"Die da oben" malochten unten

"Die da oben" malochten unten

Ratheim (an-o/nosch) - Klar: "Die Siedlung" ist ein Teil von Ratheim. Aber fragen Sie mal nach: Ratheim und die Siedlung? Das sind zwei paar Schuhe. Wird Ihnen da jeder bestätigen. Fast 70 Jahre ist es her, als die Häuserzeilen entstanden. Vor 50 Jahren wurde die Interessengemeinschaft (IG) gegründet.

Die "Interessengemeinschaft Ratheim, Busch und Bammich" ist im Grunde genommen nur ein Verein. Und doch ist sie viel mehr als "nur" ein Verein. Gegründet wurde sie von engagierten Bürgern - meist waren es Bergleute - mit dem erklärten Ziel, Menschen, die in irgendeiner Form der Hilfe Anderer bedürfen, beizustehen.

Rund 450 Mitglieder zählt der Verein noch heute. Sie alle haben sich die Förderung des Miteinanders und die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls der Bewohner der Siedlung auf die Fahne geschrieben.

Kölsches Urgestein

Anni Schnitzler, naturalisiertes Kölsches Urgestein und seit vielen Jahren im Vorstand der Interessengemeinschaft aktiv, erinnert sich an die Zeit, als sie noch Frischling in der Siedlung war: "Wo wohnt ihr? Ach da! - Alle, die in Ratheim oberhalb der Bahn wohnen, wurden von den anderen noch etwas schräg angeguckt. Das ist noch heute so", sagt sie.

Die "da oben", das waren die, die da unten ihre Kohlen verdienten. Und bei denen ist - immer noch - das Wörtchen Solidarität nicht nur fester Bestandteil des Wortschatzes, sondern das Füreinander-da-Sein wird auch gelebt. "Als der Verein 1952 gegründet wurde, war die Idee, einerseits durch gemeinsame Fest das Miteinander zu fördern, andererseits aber auch über die Mitgliedsbeiträge beispielsweise Langzeitkranken eine kleine finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen", sagt Anni Schnitzler. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - das war damals noch Wunschdenken.

Drei Groschen Beitrag

Satte 30 Pfennige im Monat mussten die Mitglieder nach der Eintragung ins Vereinsregister am 1. September 1952 als Beitrag berappen. Die Einnahmen aus dem ersten Fest, das die Siedler organisierten, wurde als Startkapital für die weiteren sozialen und kulturellen Aktivitäten genutzt: So wurden Fahrten ins Theater nach Rheydt organisiert und ein Bolzplatz (heute Spielplatz) für die kleinen Fritz Walters und Helmut Rahns angelegt.

Der Verein dachte bei seinem sozialen Engagement aber nicht nur an die eigenen Reihen: 1968 überreichte man eine Spende in Höhe von 3.100 Mark für spastische gelähmte Kinder, und als die katholische Kirche 1970 den Bau des Hauses der Begegnung (HdB) plante, beteiligte sich die Interessengemeinschaft mit einer Spende von 2.100 Mark.

Im HdB, das inzwischen zur guten Stube der Interessengemeinschaft - in der man das von vielen Hückelhovenern als Höhepunkt des Karnevals betrachtete "Halbfasten" zelebriert - geworden ist, wird auch der runde 50. Geburtstag gefeiert.