Heinsberg-Kempen: Der kleine Hirte hat jetzt Hände aus Wachs

Heinsberg-Kempen : Der kleine Hirte hat jetzt Hände aus Wachs

„Was kauf ich nur für...?” Diese Frage nach dem passenden Geschenk zum Weihnachtsfest wird den ein oder anderen in den vergangenen Wochen sicherlich intensiv beschäftigt haben.

Dass die schönsten Geschenke aber oft gar nicht gekauft sein müssen, beweist in diesem Jahr ein ganz großes; eines, das Katrin Müller-Eschholz aus Kirchhoven quasi einem ganzen Dorf macht: Ganz ehrenamtlich hat sie über Monate die großen Figuren der Kempener Krippe restauriert und dabei viel Liebe zum Detail bewiesen. Ein Geschenk also, das sie allein viel Zeit „gekostet” hat.

Und so ist es auch für sie etwas Besonderes, wenn heute an Heiligabend nach der Christmette in St. Nikolaus Rurkempen traditionell der jüngste Messdiener das Jesuskind aus der Pfarrkirche hinaus in das „Alte Chörchen” der ehemaligen Kirche trägt und dort in die Krippe legt. Mit ihm gilt es dann hier frisch restauriert zu bestaunen: Maria und Josef, den Verkündigungsengel und den kleinen Hirten.

Müller-Eschholz ist keineswegs gelernte Krippenrestauratorin. Sie stammt eigentlich aus Brandenburg, ist von Beruf Mess- und Regeltechnikerin und betreibt als Hobby den Bau von Figuren - eigentlich für Karnevalsvereine. Da es sie beruflich in die Heinsberger Region verschlagen hat, war sie auch hier schon karnevalistisch aktiv, unter anderem für die KG „Kemper Gröne”.

Derzeit baut sie an den Figuren der Gondolieri für die Zeltdekoration zum Thema „Venedig”. „Die Menschen in Kempen sind mir durch den Karneval sehr ans Herz gewachsen”, begründet sie ihr Engagement für die Krippe. Wobei ihr bei ihrer Zusage allerdings auch selbst gar nicht so ganz bewusst war, wie viel Arbeit da auf sie zukommen würde. Ungern und ganz bescheiden verrät sie, dass sie seit September etwa 30 Stunden pro Woche mit der Restauration verbracht hat.

Den Anfang machte dabei der kleine Hirte. „Da war einfach alles kaputt”, berichtet Müller Eschholz. „Der Holzsockel, die Aufhängung der Füße, die Hände, das Gewand.” So hat jetzt der kleine Hirte zum Beispiel ganz neue Hände aus Wachs erhalten. Dazu fertige sie einen Abguss der noch vorhandenen Teile, modellierte den Rest mit Gips wieder auf, schuf eine Gussform aus Silikon und goss darin die Wachshände neu. „Das musste auch ich einfach ausprobieren”, so die Autodidaktin. „Ich habe so wieder eine Menge dazu gelernt.”

Im Inneren der Figuren von Josef und Maria hat sie alte Briefe entdeckt, die belegen, dass die Kempener Krippe bereits weit über 100 Jahre alt sein muss. „In beiden Figuren waren jeweils zwei Briefe enthalten, aus den Jahren 1884 und 1885”, berichtet sie. Bekannt ist in Kempen, dass Pfarrer Johannes Toussaint, ein gebürtiger Aachener, die ersten Figuren um 1900 nach dem Neubau der Kirche von den Aachener Schwestern vom Kinde Jesu erwarb: das Jesuskind mit Krippchen, Maria und Josef, einen Hirtenknaben, einen Verkündigungsengel, zwei Schafe sowie die Köpfe von Ochs und Esel. Der große Hirte und drei Könige kamen später hinzu.

Wie den kleinen Hirten hat Müller-Eschholz die Figuren für die Restauration quasi komplett auseinandergenommen: die Gewänder aus bemaltem Leinen vom Holzsockel getrennt, diesen versiegelt und dann den Leinwandkörper wieder darauf aufgebaut.

Bei der neuen Bemalung hat sich die Künstlerin streng an alte Bibeldarstellungen gehalten. So präsentiert sich Maria zum Beispiel nicht mehr in Blau und lachsfarben, sondern jetzt in Blau und Weiß. „Blau für die Unschuld und Weiß für die Reinheit”, erklärt sie. Der Auferstehungsengel ist jetzt ganz weiß, „wie er laut Historie auch sein sollte.”

Die aufwändige Restauration der Könige und des großen Hirten will Müller-Eschholz als nächstes in Angriff nehmen. Diese Figuren können dann im nächsten Jahr an Weihnachten in der großen Krippenlandschaft im Alten Chörchen in frischer Bemalung bewundert werden.