Kreis Heinsberg: Der Multi-Bus wird beliebter, lohnt sich aber noch nicht

Kreis Heinsberg : Der Multi-Bus wird beliebter, lohnt sich aber noch nicht

Der Multi-Bus der West Energie und Verkehr, wird zwar immer stärker nachgefragt, doch nun soll dieses Anrufbus­system trotzdem mittel- bis langfristig überplant werden.

Dies kündigte Udo Winkens, Leiter des Verkehrsbereiches bei der West, im Ausschuss für Umwelt und Verkehr an, der unter Vorsitz von Dr. Gerd Hachen (CDU) im Kreishaus tagte. Der Hintergrund: Fahraufträge können teilweise nicht wunschgemäß oder gar nicht erfüllt werden, wie Winkens einräumte. Und die Wirtschaftlichkeit soll verbessert werden.

98.817 Passagiere im Jahr 2011

Set 2003 sind die kleinen Multi-Busse im Einsatz. Zunächst waren sie auf das Gebiet der drei Gemeinden Gangelt, Selfkant und Waldfeucht beschränkt. Inzwischen ist das Multi-Bus-Gebiet in den Abendstunden sowie an Wochenenden längst kreisweit ausgedehnt worden - auch im Gegenzug zu gestrichenen Linienverbindungen. Die Zahl der Multi-Bus-Fahrgäste kletterte im vergangenen Jahr weiter in die Höhe: auf 98.817; dies waren rund 13.000 mehr als im Jahr zuvor. Die Betriebsleistung stieg von 516.484 auf 789.893 Kilometer. Bis zu 13 Kleinbusse sind am Wochenende im Einsatz.

In der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung schlug der Multi-Bus (auch unter Einbeziehung der Einsparungen durch gestrichene Linienbusse) 2011 mit einem Minus von 178.000 Euro zu Buche. Allerdings, so Winkens, müsse dabei bedacht werden, dass nunmehr das Angebot für die Kunden deutlich erweitert sei, fahre doch der Multi-Bus jeden Ort im Kreisgebiet an. Zudem seien die Bedienungszeiten erweitert worden.

Aber im Schnitt sitzen nur 1,31 Passagiere im Multi-Bus - ­eines der Probleme mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit. „Es müssten mehr Kunden gleichzeitig befördert werden, damit die Wirtschaftlichkeit gegeben ist”, sagte Udo Winkens.

Zu bestimmten Stoßzeiten fordern manche Bürger den Multi-Bus vergeblich an: So waren zum Beispiel am Freitag, 2. März, zwischen 20.45 und 21.15 Uhr insgesamt acht Personen, die gerne mit dem Multi-Bus gefahren wären, nicht befördert worden. Kurzfristig seien jetzt noch einmal die Fahrzeugkapazitäten erweitert worden, so Winkens, der aber eine Überplanung des Systems ankündigte. Die Einführung eines Komfortzuschlags und die Verzahnung mit der Bahn - dies waren zwei Stichworte, die der Ausschuss ihm mit auf den Weg gab. Aber auch die Ergebnisse der - wie berichtet - in wenigen Tagen startenden Mobilitätserhebung sollen in die Planungen einfließen.

Zwei Aktionen mit ernüchterndem Ergebnis

West-Verkehrsbereichsleiter Udo Winkens erwähnte in seinem Vortrag im Ausschuss für Umwelt und Verkehr zwei Aktionen, die allerdings im Ergebnis ernüchternd waren und deutlich machten, dass der Multi-Bus noch bekannter werden könnte.

Eine Großelternbefragung, die Schüler vom Kreisgymnasium Heinsberg und von der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg vorgenommen hatten, brachte zutage, dass 179 der 186 Befragten noch nie mit dem Multi-Bus gefahren waren; allerdings verfügten auch 148 der 186 befragten Großeltern regelmäßig über ein Auto.

Eine „Überzeugungskommunikation” in Senioreneinrichtungen in Übach-Palenberg, Heinsberg und Tüddern blieb ohne Resonanz: Von den ausgegebenen kostenlosen Probefahrkarten wurde keine einzige genutzt.