Heinsberg: Die Fettsucht fordert mehr Opfer als Aids

Heinsberg : Die Fettsucht fordert mehr Opfer als Aids

Eine Studie des Robert-Koch-Instituts zeigt, dass Kinder aus sozial schwachen Familien häufiger krank werden als bessergestellte Gleichaltrige. Besonders von chronischen Erkrankungen seien diese Kinder im Vergleich stärker betroffen.

Der Heinsberger Kinderarzt Dr. Khaled Jürgen Abou Lebdi kann diese Entwicklung nur bestätigen. „Die Erklärung dafür ist recht einfach zu finden, weil es in der Tat chronische Erkrankungen im Kindesalter gibt, die erworben werden”, meint Abou Lebdi.

„Das Paradebeispiel ist derzeit in aller Munde, nämlich das Übergewicht. Je besser die Ernährung ist, was letztlich auch eine Frage der finanziellen Situation der Eltern ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, nicht an Fettsucht zu erkranken.” Die Finanzen alleine seien jedoch nicht entscheidend, weiß der Heinsberger Kinderarzt.

„Es ist ebenso eine Frage der Bildung in Ernährungsfragen. Daraus resultiert dann meist auch ein geschärftes Verantwortungsgefühl. Das Übergewicht eines Kindes ist im Prinzip eine familiäre Erkrankung, deshalb versucht man, bei einer Therapie immer, die ganze Familie mit einzubeziehen.” Die Grundlage für eine solche Erkrankung werde im Alter zwischen drei und fünf Jahren gelegt. Natürlich nehme dabei zudem die Umwelt Einfluss.

Um die Eltern zu erreichen, sieht der Kinderarzt vor allem die Fernsehwerbung als geeignetes Medium. Leider finde sich hierfür meist keine staatlich finanzierte Unterstützung. Für die sicher sinnvollen Anti-Aids-Kampagnen sei dies hingegen der Fall gewesen, aber: „Aids betrifft nicht annähernd so viele Menschen wie die Fettleibigkeit.” Und die dürfte keineswegs unterschätzt werden.

„Es gibt Berechnungen, wonach die gesellschaftlichen Probleme durch die allgemein höhere Lebenserwartung der Menschen sich durch die verkürzte Lebenserwartung der Adipösen ausgleichen wird.”