Gangelt: Der Nikolaus kommt mit der Selfkantbahn

Gangelt : Der Nikolaus kommt mit der Selfkantbahn

Ein paar Leute haben sich sicherlich schon auf schneebedeckte Waggons gefreut, die von einer Dampflok gezogen werden. Doch diesen Gefallen wollte das Wetter den Gästen beim Start der Nikolausfahrten der Selfkantbahn dann doch nicht tun.

Dennoch war es ein fast nicht enden wollender Zug von Ticketinhabern, die mit Beginn der Nikolausfahrten aus Nah und Fern anreisten, um sich das Spektakel der malerischen Schmalspurbahn in Verbindung mit dem Besuch vom Nikolaus nicht entgehen zu lassen.

Es ist ein beinahe eingeschworenes Ritual: Zunächst gibt es drei schwere Schläge an die Wand des Waggons. Dreimal klopft es am hölzernen Wandbeschlag, und auf einmal tritt ein Mann im Nikolausgewand hinein und bringt leckere Sachen mit. Das muss so sein bei den Nikolausfahrten der Selfkantbahn.

„Guck mal da, der Nikolaus“

Und damit die Bescherung immer wieder auch schöne Erinnerungen liefert, werden die jüngsten Gäste der Nikolausfahrten immer auch mit einem persönlichen Händedruck begrüßt. Knecht Ruprecht, der ganz in Schwarz gehüllt dahinter mit Sack und Rute wartet und durch seinen Sehschlitz kaum zu erkennen ist, kommt zum Glück nicht zum Einsatz. Er gehört aber dazu, wenn der prachtvoll gekleidete Weihnachtsbote auftaucht.

Genau wie die vielen klickenden Fotoapparate und die Aufregung beispielsweise der Kinder, als sie den Mann mit dem prächtigen roten Gewand, der Mitra, dem Rauschebart und dem Bischofsstab sehen. „Guck mal da, der Nikolaus“, heißt es auch wenige Minuten später, wenn der Dampfzug schnaubend im Bahnhof Schierwaldenrath einläuft, sich Bischof und Knecht auf den Weg ins eigens installierte Festzelt machen.

Die Arbeit vom Nikolaus ist mit dem Zustieg und der Bescherung übrigens noch nicht getan, er sorgt noch für Laune bei der anschließenden kleinen Feier im Festzelt, ehe es für die Fahrgäste wieder zurückgeht und der Nikolaus sich mit seinem Helfer wieder auf den Rückweg zur Kutsche macht, um bei der nächsten Fahrt wieder in leuchtende Kinderaugen zu schauen. Dass die Kinder im Zelt noch eine Überraschung erwartet, ist natürlich klar.

Dass die Kleinen dabei auch mal für die Weihnachtszeit untypische Lieder singen, liegt in der Natur der Kinder. Doch die „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“, die an diesem Vormittag geschmettert wurden, waren sicherlich auch für den Nikolaus und Knecht Ruprecht eine ganz neue Erfahrung im Weihnachtstrubel. Das sorgte natürlich auch für strahlende Gäste.

Dazu bietet die „Schwarzach“ mit der Registrierungsnummer „IHS 101“ für die Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr, die die Selfkantbahn betreibt, genügend Motive für Dampfvernarrte. So muss die kleine Dampflok immerhin bis zu elf Wagen auf ihrem Weg vom Bahnhof Gillrath über die Haltepunkte Stahe und Birgden bis zur Endstation in Schierwaldenrath ziehen.

Wem es draußen bei den kleinen Stopps und der gemächlichen Fahrt zu kalt wurde, der zog sich ins Innere der urigen Waggons zurück, die mit Briketts oder Dampf beheizt werden. Und auch ohne Schnee bieten sie einen wahrlich prächtigen Anblick in der langsam winterlich werdenden Landschaft.

Einen wenig romantischen Punkt hatte allerdings noch Dr. Bernd Fasel als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr (IHS) zu melden, die hinter dem regen Betrieb der Museumsbahn steckt. „Leider gab es in dieser Woche Schmierereien an unseren Einrichtungen“, so Fasel. Polizeiliche Ermittlungen laufen auf Hochtouren, mehr sei im Moment noch nicht zu sagen. „Klar ist aber, dass so etwas eine absolute Sauerei ist, denn hinter der Arbeit von uns stecken unzählige Stunden ehrenamtlichen Einsatzes für das Hobby“, schließt Fasel. Und solche Vorfälle können selbst dem romantischsten Eisenbahnfan die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Die Nikolausbahn der Selfkantbahn fährt los in Gillrath montags, dienstags und freitags jeweils um 15 und 17 Uhr. Samstags und sonntags um 11, 13, 15 und 17 Uhr und am Samstag, 3. Dezember, zusätzlich um 19 Uhr. Die letzte Fahrt der Saison ist am Sonntag, 18. Dezember, um 17 Uhr. Die Fahrten sind bereits weitestgehend ausgebucht.