Kleingladbach/Erkelenz: Der Herkules vom Niederrhein wird 70

Kleingladbach/Erkelenz : Der Herkules vom Niederrhein wird 70

Emil Neunkirchen war einer der besten Ringer Deutschlands, der zu seinen Glanzzeiten Meistertitel sammelte wie andere Briefmarken.

Seit 1975 lebt der gebürtige Waldhausener, der am Donnerstag 70 Jahre alt wird, mit seiner Ehefrau Tanja in Erkelenz.

Seinen runden Geburtstag feiert er am 26. Januar in Kleingladbach ganz groß mit seinen Freunden vom TKV Hückelhoven, wo er als technischer Berater tätig ist. Mit der Familie feiert er später im kleinen Kreis.

„Eiche 05” Mönchengladbach war 1948 seine erste sportliche Station. In seiner Ringerlaufbahn errang er viele Titel, nur ein nationaler oder internationaler Titel blieb ihm verwehrt.

Dafür sollte es nicht reichen, denn er stand im Schatten des „Krans von Schifferstadt”, Wilfried Dietrich. Dieser verpasste ihm nicht nur den Titel „Herkules vom Niederrhein”, er hatte auch gehörigen Respekt vor dem starken Mann aus Mönchengladbach: „Ich war der einzige Ringer in Deutschland, der Dietrich die Matte von oben sehen ließ”, erinnert sich Emil Neunkirchen.”

Dies bedeutete nichts anderes, als dass Emil seinen gefürchteten Überstürzer anwendete. Das war bei der Deutschen Meisterschaft 1963 im griechisch-römischen Stil.

Die Punkteentscheidung zugunsten Dietrichs war damals mehr als umstritten und löste Unmut beim Publikum aus. „Schnee von gestern”, sagt Emil Neunkirchen dazu, „privat verband uns eine tiefe Freundschaft, auf der Matte waren wir Gegner, die stets im sauberen, fairen Kampf ihre Kräfte maßen.”

1964 wechselte „Sekunden-Emil” zum KSV Einigkeit Rheydt. Diesen Beinamen gab ihm ein Reporter, als er einen seiner Gegner bereits nach sieben Sekunden schulterte. Weitere Stationen waren der TuS Aldenhoven (2. Bundesliga) und der ASV Schorndorf (1. Bundesliga).

Oberarmumfang von 50 Zentimetern

Die geballte Ladung Dynamit - er war 1,83 Meter groß und brachte 130 Kilogramm auf die Waage, sein Hals- und Oberarmumfang maßen 50 Zentimeter - verzückte das Publikum. Die Fans kamen in Scharen zu den Kämpfen und wetteten gar, wie lange Emils Gegner wohl „überleben” würde.

Neben dem Ringen hob er auch Gewichte und betrieb Judo - ebenfalls mit beachtlichen Erfolgen. Zwischen 1964 und 1970 bestritt er 14 Länderkämpfe im griechisch-römischen und im Freistil und war 1960 in Rom, 1964 in Tokio und 1972 in München für die Olympischen Spiele nominiert. Im Länderkampf gegen Schweden 1965 in Göteborg war er Fahnenträger der deutschen Mannschaft. Noch im selben Jahr wurde er im schwedischen Varberg Vize-Europameister im Freistils.

Ein schwerer Autounfall am 15. Februar 1983 beendete jäh seine Karriere und den Traum, als Trainer oder Kampfrichter zu arbeiten.

Emil Neunkirchen wird noch zu vielen Veranstaltungen seiner ehemaligen Vereine eingeladen.

1970 erhielt er die goldene Ehrennadel der Stadt Rheydt, 1973 die der Stadt Mönchengladbach. 1982 würdigte die deutsche olympische Gesellschaft seine Verdienste mit der Fairplay-Plakette für beispielhaftes Verhalten sowie mit der Leistungsplakette für herausragende Leistungen. Darauf ist er besonders stolz.

Der deutsche Ringerverband verlieh ihm 2002 die Ehrenplakette in Gold für die Förderung des Ringkampfsports. Noch heute steht sein Name für „fair, sauber, diszipliniert.” Mit dieser Einstellung führt er auch die Hückelhovener Jugend an das Ringen heran.

Der Herkules vom Niederrhein ist nicht nur in Mönchengladbach und im Erkelenzer Land, sondern auch in den Ringerhochburgen der Republik bekannt.