Heinsberg: Die erste Brennstoffzelle der Region läuft

Heinsberg : Die erste Brennstoffzelle der Region läuft

Der Alliander-Vorständler kommen aus dem Staunen fast nicht heraus. Schon seit über einem Monat läuft das gute Stück tadellos, wie sie schwärmen: Die erste Brennstoffzelle in der Region ist in Heinsberg erfolgreich im Dauereinsatz.

Dass das Leistungsvermögen der Anlage hervorragend ist, hat dem Hersteller Ceramic Fuel Cells Limited (CFCL) aus dem australischen Melbourne, der mit einem Produktionsstandort in Heinsberg präsent ist, der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW), bestätigt: Am elektrischen Wirkungsgrad vermag keine andere Anlage heranzureichen.

„Mit 60 Prozent halten wir den Weltrekord”, freut sich Diplom-Ingenieur Frank Obernitz, Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft in Heinsberg. Immerhin sei CFCL das global führende Unternehmen bei der Entwicklung von Technologien für „Festoxid-Brennstoffzellen”, die dezentral „zuverlässige, energiesparende und emissionsarme Elektrizität” aus Erdgas zur Verfügung stellen, fügt er an. „Lange ist darüber geredet worden - wir können den Beweis antreten, dass die Brennstoffzellen funktionieren.” Aber auch erneuerbare Energien wie etwa Biogas können genutzt werden.

Praxistest auf dem Gelände der ehemaligen Enka-Glanzstoffwerke im Stadtteil Oberbruch: Hier hat der Netzbetreiber Alliander AG, ein Versorger mit niederländischen Wurzeln, ein „energetisches Musterhaus” eingerichtet. Für dieses Betriebsgebäude in der Unterkunft der früheren Enka-Werksfeuerwehr ist die Energieversorgung rund um ein „Mikro-KWK”, ein Kraft-Wärme-Kopplungssystem, konzipiert worden - und damit auch aus Umweltgesichtspunkten optimiert. Die zwei Kilowatt Leistung starke Anlage produziert rund um die Uhr neben Strom das Warmwasser und heizt die Büros von 25 Mitarbeitern. Die Brennstoffzelle kann problemlos auch in Einfamilienhäusern und Gewerbebetrieben sicher eingesetzt werden, haben sich Alliander-Vorstandschef Ton Doesberg und sein Vorstandskollege Jakob Wöllenweber überzeugen lassen.

Die recht unscheinbar wirkende technische Ausstattung, deren Herz dank elektrochemischer Reaktionen kraftvoll schlägt, lässt auf den ersten Blick eher auf einen herkömmlichen Kühlschrank schließen. Die Anlage kann sogar problemlos auf dem Büroflur betrieben werden. Das einzige, was wahrzunehmen ist: ein kaum hörbares Lüftergeräusch. Angeboten wird die Brennstoffzelle unter dem Namen „Blue-Gen” - was als kleine Anspielung an ein „umweltfreundliches Gen” gelesen werden könnte, hier allerdings für die Generator-Funktion steht.

Der Heinsberger Ableger des Brennstoffzellenherstellers ist mit den Energieversorgungsunternehmen der Region im Gespräch über mögliche weitere Anwendungen seiner Anlage. Und auch Alliander rührt die Werbetrommel, um regionale Handwerksbetriebe an dieses neue Technologiefeld und dessen Vorzüge heranzuführen und sie schmackhaft zu machen.

Denn nicht allein die moderne Brennstoffzelle gehört zu diesem abgestimmten Energiekonzept, sondern auch eine solarthermische Anlage auf dem Dach des Alliander-Gebäudes, genauso wie Photovoltaik-Module - und ein recht bescheiden wirkendes Windrad, das allerdings viel Power aus der Luft abzuzapfen vermag. „Wir wollen energetisch komplett auf eigenen Füßen stehen”, bekräftigt denn auch Hans-Gerd Bräkling, Leiter Netzbetrieb und -planung bei Alliander in Heinsberg.