Kreis Düren: Die Erntehelfer werden knapp

Kreis Düren : Die Erntehelfer werden knapp

Die Ernte von Obst und Gemüse erfordert viel Handarbeit. Deshalb sind die Bauern auf Erntehelfer angewiesen. „In diesem Jahr haben die Betriebe allerdings Schwierigkeiten, genügend Erntehelfer zu bekommen. Ein Großteil der Helfer bleibt einfach aus”, erklärt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Düren Franz-Josef Kügelgen.

In mehreren Betrieben seien bis zu 30 Prozent der beantragten ausländischen Erntehelfer einfach nicht erschienen, und einige seien vor Beendigung der Ernte abgereist, bedauert Kügelgen. Vor allem die polnischen Saisonarbeiter, die in der Vergangenheit den Löwenanteil der Erntehelfer im Kreis gestellt haben, seien ausgeblieben.

Woran liegt das? Warum bleiben die Arbeiter, die viele Landwirte so dringen benötigen, plötzlich aus. Kügelgen verweist auf mehrere Ursachen.

„Viele polnische Saisonarbeiter nutzen die Möglichkeit zur längerfristigen Beschäftigung in benachbarten EU-Ländern, wo zumindest auf dem Papier höhere Löhne gezahlt werden.” Zudem habe sich die wirtschaftliche Lage in Polen erheblich verbessert, so dass polnische Arbeitgeber ihre Mitarbeiter nicht mehr für eine Saisontätigkeit in Deutschland freistellten, erläutert der Vorsitzende.

Die Betriebe im Kreis Düren benötigen jedoch unbedingt genügend Erntehelfer. Für das Problem der ausbleibenden Kräfte müssen daher dringend Lösungen her. Ein Vorschlag Kügelgens ist die Ausweitung der maximalen Beschäftigungsdauer. Er fordert die Dauer von vier auf neun Monate zu erhöhen, denn viele Erntehelfer blieben auch aufgrund der geringen Beschäftigungsdauer aus, vermutet er.

Dieser Meinung schließt sich der Obst- und Gemüsebauer Peter Bellartz aus Jülich-Broich an. Auch sein Betrieb leidet seit zwei Jahren unter dem zunehmenden Rückgang der Erntehelfer. Er sieht, ähnlich wie Kügelgen, die Ursachen für das Problem in der zunehmenden Bürokratisierung in der Bundesrepublik.

„Während man vor einigen Jahren noch fünf Formulare für einen Erntehelfer ausfüllen musste, so legt man heute einen ganzen Ordner an”, beschreibt Bellartz das Problem.

Zudem sei es in Ländern wie Spanien, Italien und England einfacher, was das Arbeitsrecht anginge. „Vor allem ein Arbeitsvisum ist dort leichter zu bekommen”, stellt er fest. Noch verfügt sein Betrieb über ausreichend Erntehelfer. Zahlreiche Mitarbeiter kommen inzwischen jedoch aus Rumänien.

Dennoch hat auch er in diesem Jahr sieben Hektar Land nicht abernten können. Dabei ist er noch in einer glücklichen Lage, denn er kenne Betriebe, die durch das Fehlen helfender Hände 25 Prozent ihrer Flächen nicht ernten konnten.

„Wenn es so weitergeht, dann muss man sich überlegen, ob man überhaupt noch Sonderkulturen anbaut. Zumindest muss man die Mengen reduzieren, wenn sich dieser Trend fortsetzt. Ohne genügend Erntehelfer sieht die Zukunft düster aus”, erklärt Bellartz.