Hückelhoven: „Die Banalität des Bösen vermeiden”

Hückelhoven : „Die Banalität des Bösen vermeiden”

Die Evangelische Kirchengemeinde Hückelhoven, die Pax-Christi-Gruppe, die Gemeinschaft der Gemeinden und Bürgermeister Bernd Jansen luden am Sonntagabend zu einer beeindruckenden Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus ein.

Konkreter Anlass war der 27. Januar als solcher, der als Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahre 1945 gilt. Dieser Jahrestag wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und laut UN-Beschluss in 2005 zum internationalen Gedenktag gemacht.

Die Begrüßung und einleitende Worte sprach Hans-Jürgen Knubben von Pax Christi, der nicht nur an den 27. Januar 1945 erinnerte, sondern zugleich auch auf den 30. Januar 1933 verwies, den Tag, an dem Adolf Hitler per Ermächtigungsgesetz an die Macht gekommen ist.

Das seither in Deutschland unvergleichliche Terrorregime mache immer noch sprachlos, vor allem wenn man sich vor Augen hält, zu welch bestialischem Handeln Menschen gegen Menschen in der Lage sind. Er zitierte Hannah Arendts berühmt gewordenen Worte von der „Banalität des Bösen” und regte damit zu weiterer Diskussion und einem nie abschließbaren In-sich-gehen an, damit eine solche Gedankenlosigkeit und Realitätsferne nie wieder solch grausame Ausmaße annehme.

Der sehr engagierte Dr. Hans Latour brachte anschließend sein bis heute nicht verebbendes Unverständnis zum Ausdruck, dass auch nach dem Krieg noch die Täter von damals nicht nur zum Teil unbeschadet blieben, sondern weiterhin zynisch mit ihrer Vergangenheit, aber auch mit Andersdenkenden umgegangen sind. „So wurden nach und nach und bis auf wenige Ausnahmen in ganz schlimmen Fällen ehemalige NS-Richter und Staatsanwälte in der Adenauer-Zeit wieder eingestellt”, so Dr. Latour.

„Schicksal”

Ulla Joußen vom Jugendamt, Michael Bodmann von Pax Christi und Bruno Bürger vom Cusanus-Gymnasium führten schließlich in das „Schicksal” von Hans Stark, der nach dem Krieg ein beliebter und angesehener Lehrer in Lövenich bei Köln war. In Auschwitz zeigte er sich als einer der brutalsten NS-Leute überhaupt. Neugeborene hat er in einem Kübel eiskalten Wassers ertränken lassen, und je nach Stimmungslage schoss er männliche und weibliche Juden in die Beine oder sofort tot.

Das „Hörspiel”, das Joußen, Bodmann und Bürger im Atrium des Hückelhovener Gymnasiums - übrigens gezielt ausgesucht für diese Gedenkfeier ob des kalt wirkenden Betons und der dort aufgestellten, an Stacheldraht und Schmerzen erinnernden Skulptur - aufführten, machte sehr beklommen. Auf die Frage, warum er seiner Frau nie von seinen Taten im Zweiten Weltkrieg erzählt hat, konnte Hans Stark nur mit den Achseln zucken.

Als abschließenden Wortbeitrag ließ Bürgermeister Bernd Jansen sein Mitgefühl reden. Zugleich drückte er seine persönliche und politische Verantwortung aus, der sich die Stadt Hückelhoven stets zu stellen habe.

Abgerundet wurde die Feier von den Liedern, die der Doverener Chor 77 auf beeindruckende Weise sangen. Nicht nur „Shalom” und „Spirit of God” gingen unter die Haut; besonders das schwedische Lied „vem kann segla”, das Chorleiter Professor Hubert Minkenberg eigens ins Deutsche übertrug, hinterließ in jedem der Anwesenden ein Erschaudern. Man hatte sogleich die Bilder der Grausamkeit im Kopf.

Bedauert wurde nur die geringe Teilnahme junger Menschen an dieser Mahnfeier.