Die etablierten Stars und die potenziellen Sternchen der WM 2018

WM 2018 : Die etablierten Stars und die potenziellen Sternchen

Vom 14. Juni bis zum 15. Juli wird in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Deutschland will den Titel verteidigen und mit dem fünften Stern mit Brasilien gleichziehen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. Sicher ist aber, dass wieder die ganz Großen der Fußballwelt aufeinander treffen. Und die, die es werden wollen. Wir stellen einige der Stars und Sternchen vor.

Unsere Mittzwanziger: Mitten im Leben

Sie müssen das Gelände nach dem Training nicht mehr aufräumen. Die Spieler zwischen 25 und 30 Jahren sind wichtige Bausteine in jeder Kaderzusammensetzung. Sie haben bereits einen langen Weg im Profi-Bereich hinter sich, haben schon erste Erfolge feiern können und sind hungrig auf mehr. Denn ihr Vermächtnis wird mit jeder erfolgreichen Abwehraktion, jedem erzielten Treffer und jedem gesammelten Titel größer. Unsere Top-Mittzwanziger-WM-Teilnehmer:

Neymar

Er ist der teuerste Fußballer der Welt. Im Sommer 2017 wechselte Neymar nach vier Jahren beim FC Barcelona zu Paris St. Germain. Die Investoren beim französischen Hauptstadt-Klub griffen für den Transfer des Brasilianers tief in die Tasche und zahlten eine Ablöse in Höhe von 222 Millionen Euro. Mit den Katalanen gewann Neymar die Champions League, das ist auch sein Auftrag in Paris. In der Saison 2017/2018 scheiterten die Franzosen allerdings im Achtelfinale am späteren Sieger Real Madrid. In der kommenden Saison soll unter dem neuen Trainer Thomas Tuchel der nächste Versuch starten.

Nach der für Brasilien enttäuschenden Weltmeisterschaft 2010 setzte die Seleção versträkt auf junge Talente unter denen Neymar eine Sonderstellung einnahm. Vor allem bei der Heim-WM 2014 setzte das ganze Land große Stücke auf den Fußball-Künstler aus ärmlichen Verhältnissen. Im Viertelfinalspiel gegen Kolumbien zog er sich einen Lendenwirbelbruch zu und fiel für den Rest des Turniers aus. Im Halbfinale unterlag Brasilien Deutschland schließlich deutlich mit 1:7. Bei den Olympischen Spielen 2016 lief es für Neymar und seine Mannschaft deutlich besser. Auch dank seiner starken Leistungen gewann das Team vom Zuckerhut erstmals die Goldmedaille. Die soll es auch in Russland wieder werden.

Thomas Müller

Thomas Müller ist ein Phänomen. Auf dem Platz macht er Dinge, mit denen er sich selbst überrascht. Von den Gegnern ganz zu schweigen. Seit seinem Wechsel im Jahr 2000 zum FC Bayern München durchlief der schlaksige Offensiv-Allrounder von der D-Jugend an alle Jugend-Mannschaften des Rekordmeisters. Bereits 2008 feierte er sein Debüt in der Bundesliga, 2009 folgte der Einstand in der Champions League. Mit Deutschlands Klassenprimus sammelte er mehrere Deutsche Meisterschaften und schaffte 2013 mit den Münchenern sogar das Triple aus Meisterschaft, Champions-League-Sieg und DFB-Pokal-Triumph.

Im März vor der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika spielte der Bayer erstmals in der A-Nationalmannschaft und überzeugte Jogi Löw mit seinen Leistungen. In Afrika erzielte er gleich fünf Treffer, bereitete drei weitere vor und wurde dafür mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet. Seitdem ist der Mann ohne Knochen fester Bestandteil der deutschen Mannschaft und wurde 2014 in Brasilien Weltmeister mit ihr. In Russland wird Mülller, der auch zum Kader der Europameisterschaften 2012 und 2016 gehörte, seine dritte WM bestreiten.

