Kreis Düren: Die GWS leidet am Wasserkopf

Kreis Düren : Die GWS leidet am Wasserkopf

Die Diagnose ist eindeutig: Die 2002 gegründete Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Düren leidet am Wasserkopf. In einer von der Sparkasse Düren in Auftrag gegebenen Organisationsuntersuchung des kommunalen Unternehmens zeigt die Prognos AG neben Stärken deutliche Schwächen auf, die der Beseitigung harren.

Von „Optimierungspotenzial” war die Rede.

In der vergangenen Woche überreichte Sparkassen-Vorstand Adolf Terfloth dem Aufsichtsrat Landrat Wolfgang Spelthahn ein Exemplar der Expertise, die Handlungsbedarf erkennen lässt. Ein Kernpunkt der Kritik, den Prognos-Projektleiter Oliver Lühr bei der Präsentation der Untersuchung schmunzelnd anmerkte: Auf jeden der zwölf GWS-Mitarbeiter kommen mehr als zwei Aufsichtsratsmitglieder.

Das Gremium besteht aus 27 Personen, darunter die Bürgermeister aller 15 kreisangehörigen Gemeinden. Typischer Fall von Wasserkopf eben, was die Handlungsfähigkeit in Frage stellt. Kopflastig ist ebenso die GWS-Verwaltung.

So schlägt Prognos denn auch vor, die Personalstrukturen im Unternehmen mit anderer Gewichtung neu zu ordnen. Der Personalanteil, der sich der Wirtschaftsförderung widmet, müsse von bisher 23 auf 40 Prozent angehoben werden.

Dagegen sind die so genannten Querschnittsaufgaben mit 35 Prozent nach Gutachter-Meinung personell zu üppig ausgestattet. Verbesserungsfähig ist auch das Tätigkeitsfeld Strukturförderung, dem sich die Hälfte der Mitarbeiter widmen sollte.

Der Katalog der Handlungsempfehlungen erstreckt sich auf Schwerpunkte bei der künftigen Entwicklung des Kreises Düren. Im Süden ist es die Tourismusförderung. Hier wird eine Projekt bezogene Entwicklung ebenso empfohlen wie eine Konzentration der touristischen Aktiviäten.

Geboten scheint der GWS auch, stärker als bisher die Kompetenz des Forschungszentrums Jülich als Standortvorteil des Kreises Düren und Teil der Region ins Bewusstsein zu rufen. Der Landrat sprach von einer Vernetzung der FZJ mit der RWTH Aachen und dem Kreis. Man müsse diese hochqualifizierte Forschungseinrichtung „aus ihren Mauern herausholen”.

Dass der GWS-Aufsichtsrat verkleinert gehört, ist eine Binsenweisheit. Der Landrat sagte, er sei dankbar für diesen Hinweis externer Berater, denn der Prophet gelte nichts im eigenen Land. Ein Aufsichtsrat mit neun statt 27 Mitgliedern sei vorstellbar.

Nicht handlungsfähig

Das Gremium in seiner bisherigen Struktur sei nicht handlungsfähig. Die Kommunen und deren Bürgermeister fänden sich auch weiterhin in der Gesellschafterversammlung repräsentiert.

Spelthahn: „Die Bürgermeister müssen erkennen: Ich muss nicht in jedem Gremium sitzen. Hauptsache, es geht voran.” Diese Erkenntnis wird er den Adressaten schon bald vermitteln können: in einer Gesprächsrunde am 4. September.

Spelthahn kündigte an, er werde einen Handlungskatalog vorlegen, der auf der vorliegenden Organisationsuntersuchung basiere. Erklärtes Ziel sei es, auf diese Weise bis zum 1. Januar 2008 neue Strukturen bei der GWS zu schaffen. Dazu werde es ein interfraktionelles Gespräch im Kreistag geben, auch die Gesellschafter würden in den Prozess eingebunden.