Kreis Düren: Der „Sorgekompass“ bündelt die regionalen Hilfsorganisationen

Kreis Düren : Der „Sorgekompass“ bündelt die regionalen Hilfsorganisationen

In der hospizlichen Begleitung entsteht eine besondere Nähe zwischen den Helfern auf der einen und den Sterbenden auf der anderen Seite.

Die ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiter der Hospizbewegung Düren-Jülich haben dabei nicht nur einen Blick für die Bedürfnisse der Sterbenden, sondern achten auch auf die Angehörigen. „Wir bekommen in den Familien viele sorgenvolle Wege mit. Da sollten wir viel früher eingreifen und die Familien unterstützen“, sagt die ehrenamtliche Hospizhelferin Sonja Assmann, und Gerda Graf, zweite Vorsitzende der Hospizbewegung, ergänzt: „Von der Hospizbewegung können wir lernen, den Mensch als Ganzes in den Blick zu nehmen. Es soll ihm nicht erst im Sterben gutgehen, sondern schon vorher.“

Auf dieser Grundidee fußend, entstand im Kreisgebiet vor zwei Jahren die Initiative Sorgekultur. Auf Einladung der Hospizbewegung kamen mehr als 50 Menschen, zwischen 16 und 92 Jahren, mit unterschiedlichen beruflichen und gesellschaftlichen Hintergründen zusammen und diskutierten gemeinsam darüber, welche Sorgen sie oder andere in ihrem Umkreis haben und was für sie Sorgekultur bedeutet. Zusammen entwickelten sie eine Ethik-Charta, die von allen Bürgermeistern der 15 Kommunen im Kreis unterstützt wird. Bei drei Bürgerdialogen in der Dürener Marienkirche wurde das Thema weiter vertieft.

An einem dieser Abende entstand dann die Idee, einen „Sorgekompass“ zu entwickeln, dem sich sofort mehr als 20 Freiwillige widmeten. Sie entwickelten eine Internetseite, auf der gebündelt alle Hilfsorganisationen der Region und deren Kontaktdaten zu finden sind. Über eine leicht zu bedienende Suchmaske kann der Nutzer mit formulierten Fragen oder Stichworten nach Hilfe suchen.

Wer zum Beispiel „Ich habe Hunger“ in die Suchmaske eingibt, wird auf die „Tafeln“ in Düren, Jülich, Langerwehe und Vettweiß sowie auf Café Gemeinsam, Café Lichtblick und die Lebensmittelgutscheine der Caritas verwiesen. Bei der digitalen und damit anonymen Hilfestellung wollen es die Initiatoren aber nicht belassen. Ihr Ziel ist, in jeder Gemeinde einen Sorgebeauftragten als persönlichen Ansprechpartner für Probleme oder Nöte zu etablieren. Wer also das Gespräch unter vier Augen bevorzugt, kann sich in seinem Ort an den Sorgebeauftragten wenden und trifft damit vielleicht sogar ein bekanntes Gesicht, was die Hemmschwelle niedrig hält.

Individuelle Sorgen

Ein paar Anfragen gab es auch schon. Eine Dame meldete sich telefonisch und sagte offen, dass sie sehr einsam sei. Eine andere Frau fühlte sich mit der Sorge um ihre kranken Eltern überfordert. Und ein schwer kranker Mann, der gerade erst in die Region gezogen war, brauchte jemanden, der seiner Tochter den neuen Schulweg zeigt. Auf die individuellen Sorgen gehen Sonja Assmann und ihre Kollegen gezielt ein und versuchen, die richtigen Helfer zu vermitteln und einen Kontakt herzustellen.

„Wer sich bei uns meldet, der muss sich nicht selbst weiterkümmern. Wer Sorgen hat, der wird von uns an die Hand genommen. Die Organisation läuft im Hintergrund“, erklärt Gerda Graf. „Bei Behörden wird man vielleicht von einem Ansprechpartner an den nächsten verwiesen. Aber wenn man verzweifelt ist, möchte man gern sofort Hilfe bekommen“, weiß sie.

60 Hilfsorganisationen sind derzeit im „Sorgekompass“ hinterlegt und es sollen stetig mehr werden. „Ich bin gespannt, wo die größten Sorgen und Nöte liegen“, sagt Assmann, und Graf ergänzt: „Ehrenamtliche Vereine oder Organisationen können sich gern bei uns melden, dann werden sie kostenlos eingetragen und verlinkt.“

Bei der Recherche für den „Sorgekompass“ hat Sonja Assmann selbst viele Gruppen kennengelernt. „Es gibt im Kreis Düren sogar Hilfestellung bei Energiearmut, also wenn mehr als zehn Prozent des Einkommens für Energiekosten benötigt werden“, staunt sie. „Ich bin überwältigt, wie viel Hilfe hier geleistet wird.“