Mo Salah

An der Anfield Road erklingt seit der Saison 2017/2018 immer wieder die Melodie von James' Sit Down“, allerdings mit einem alternativen Text: Mo Salah, Mo Salah, Mo Salah, running down the wing, Salah, la, la, la, la, la, la, the egyptian king“. Die Liverpooler lieben ihren ägyptischen Flügelstürmer, der seit seiner Rückkehr in die Premier League, sein erster Versuch beim FC Chelsea 2014/2015 scheiterte, die englische Liga aufmischt und neben Trainer Jürgen Klopp maßgeblichen Anteil am Aufschwung der Reds“ hat. Mit 32 Toren schnappte sich der Ägypter in seiner Premieren-Saison für den FC Liverpool gleich die Torjägerkanone. Auch in der Champions League versorgte er sein Team regelmäßig mit Treffern: gleich zehnmal führte die UEFA den schnellen Offensivmann als Torschützen auf. Im Finale gegen Real Madrid musste Englands Fußballer des Jahres aber vorzeitig runter. Nach einem Zweikampf mit Sergio Ramos war an ein Weiterspielen nicht zu denken. Sein Ausfall war nur schwer zu kompensieren, am Ende gewannen die Königlichen mit 3:1.

Auch in der ägyptischen Nationalmannschaft ist Mo Salah Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Seine Landsleute lieben ihn sogar so sehr, dass er selbst bei politischen Wahlen gute Aussichten auf Erfolg hätte. Bereits seit 2011 trägt er das Trikot der Pharaonen“. Im vorentscheidenden Spiel der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 gegen die Republik Kongo sicherte Salah Ägypten mit zwei Treffern den Sieg und damit die erste Teilnahme bei einer WM seit 28 Jahren. Spätestens in diesem Augenblick wusste er, dass sich die täglich zurückgelegten 300 Kilometer zum Training als 14 Jähriger gelohnt hatten.

Doch nicht nur auf dem Platz ist Mo Salah ein Held, auch neben dem Grün ist er ein ganz Großer: Als ein Mann in das Haus seiner Eltern einbrach, erstattete Salah keine Anzeige. Er gab dem Einbrecher Geld, damit er zukünftig nicht mehr klauen muss. Und einem krebskranken Jungen zahlte er die teure Therapie, nachdem der Vater des Jungen den Stürmer kontaktiert hatte.

Paul Pogba

Was ist Dabdenn? Wenn Paul Labile Pogba den Fußballplatz betritt, ist Show angesagt. Der Franzose in Diensten von Manchester United, weiß um seine Qualitäten und will diese auch entsprechend präsentieren. Mancher Fußball-Fan kann mit der Einstellung des Mittelfeldspielers nicht viel anfangen, nicht wenige fragten sich im Sommer 2016, wie verrückt die Verantwortlichen der „Red Devils“ sein müssten, dass sie einen ehemaligen Spieler, der 2012 ablösefrei zu Juventus Turin wechselte, für die damalige Rekordablösesumme von 105 Millionen Euro zurückholten. Immer wieder lässt Pogba aufblitzen, was ihn für Manchester so wertvoll macht. Es fehlt allerdings die Konstanz und bisher auch die ganz großen Erfolge. Zwar konnte er während seiner Zeit bei Juventus mehrfach die italienische Meisterschaft gewinnen, Manchester United hat er aber noch nicht wieder näher heran an die vordersten Plätze in der Premier League gebracht - trotz Sieg in der Europa League 2016/2017.

Im März 2013 debütierte Pogba in der französischen Nationalmannschaft. Mit „Les Bleus nahm er 2014 an der Weltmeisterschaft in Brasilien teil und wurde zum besten Nachwuchsspieler gewählt. Auch bei der Europameisterschaft 2016 war er eine feste Größe im Team der „Grande Nation“. Bei der WM in Russland will Pogba die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklimmen und zu den absoluten Topstars aufrücken. Das fußballerische Talent ist auf jeden Fall da.

Toni Kroos

Wird im Duden das Wort „Passmaschine“ nachgeschlagen, ist dort ein Bild von Toni Kroos zu finden. Der Deutsche in Diensten von Real Madrid beeindruckt stets mit einer unglaublichen Passquote, nahezu jeder Ball kommt beim Mitspieler an. Kroos' Fuß ist der Dirigentenstab des Madrider Ensembles, der Mittelfeldspieler gibt den Takt vor, beruhigt oder beschleunigt das Spiel immer zum richtigen Zeitpunkt. Dabei ist der Mittelfeldmann mit einer solchen Ruhe am Ball, die sich mancher Chirurge während einer OP wünschen würde. Mit mittlerweile vier Champions-League-Siegen ist er der erfolgreichste deutsche Spieler in diesem Wettbewerb - und sowohl bei Bayern als auch bei den Königlichen hatte er maßgeblichen Anteil an den Erfolgen.

