Die Einsamkeit der Politiker

Die Einsamkeit der Politiker

Der Tod Jürgen W. Möllemanns ließ das Häuflein der FDP-Mitglieder in Hückelhoven vergangene Woche wieder enger zusammen rücken.

Hans Fischer instrumentalisierte dabei das tragische Schicksal des Erfinders des - allerdings kläglich gescheiterten - "Projektes 18" zum verbalen Angriff aus den Niederungen der Rur auf die FDP-Spitze an der Spree. Man werde, so die Prognose des einzigen Vertreters der Liberalen im Hückelhovener Rat, bei Wahlergebnissen jetzt wieder in die Nähe der Bibeltreuen Christen rücken. Aus Fischer spricht der Frust, weiter allein als Rufer in der Wüste seine politischen Ideen versanden zu sehen.

Möllemann hatte auch den Hückelhovener Freidemokraten den Ausblick beschert, künftig als Mannschaft auftreten zu können und nicht weiter einzelkämpferisch agieren zu müssen. Denn wer eine starke Partei hinter sich weiß, der hat es leichter: Wenn eine große Maschine läuft, dann bewegen auch die kleinen Räder etwas; ein Rädchen für sich allein kann keine große Bewegung erzeugen. Hans Fischers Groll auf die Bundes-FDP ist irgendwo verständlich: Die Messlatte kürzen, bedeutet nicht automatisch größer werden. Was er spürt, ist die Einsamkeit des Politikers. Bei der Einflussnahme auf das Geschehen auf kommunaler Ebene ist das politische Handeln noch mit Personen und Köpfen, zudem oft auch mit emotionalen Bindungen verknüpft. Politiker sind Beifall suchende Menschen.

Wer sich für ein kommunalpolitisches Engagement entscheidet, tut das, weil er etwas bewegen will. Was er dafür investiert, ist eine Menge Zeit. Zeit, die ihm für andere Dinge, die das Leben schön machen, fehlt. Und natürlich will auch der politische Einzelkämpfer Erfolge sehen: Wer immer nur von den "Großen" abgebügelt wird, bei dem wird sich auf Dauer der Frust breit machen. Wie bei den Liberalen um Dieter Mückter, die auch deshalb die Hückelhovener FDP verlassen hatten und jetzt beim Gedenken an Möllemann wieder auftauchten. Frust allein freilich war noch nie ein Nährboden für nachhaltiges politisches Handeln.