Kreis Heinsberg: Dezernent Schneider vertritt den Landrat

Kreis Heinsberg : Dezernent Schneider vertritt den Landrat

Dezernent Philipp Schneider soll ab 1. April neuer Allgemeiner Vertreter des Landrates in der Kreisverwaltung werden. Dies hat der Kreistag am Donnerstagabend entschieden. In der offenen Abstimmung gab es ein einstimmiges Votum für den Vorschlag von Landrat Stephan Pusch (CDU).

Zwei Enthaltungen wurden allerdings verzeichnet: vom Grünen Ulrich Horst und von Jürgen Spenrath (AfD). Liesel Machat, bislang Allgemeine Vertreterin, wird mit Ablauf des Monats März in die Freizeitphase ihrer Altersteilzeit eintreten. Die Bestellung eines Nachfolgers hat im Kreishaus für mehr Turbulenzen gesorgt als ursprünglich gedacht.

Ihr galten Worte der Anerkennung und des Dankes: Liesel Machat, bald aus den Diensten des Kreises Heinsberg ausscheidende Allgemeine ­Vertreterin des Landrates. Foto: Kreis Heinsberg

Der Punkt war im Februar kurzfristig auf der Tagesordnung des Kreisausschusses aufgetaucht und noch kurzfristiger von dort wieder verschwunden. Erst im ­ohnehin entscheidenden Kreistag sollte abgestimmt werden. Von ­Beratungsbedarf einzelner Fraktionen war die Rede, aber Puschs Vorgehensweise soll dem Vernehmen nach nicht nur auf Gegenliebe gestoßen sein. Und es soll es eine zweite Bewerbung gegeben haben.

Der Landrat hatte Kreisrechtsdirektors Philipp Schneider zum Allgemeinen Vertreter vorgeschlagen, „da dieser für die Wahrnehmung der entsprechenden Aufgaben besonders geeignet ist“, so war der Sitzungsvorlage zu entnehmen. Gestützt werde dieser Vorschlag durch ein „deutlich mehrheitliches Votum“ der Leiterinnen und Leiter aller Organisationseinheiten der Kreisverwaltung. Schneider, Leiter des Dezernates I mit Haupt- und Personalamt, Rechnungsprüfungsamt, Straßenverkehrsamt und Amt für Gebäudewirtschaft, ist gleichzeitig Leitender Bürobeamter der Gesamtverwaltung des Kreises.

Die Grünen beantragten am Donnerstag eine geheime Abstimmung, verwiesen auf die „Unruhe“, die im Vorfeld zu spüren ­gewesen sei, und wollten so eine „ehrliche Abstimmung“ ermöglichen, wie es Fraktionsvorsitzende Maria Sprenger formulierte. Eine solche sei auch offen möglich, merkte der Landrat an.

Ein Fünftel der Kreistagsabgeordneten hätte laut Pusch dem Grünen Antrag folgen müssen, dies wären elf Stimmen gewesen, doch es gab nur zehn Ja. ­Damit war die geheime Abstimmung vom Tisch. Für die SPD signalisierte Fraktionsvorsitzender Ralf Derichs zwar Zustimmung zum Vorschlag des Landrates, hätte sich aber „ein etwas professionelleres Verfahren“ gewünscht. „Die Einsetzung eines Personalausschusses könnte hilfreich sein“, so sein Ratschlag, für den der Landrat dankte.

Dann stand der Wahl von Schneider — letztlich also ohne eine einzige Gegenstimme — nichts mehr im Weg. Schneider nahm Glückwünsche entgegen, dankte für das entgegengebrachte Vertrauen, das für ihn „Ansporn und Verpflichtung zugleich“ sei, und bot „eine offene und konstruktive Zusammenarbeit“ an.

Zum Abschied von Liesel Machat galten der Leiterin des Dezernates III (mit dem Amt für Soziales, dem Jugendamt und dem Gesundheitsamt) Worte der Anerkennung und des Dankes. Sie habe es weit gebracht: „mit Zielstrebigkeit, ­Willenskraft und vielen positiven Eigenschaften, die einer Verwaltung sehr gut tun“, sagte der Landrat.

Er nannte Stationen aus ihrem Werdegang: So wurde sie 1993 Leiterin des Amtes für Kultur und Sport, 2001 wurde sie Dezernentin und 2012 Allgemeine Vertreterin des Landrates. Als „korrekt, belastbar, selbstständig denkend, entschlussfreudig, ehrlich und offen, sicher, eifrig und gewissenhaft sowie hilfsbereit und beliebt“ habe sie sich erwiesen, zitierte er aus Zeugnissen.

Liesel Machat habe es auf ihre Art bestens verstanden, die sachlichen und menschlichen Aspekte der Arbeit in den Ämtern miteinander zu verbinden. Wenn Liesel Machat nach fast 45 Jahren gehe, dann gehe mit ihr „eine vorbildliche Staatsdienerin und pflichtbewusste Verwaltungsbeamtin, eine Führungskraft, die vielen — nicht nur in der Kreisverwaltung Heinsberg — als Vorbild dienen kann“.

Sie habe in ihrem Verantwortungsbereich, zudem auch Mitverantwortung für das Jobcenter von Arbeitsagentur und Kreis gehöre, Herausragendes geleistet. Kreistagsmitglieder und die Kollegen aus der Verwaltungsspitze erhoben sich von ihren Sitzen: Es gab viel Applaus für Liesel Machat, für die bei ihrer Arbeit immer der Mensch im Mittelpunkt gestanden habe, wie CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Reyans anerkennend feststellte.

„Ich wollte gute Arbeit machen, an eine solche Karriere habe ich gar nicht gedacht“, sagte Liesel Machat, die für die sehr große Unterstützung aus Politik und Verwaltung dankte.

Begonnen hatte die Kreistagssitzung am Donnerstagabend mit dem Gedenken an den gestorbenen SPD-Kommunalpolitiker Jürgen Plein, der seit 2004 dem Kreistag angehört und sich für das Wohl des Kreises Heinsberg eingesetzt habe, wie Landrat Stephan Pusch in der Würdigung sagte.

Pleins Nachfolger im Kreistag, Norbert Spinrath, Kreisvorsitzender und ehemaliger Bundestags­abgeordneter der SPD aus Geilenkirchen, wurde in dieser Sitzung ebenso eingeführt und verpflichtet wie zwei Nachrücker in Reihen der CDU-Mehrheitsfraktion: Nach dem Ausscheiden von Frank Thies und Siegfried Przibylla zogen nun Achim Wilms aus Erkelenz und Leonard Lausberg aus Heinsberg in den Kreistag ein.

(disch)