der Abgrabung der Erweiterungsfläche keine Immissionskonflikte zu erwarten” sind. Im Wohngebiet „An der Mühle” etwa werde der zugelassene Lärmpegel um acht Dezibel unterschritten, so das ADU-Institut für Immissionsschutz in Köln im April dieses Jahres.

Propst Wieners steht dem nach wie vor kritisch gegenüber: „Wer hat die Studien denn in Auftrag gegeben? Und wer haftet für die Gutachten?”, fragt er. Das Grundproblem sei ein Mangel an Glaubwürdigkeit. Die GMG würde sich nicht an die Auflagen halten: Vorgeschriebene Abstände würden missachtet, Kanten zu steil abgegraben, so dass der Boden aufweiche und wegrutsche, Renaturierungsmaßnahmen würden nicht durchgeführt und außerdem tiefer abgegraben als erlaubt.

Dem widerspricht Rechtsanwalt Dieter Anders, der die GMG vertritt. „Das sind Gerüchte”, sagt er. Der Kreis als Aufsichtsbehörde gibt ihm recht. Es habe keinerlei Auffälligkeiten gegeben. Die absolute Tiefe liege bei erlaubten 38,50 Metern, nur an einer Stelle sei der Wert um einen Meter überschritten, sagt Josef Wallrafen vom Umweltamt.

Sollte tatsächlich, so wie Ophovener berichten, Kanten weggebrochen sein, dann wurden die Stellen inzwischen geflickt. An der Seeseite nahe Eulenbusch etwa sind frische Erdbewegungen und Planierungen in größerem Umfang zu erkennen. Und eine Rinne zwischen Zaun und See. „Die Firma, die vor der GMG da war - und mit dieser nichts zu tun hat -, hatte illegal den Birgelener Bach abgegraben”, erläutert Anders. Als die GMG kam, habe diese sich verpflichtet, den Bachlauf zu renaturieren. Das sei nun geschehen.

Kontakte eingefroren

Anders erzählt auch, dass die GMG dem Kirchenvorstand angeboten habe, selbst Gutachter auszuwählen - unter der Bedingung, dass er bei entsprechenden Ergebnissen nachgibt. Das habe er abgelehnt, ebenso einen Ortstermin - ohne Angabe von Gründen -, nachdem die Studien auf dem Tisch lagen. Wieners bestätigt, dass der letzte Kontakt im Juni stattfand, danach „nur noch Faxkontakt”.

„Ich kann ja nachvollziehen, dass es Ängste gibt, aber man muss auch kommunizieren, wenn man daneben liegt”, sagt Anders. „Sachfremd” nennt er die Argumentation, dass Ophoven „absaufen” könne. Er prognostiziert, dass die GMG Ophoven Kies in drei Jahren schließen muss, ohne Erweiterung. Rund zwölf Arbeitsplätze gingen verloren.

Die Frage der Ausgleichsflächen ist in der ganzen Diskussion irrelevant, Geld ebensowenig. Die GMG hatte zuletzt über 500 000 Euro geboten. Die Kirche blieb dabei, obwohl das Bistum zum Verkauf drängte. „Heutzutage verkauft man kein Land mehr. Man legt Geld an, indem man Land oder Immobilien kauft”, sagt Wieners. Außerdem sei die Ophovoner Bevölkerung gegen die Erweiterung. Er wolle erhobenen Hauptes durch den Ort gehen können.

Was er nicht nachvollziehen könne, sei, dass die CDU Ophoven Anfang der 90er Jahre selbst gegen eine damals beschlossene Vertiefung der Abgrabungen war. Bürgermeister Winkens, selbst aus Ophoven, bestätigt das. „Das waren damals völlig andere Bedingungen. Wir hatten keine Informationen”, sagt er.

Das Thema sei für ihn inzwischen „abgehakt”, er glaube nicht, dass sich der neue Kirchenvorstand anders entscheide.