Hückelhoven/Heinsberg: Detlef Stab: „Der Industriepark ist unser großes Sorgenkind”

Hückelhoven/Heinsberg : Detlef Stab: „Der Industriepark ist unser großes Sorgenkind”

Vor genau zehn Jahren wurde die Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven geschlossen. Die Angestelltenortsgruppe Sophia-Jacoba in der Gewerkschaft IGBCE besteht aber noch immer. Über deren Aufgaben heute sprach unser Redakteur Norbert Schuldei mit Detlef Stab, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe.

Zehn Jahre nach Schließung der Zeche besteht die Angestelltenortsgruppe Sophia-Jacoba in der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie noch immer. Mit welchen Aufgaben eigentlich?

Stab: Wir treffen uns noch immer regelmäßig. Und zwar nicht nur die ehemaligen Bergleute, sondern auch die Kollegen, die nach der Fusion der Gewerkschaften dazu gekommen sind.

Aus welchen Branchen und welchen Betrieben kommen die?

Stab: Wir kümmern uns als Angestelltenortsgruppe beispielsweise um rund 60 Kollegen, die jetzt noch in der Brikettfabrik auf dem alten Schachtgelände arbeiten und für die im März Ende der Schicht ist. Oder auch um die Mitarbeiter der ehemaligen EBV-Immoblien, die Kumpel, die nach SJ-Schließung im Ruhrgebiet einfahren und noch immer hier wohnen. Und dann sind aus Oberbruch viele Mitglieder der IG Chemie zu uns gestoßen. Und nicht zu vergessen die Kollegen aus den Lederfabriken, deren Interessen wir nach der Fusion auch vertreten.

Wie viele Mitglieder zählt die Angestelltengruppe derzeit?

Stab: Rund 350 im Kreis Heinsberg. Zur Hochzeit von Sophia waren es mal 850. Wir sind auch deshalb von Bedeutung, weil die Kollegen aus den Nicht-Bergbau-Gewerkschaften das System der Ortsgruppen nicht kannten.

Wie viele davon stehen noch im Berufsleben?

Stab: Das ist etwa so fifty-fifty.

Die Ortsgruppe kümmert sich in erster Linie um die sozialen Belange ihrer Mitglieder?

Stab: Auch um die, aber nicht nur um sie. Beispielsweise werden wir auch bei Fragen zum neuen Alterseinkünftegesetz beratend aktiv.

Worin sehen solche Aktivitäten aus?

Stab: Ich sorge beispielsweise über den Verband dafür, dass wir einen hochkarätigen Fachmann zu diesem Thema an Land ziehen, der unserer Mitglieder dann aus erster Hand über dieses Thema und die konkreten Auswirkungen auf den Einzelnen informiert. Wir beschränken uns dabei aber nicht nur auf gewerkschaftliche Themen, sondern sprechen auch allgemeine gesellschaftspolitische Themen auf unseren Informationsveranstaltungen an.

Zum Beispiel?

Stab: Wir haben schon mit der Kreispolizeibehörde zusammengearbeitet, haben Informationen zur Suchtvorbeugung gemacht. Die Bandbreite ist groß. Und dann steht natürlich in jeder Vorstandssitzung der Punkt ,Bericht aus den Gewerkschaften´ und ,Bericht aus den Betrieben´ auf der Tagesordnung. Dabei fangen wir immer mit der Steinkohle an, denn viele unserer Mitglieder arbeiten noch immer im Steinkohlebergbau. Und natürlich auch in der Braunkohle.

Der Steinkohlebergbau läuft im Jahr 2018 nach dem Stand der Dinge ja aus ...

Stab: ... was ich als Wahnsinn bezeichne.

Wahnsinn?

Stab: Ja, Wahnsinn. Die Zeche zahlt nämlich mal wieder der Bürger. Die Politiker, die das so entschieden haben, die haben ihr Geld fest im Portemonnaie. Aber die zwangsläufig steigenden Energiepreise treffen in erster Linie die weniger gut Verdienenden.

Die Angestelltenortsgruppe ist also kein Nostalgieverein, sondern eine Gruppierung, die sich aktiv um die Belange ihrer Mitglieder kümmert.

Stab: Genau. Das beste Beispiel ist KUAG in Oberbruch. Wir haben da über unseren Verband ordentlich Dampf gemacht, als die Situation für die dort Beschäftigten immer schlimmer wurde. Es geht immerhin um 160 Arbeitsplätze.

Mit Erfolg?

Stab: Ich fürchte nein. Es sieht jedenfalls nicht gut aus. Obwohl wir Politiker aller Parteien in unsere Bemühungen eingebunden haben. Der Industriepark Oberbruch ist ein großes Sorgenkind, um den wir uns intensiv kümmern. Wir sind dort ein anerkannter Gesprächspartner und werden unser ganzes Gewicht da einsetzen, um Arbeitsplätze zu erhalten.