Heinsberg: Der Zaubertrank aus der Zapfsäule wird zum Luxus

Heinsberg : Der Zaubertrank aus der Zapfsäule wird zum Luxus

„Autofahren ist schon ein richtiger Luxus geworden”, stellt Melanie Felden beim Tanken ernüchternd fest. Doch das große Zaudern an der Zapfsäule hat bisher nicht eingesetzt, obwohl die Kraftstoffpreise vor wenigen Tagen das erste Mal seit zweieinhalb Jahren wieder die 1,50-Euro-Marke knackten.

„Es bringt alles nichts. Ich muss ja schließlich von A nach B kommen”, existieren für die junge Frau keine Alternativen. Jeden Tag muss sie von Geilenkirchen zur Arbeit nach Erkelenz fahren.

Tankstellen-Besitzer Helmut Orths ärgern vor allem die großen Preissprünge. „Ändern können wir daran nichts”, sagt er. „Die bekommen wir diktiert.” Das verstehen mittlerweile auch fast alle Kunden. Einen Tipp, wann die Fahrt zur Tankstelle die Geldbörse weniger stark belastet, kann Orths derweil nicht geben. 1,429 Euro kostete der Liter Super an seiner Esso-Tankstelle an der B221 noch am Montag. 24 Stunden später mussten Kunden 1,519 Euro berappen. Durchschnittlich drei- bis viermal pro Tag wird an seiner Tankstelle der Preis angepasst. Schwer nachzuvollziehen sei das, gibt Orths zu. „Dem Kunden kann man das gar nicht mehr erklären.”

In ganz anderen Dimensionen als der Otto-Normal-Autofahrer muss Käthe Knoben vom Busunternehmen Knoben-Reisen OHG kalkulieren. Etwa 13.000 Liter Treibstoff verbrauchen die sieben Busse pro Monat. „Vor etwa einem Jahr haben wir noch 82 Cent pro Liter bezahlt, im Dezember 2010 waren es schon 1,04 Euro”, klagt Knoben.

Und so wird für alle, die in großen wie in kleinen Mengen auf das Mobilitätselixier Kraftstoff angewiesen sind, das Tanken immer mehr zum Roulettespiel. Ob sich daran in abshebarer Zeit etwas ändert? Tankstellenbetreiber Orths glaubt nicht daran. Zu gut verdient der Staat über die Mineralölsteuer (65,4 Cent pro Liter Benzin + Mehrwertsteuer) mit, zu unkontrollierbar agieren die internationalen Öl-Multis. „Im Sommer”, glaubt Orths, „knacken wir die 1,60-Euro-Marke.”