Städteregion: Die Ausstellung „Schnee von gestern“ irritiert und überrascht

Städteregion : Die Ausstellung „Schnee von gestern“ irritiert und überrascht

Schnee von gestern: Der ist braun und unansehnlich. Den braucht niemand. Was gestern schön war, ist kaum mehr als ein Ärgernis. Oder im übertragenen Sinne: „Der vorletzte heiße Scheiß, an den sich niemand mehr erinnern mag.“ Professor Stephan Berg vom Kunstmuseum Bonn nähert sich dem Thema der Ausstellung bei der Vernissage im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) der Städteregion in Monschau auf ausgesprochen vergnügliche Art.

Womit schon klar ist: Auch nach 15 Jahren und mehr als 150 Ausstellungen ist das KuK keinesfalls Schnee von gestern.

Mit der letzten Schau in diesem Jahr kehrt die Leiterin Nina Mika-Helfmeier vielmehr zurück zu den Wurzeln des Hauses, das sie in den vergangenen acht Jahren Schritt um Schritt zu einem überregional anerkannten Forum für Fotografie ausgebaut hat. Mika-Helfmeier will das Publikum weiterhin überraschen, will „Gesprächsthema in der Stadt und der Region“ sein und bleiben, wie sie am Sonntag in Monschau sagt.

Für das Publikum ist die Ausstellung der beiden Kunstprofessoren Bjørn Melhus und Thomas Rentmeister — ein „Experiment in der Provinz“ (Mika-Helfmeier) — tatsächlich eine Herausforderung. Wo sonst vorzugsweise edle Schwarz-Weiß-Drucke renommierter Fotografen an den Wänden hängen, blubbert und blinkt es nun an jeder Ecke.

Die Reaktionen fallen bei der Vernissage ganz unterschiedlich aus. Während manche die Ausstellung mit geradezu kindlicher Neugier erkunden, manchmal heimlich auch ertasten, starren andere Besucher konsterniert auf die Installationen von Thomas Rentmeister. „Dafür hätte ich auch ins Ludwig-Forum gehen können“, brummt ein älterer Herr stirnrunzelnd. „Mission erfüllt!“, werden die Macher sich freuen.

Melhus und Rentmeister laden in Monschau ein zu einer Reise, auf die man sich einlassen muss, die durchaus Zeit kostet. Diese Reise beginnt in der spießigen, „immer irgendwie müffelnden“ Welt Nachkriegsdeutschlands, wie der Kunsthistoriker Berg es in seiner Einführung beschreibt: Ein Wohnzimmer mit alter Flimmerkiste — das weiße Rauschen der analogen Zeit.

Dazu Filme von Melhus, der nicht nur Regisseur, sondern auch Hauptdarsteller seiner Werke ist. Das ist noch vergleichsweise leicht verdaulich. Im Obergeschoss streift die Ausstellung dann zeitweise das Parapsychologische. „Jingle Bells“ läuft rückwärts, ein Feld von weißen Eimern wird von TV-Simulatoren illuminiert. Und wer es bis ins zweite Obergeschoss — ins Kabinett des Kuk — schafft, der wird erneut überrascht: Andrea Borowski, Fotografin der Shift-Gruppe, zeigt dort ihre Reihe bunt-skurriler Weihnachtsfotos, passend präsentiert in flauschiger Wohnzimmer-Atmosphäre mit schauerlicher Blümchen-Tapete. Was für ein Fest!