Bereits bei der Weltmeisterschaft 2010 stand er als damals jüngster Spieler im deutschen Kader. In Südafrika kam er zu vier Einsätzen. Auch bei der Europameisterschaft 2012 war Kroos Teil des deutschen Aufgebots, kam aber noch nicht über die Rolle des Einwechselspielers hinaus. Das änderte sich bei der WM 2014 in Brasilien. Kroos wurde zur absoluten Stammkraft und glänzte mit einem so präzisen Passspiel, dass die Medien am Zuckerhut ihm den Spitznahmen Garçon“, das heißt Kellner, gaben, weil er seine Mitspieler immer wieder bediente. Als Sahnehäubchen gab es zum Turnierabschluss den Weltmeistertitel mit einem 1:0-Sieg nach Verlängerung über Argentinien. Kroos wurde in die beste Elf des Turniers gewählt, ein Erfolg, den er trotz deutschem Ausscheiden im Halbfinale gegen Frankreich, bei der EM 2016 wiederholen konnte. Auch in Russland wird der Kellnerwieder servieren. Die Mitspieler freuen sich schon drauf.

David de Gea

„David de Gea could have stopped the Titanic from sinking.“ Das ist zumindest die Meinung der Fans von Manchester United. Im Sommer 2011 kam der Spanier als Nachfolger für Edwin van der Saar nach England und steht seitdem bei den „Red Devils“ zwischen den Pfosten. Nach anfänglichen Startproblemen hat er sich mittlerweile zu einem der besten Torhüter der Welt entwickelt. Dass er 2015 fast zu Real Madrid gewechselt wäre und nur aufgrund zu spät eingereichter Unterlagen in Manchester geblieben ist, haben ihm die Anhänger im „Theater of Dreams“ längst verziehen.

Der in Madrid geborene Torwart durchlief seit der U17 alle Jugendnationalmannschaften Spaniens und wurde als Stammkraft 2011 mit der U21 der „Furia Roja“ Europameister. Bei der Weltmeisterschaft 2014 war er noch der Ersatzmann von Iker Casillas, doch bei der Europameisterschaft 2016 löste er San Iker als Nummer eins der Spanier ab und wird diese Rolle auch in Russland wieder übernehmen.

Gonzalo Higuaín

Gonzalo Higuaín wurde das Fußballspielen in die Wiege gelegt. Als er 1987 im französischen Brest auf die Welt kam, war sein Vater Profi beim damaligen Erstligisten Stade Brest. Zehn Monate später siedelte die Familie nach Argentinien über. Bei River Plate in Buenos Aires lernte Higuaín in der Jugend das Toreschießen. Diese Fähigkeit beherrschte er so gut, dass er 2006 für eine Ablösesumme in Höhe von 13 Millionen Euro von Real Madrid verpflichtet wurde. Dort erfüllte er in über sechs Jahren seinen Job so gut, dass der SSC Neapel 2013 bereit war 40 Millionen Euro für den Stürmer zu zahlen. In Neapel legte Higuaín noch eine Schippe drauf und wurde im Sommer 2016 zum teuersten Transfer innerhalb der Serie A: Juventus Turin überwies 90 Millionen Euro an Neapel, um den Goalgetter zu verpflichten.

Da er in Frankreich zur Welt kam, erhielt Higuaín im November 2006 eine Einladung des französischen Fußballverbands, um für „Les Bleus“ zu spielen. Der Stürmer, der kein Wort französisch spricht, lehnte ab und entschied sich stattdessen für Argentinien auf Torejagd zu gehen. Das Trikot der „Albiceleste“ streifte er erstmals im Oktober 2009 gegen Peru über, nahm an der Weltmeisterschaft 2010 teil und erzielte in Südafrika vier Tore. Bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 steuerte er neun Treffer bei, nur sein Teamkollege Lionel Messi erzielte einen Treffer mehr. In Brasilien spielte er mit seiner Mannschaft die beste WM Argentiniens seit 1990. Allerdings mit dem gleichen Ende wie damals in Rom: Im Finale unterlagen die Südamerikaner Deutschland. Das soll in Russland nicht noch einmal passieren - hoffen zumindest die Argentinier.

Antoine Griezmann

Technisch sehr talentiert, aber leider zu klein und schmächtig. Das war das Urteil vieler französischer Spitzenklubs, als Antoine Griezmanns Vater um die Aufnahme seines Sohns in die Nachwuchsförderung bat. Klubs wie Olympique Lyon, AJ Auxerre oder der FC Metz bedauern diese Beurteilung heute zutiefst, denn der Stürmer in Diensten von Atlético Madrid, dessen Vorfahren aus Hessen stammen, ist mittlerweile eine der begehrtesten Spieler der Welt.

