Übach-Palenberg: Der Probelauf für Hartz IV

Übach-Palenberg : Der Probelauf für Hartz IV

Walburga S. hat den Weg, zumindest vorläufig, aus der Arbeitslosigkeit geschafft. Die 55-Jährige war 20 Monate ohne Job, die fehlende Qualifikation und ihr Alter erwiesen sich als Hindernis.

Seit Montag nun hat die Neu-Geilenkirchenerin, die in ihrem früheren Wohnort als Altenpflegerhelferin tätig war, wieder einen Job. Seit Montag ist Walburga S. glückliche Inhaberin eines Arbeitsplatzes in der Integrativen Kindertagesstätte Scherpenseel, der staatlich gefördert wird.

Sie wird in den nächsten sechs Monaten für frischen Wind in der Küche der AWO-Einrichtung sorgen, den 24 behinderten und nichtbehinderten Kindern ein erweitertes und gesundes Ernährungspaket kredenzen. Am Dienstag erläuterten Vertreter der Agentur für Arbeit Aachen, der Caritas und der Arbeiterwohlfahrt die neue Initiative namens „für aktiv”, die als Vorlauf zu Hartz IV (das ab 1. Januar 2005 startet) gilt.

„Das Projekt bietet insbesondere jungen Menschen bis 25 Jahre, die Arbeitslosenhilfe beziehen, bis Ende Dezember die Möglichkeit, eine geförderte Erwerbstätigkeit aufzunehmen”, erklärt Gabriele Hilger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit.

Wichtig ist vor allem ihre folgende Aussage: „Alle über dieses Modellprojekt eingerichteten Beschäftigungen müssen im öffentlichen Interesse liegen und zusätzlich sein, das heißt, es dürfen keine anderen Arbeitsplätze dadurch gefährdet werden.”

So verhält es sich auch im Falle von Walburga S., sie erledigt künftig Handgriffe in der Küche, die in der Vergangenheit so nie möglich gewesen wären.

Im sozialen Bereich

Das aktuelle Projekt, das von Oktober bis Dezember dauert und anschließend in die Hartz IV-Realität (Stichwort Ein-Euro-Job) mündet, hat zum Ziel, im Kreis Heinsberg 180 Arbeitslosenhilfe-Bezieher, die ab Januar zu den Arbeitslosengeld-II-Empfängern zählen werden, in gemeinnützige Arbeit zu vermitteln.

„Hier haben wir das gesamte Spektrum im sozialen Bereich im Auge. Folglich werden die Projektteilnehmer eingesetzt in der Alten-, Kranken- und auch Kinderbetreuung”, erklärt Hans Helmut Lehmkuhl, Kundenbereichsleiter bei der Agentur für Arbeit.

„Ansprechpartner sind deshalb die Wohlfahrtsverbände. Weil hier bereits ein übergreifendes, erprobtes Netz besteht, ist die Akquirierung von Arbeitsplätzen einfacher”, begründet Lehmkuhl den Schulterschluss mit den sozialen Dienstleistern im Kreis, für die die Arbeiterwohlfahrt und Caritas federführend sind.

Nach anfänglicher Skepsis stehen die Verbände, wie ihre Vertreter am Dienstag betonten, dem Projekt positiv gegenüber: Zum einen trägt man mit dazu bei, arbeitslosen Menschen eine sinnstiftende Tätigkeit zu geben, zum anderen kommt man in den Genuss einer kostenlosen Hilfskraft, die gerade in Zeiten versiegender Geldquellen und wegbrechender Zivis äußerst wertvoll ist.

Die Initiative „für aktiv” ist der Vorlauf für die so genannten Ein-Euro-Jobs. „Um möglichst bald einen guten Einstieg in die neue Breitenaufgabe zu finden und an bestehende Projekte der regionalen Beschäftigungsförderung anknüpfen zu können, werden bereits jetzt entsprechende Aktivitäten durch die Agentur für Arbeit Aachen gestartet”, markiert Gabriele Hilger Sinn und Zweck der dreimonatigen Teststrecke.

Die Vorsitzende abschließend: „Die öffentlich geförderten Beschäftigungen eröffnen Perspektiven. Insbesondere für Jugendliche sollen und können sie mittel- bis langfristig die Chancen für eine Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verbessern. Sie werden für viele eine sinnvolle Förderung zur Wiedereingliederung sein.”