Hückelhoven: Der Luftschutzbunker ist heute Abstellkammer

Hückelhoven : Der Luftschutzbunker ist heute Abstellkammer

1954 stand die Evangelische Kirchengemeinde vor einer essentiellen Entscheidung.

Sollte die inzwischen von den Kriegsschäden sanierte Kirche mit einem noch fehlenden Turmhelm sowie neuen Glocken ausgestattet oder der Bau eines Altenheimes in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kirche und Gemeindehaus vorangetrieben werden?

Heute genügt ein Blick an die Haagstraße, um sich zu vergewissern. Genau 50 Jahre später kann eben jene damals erwogene Heimstätte für alte Menschen einen besonders runden Geburtstag feiern.

Um- und Anbauten

Zu Beginn seiner Existenz verfügte das damalige „Diaspora-Altersheim” über 63 Bewohner, im Jahr 2004 sind es nach einigen Um- und Anbauten 106 Senioren. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg von elf auf 114, die der Altenwohnungen von ursprünglich null auf 36. Betrugen die Baukosten pro Platz 1954 zirka 5 483 Deutsche Mark, sind es 2004 stolze 76 700 Euro.

Festgehalten sind diese Zahlen sowie viel Wissenswertes in der unter anderem von Pfarrer Manfred Jung, Heimleiter Markus Lowis und Sozial-Pädagogin Ute Ossa-Kühnel erstellten Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Evangelischen Altenzentrums Hückelhoven.

Sechs Heimleiter - in früheren Zeiten noch „Hausväter” genannt - lenkten bisher seine Geschicke. Markus Lowis, seit 2002 im Amt, ist der erste „weltliche” Chef.

Finanzielle Krise

Der Heimgründer und allererster Vorsitzender des Trägervereins, Pfarrer Hermann Lenzen, starb 1965 im Alter von erst 54 Jahren, nachdem er die Institution mehr als zehn Jahre lang in ihrem Wachstum begleitet hatte. Noch heute erinnert das „Hermann-Lenzen-Haus” an sein Wirken.

Trotz einer finanziellen Krise 1977 durch nicht kontinuierlich angepasste Pflegesätze sowie einiger schwieriger Jahre im vergangenen Jahrzehnt hat sich das Altenzentrum stets den sich verändernden Rahmenbedingungen anpassen und seine Kapazitäten erhöhen können.

Bereits im Jahr 1955 plante der Verein für Altenhilfe den Anbau eines Traktes für stark Pflegebedürftige, im November 1961 wurde das so genannte „Siechenheim” mit 28 zusätzlichen Betten eingeweiht.

Später bevorzugte die Gemeinde den weniger negativ behafteten Begriff Pflegeheim. Im November 1979 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau von 24 Altenwohnungen an der Melanchthonstraße.

Neuer Pflegetrakt

Planungen zum Bau eines geronto-psychiatrischen Rehabilitationszentrums wurden zwar nicht verwirklicht, dafür aber nahm die Gemeinde zwischen 1984 und 1987 den Umbau des ersten Gebäudes in Angriff. 104 Schlafstätten zählte es danach.

Die Kosten lagen bei 8, 8 Millionen Mark. Zum Vergleich: 1954 waren 350.000 Mark für den Bau veranschlagt worden. Erst vor wenigen Jahren, im Sommer 2001, konnten die Bewohner in den bis dato letzten Bauabschnitt einziehen: Ein um zwölf Zimmer erweiterter Pflegetrakt, zwölf neue Altenwohnungen, eine Kapelle und eine Bücherei waren unter anderem entstanden.

Telefon erst 1965

Details aus dem Leben im Altenzentrum: Bereits 1956 bekam die Gemeinschaft einen Fernsehapparat, den ersten Telefonanschluss allerdings erst 1965 und eine erste Schreibmaschine 1975. In den 50er Jahren wurden bis zu neun Schweinen in einem Stall unweit der Kirche gehalten und bei Bedarf geschlachtet.

Sogar über einen zu den Hochzeiten des „Kalten Krieges” auf Verlangen des Landes erbauten Luftschutzbunker für 37 Personen verfügt der Gebäudekomplex. Heute übrigens wird er als Abstellkammer genutzt.