Griezmann stand 2014 im Kader der französischen Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Brasilien und kam in drei Spielen zum Einsatz. Seinen großen Durchbruch feierte er bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Bei der Heim-EM war er einer der Säulen des Teams und führte „Les Bleus“ mit sechs Turniertreffen ins Finale, das allerdings mit 0:1 gegen Portugal verloren ging. Aufgrund seiner Turnierleistung verliehen ihm die französischen Medien den Spitznamen „Grizou“, in Anlehnung an Zinédine Zidane (Zizou).

Marco Reus

Über Rot Weiss Ahlen und Borussia Mönchengladbach kam Marco Reus 2012 zurück zu Borussia Dortmund. Für die Schwarz-Gelben spielte der in Dortmund geborene Angreifer bereits von der F- bis zur B-Jugend. Gleich in seiner ersten Saison etablierte er sich als Stammkraft und erreichte das Finale der Champions League. Dort unterlag Dortmund allerdings dem FC Bayern München. In den folgenden Jahren hatte er immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, doch nach jeder Rückkehr auf den Platz zeigte sich, dass die Mannschaft mit einem Marco Reus stets stärker und in der Offensive unberechenbarer ist, als ohne ihn.

Marco Reus und große Turnier mit der Nationalmannschaft, das war bisher keine erfüllende Liebesbeziehung. Diese Partnerschaft war stets von Leid und Schmerz geprägt: Die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien verpasste der Flügelflitzer von Borussia Dortmund verletzt, ebenso die Europameisterschaft in Frankreich 2016. In Russland nun will der dribbelstarke Mittelfeldmann der Welt zeigen, was er kann. Und das ist eine ganze Menge.

Kevin de Bruyne

Egal wo Kevin de Bruyne spielt, der kleine Belgier reißt das Spiel an sich. Beim SV Werder Bremen oder dem VfL Wolfsburg können sie ein Lied davon singen und hätten den Edeltechniker gerne noch in den eigenen Reihen. 2015 wurde er in Deutschland nach dem DFB-Pokalsieg und der Vizemeisterschaft mit den Wölfen zum Fußballer des Jahres gewählt. Im August 2015 folgte dennoch der Wechsel in die Premier League. Manchester City zahlte für die Dienste des offensiven Mittelfeldmannes rund 75 Millionen Euro - Rekord in der Bundesliga. Auch in England spielt er groß auf und wurde in der abgelaufenen Saison hinter Mo Salah vom FC Liverpool zum zweitbesten Spieler der Saison gewählt.

Im August 2010 absolvierte de Bruyne sein erstes Spiel für die belgische A-Nationalmannschaft, wurde anschließend aber erst wieder nach der Europameisterschaft 2012 berücksichtigt. In der Qualifitkationsrunde zur Weltmeisterschaft 2014 spielte er sich fest ins Team und war wichtiger Bestanteil des Teams in Brasilien. Die Belgier schieden erst im Viertelfinale gegen Argentinien aus. In Russland zählen de Bruyne und seine „Roten Teufel“ wieder zum Kreis der Geheimfavoriten.

Sergio Agüero

Am 7. Juli 2003 feierte „Kun“ sein Debüt in der argentinischen Primera División. Da war der ehemalige Schwiegersohn von Diego Maradona gerade einmal 15 Jahre jung. Drei Jahre später führte in sein Weg nach Spanien zu Atlético Madrid. Dort erzielte er in fünf Jahren 74 Tore in 175 Spielen, was das Interesse der Verantwortlichen von Manchester City weckte. Für eine Ablöse von mehr als 40 Millionen Euro lockten sie den Argentinier auf die Insel. Gleich in seiner Premieren-Saison in der Premier League holte er mit den „Citizens“ die Meisterschaft. Die erste für Manchester City seit 44 Jahren. Mittlerweile hat er in etwas mehr als 200 Spielen über 140 Tore geschossen - die Quote kann sich sehen lassen.

In der Nationalmannschaft debütierte Agüero im September 2006. Zuvor gewann er mit Argentiniens Jugendauswahl die Junioren-Weltmeisterschaft. Diesen Erfolg konnte er 2007 mit seinem Team wiederholen und sicherte sich zugleich mit sechs Toren und vier Vorlagen den „Goldenen Schuh“ und wurde zum besten Spieler des Turnier gewählt. Bei der Weltmeisterschaft 2014 bildete er zusammen mit Lionel Messi, Ángel Di María und Gonzalo Higuaín Argentiniens „Fantastische Vier“. Im Finale unterlagen diese aber Deutschland nach Verlängerung mit 0:1.

Robert Lewandowski