Hückelhoven: Der Bürgermeister als „Bittsteller”

Hückelhoven : Der Bürgermeister als „Bittsteller”

„Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es ist, wenn man für einen Arbeitsplatz nicht gut genug ist”, sagt Werner Schmitz und schaut seinen Gegenübern eindringlich in die Augen.

Dabei war der heutige Bürgermeister von Hückelhoven ein guter Schüler. „1953 war die Situation für junge Leute, die eine Stelle suchten, genauso schlecht wie heute. Ich habe mich von Erkelenz bis Eschweiler überall beworben, es gab erst nur Absagen.”

Darum weiß Schmitz aus eigener Erfahrung, dass es für die Psyche eines jungen Menschen eine mittlere Katastrophe sein kann, nicht die Chance zu bekommen, sich im Berufsleben zu beweisen. Werner Schmitz hat damals eine Lehrstelle bekommen - als Schlosser.

Heute setzt er sich selbst dafür ein, dass junge Leute einen Ausbildungsplatz bekommen. Mit Erfolg. Zusammen mit Rainer Imkamp, dem Leiter des Arbeitsamtes Erkelenz, hat er gerade 20 neue Lehrstellen eingeworben. Weitere sollen folgen.

„Ich habe schon immer gesagt, dass es die beste Sozialleistung ist, einen Arbeits-, sprich einen Ausbildungsplatz zu schaffen”, erklärt Schmitz seine Initiative. „Es ist schlimm für einen jungen Menschen, sich nicht beweisen zu dürfen.”

Es hilft allerdings nichts zu jammern, man muss sich der Herausforderung stellen, ist die Einstellung des Bürgermeisters. Und genau das hat er jetzt getan.

Im lockeren Gespräch mit Rainer Imkamp ist die Idee entstanden, eine Aktion zu starten, die kurzfristige Hilfe auf dem Ausbildungsmarkt bringen sollte. Rund 400 Unternehmen wurden angeschrieben.

Und dann hat der Bürgermeister persönlich eingegriffen: „Wir haben uns am Tag des Ausbildungsplatzes, am 24. Juni, auf den Weg gemacht, und einige junge Firmen in Hückelhoven besucht. Wir waren Bittsteller, wollten neue Arbeitsplätze anregen.”

Dabei wurden vor allem junge Unternehmen aufgesucht mit „dynamischen Mitarbeitern, die wie wir die Situation ändern wollen.”

Spontan haben sich rund 20 Interessenten bereit erklärt, weitere Lehrstellen zu Verfügung zu stellen - unter anderem das Evangelische Altenpflegezentrum Hückelhoven und der Deutsche Paketdienst (DPD) mit seiner neuen Niederlassung in Baal.

„Wir waren wirklich positiv überrascht”, so der Bürgermeister. „Es sind interessante Ausbildungsplätze, die auch eine Zukunftsperspektive haben.”

Viel Lob für das Engagement der Stadt Hückelhoven, nach neuen Lehrstellen zu suchen, gab es schließlich auch vom Arbeitsamtsleiter Imkamp.

„Wer heute in Arbeitsplätze investiert, schwimmt zwar gegen den Strom, wird aber später davon profitieren”, ist er sich sicher. „Uns steht in den nächsten Jahren nämlich ein gravierender Fachkräftemangel bevor.” Darum sei die Initiative in Hückelhoven mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vielmehr gelte die Aktion als Signal für andere, auch selber noch einmal darüber nachzudenken, ob nicht die eine oder andere Stelle möglich sein könnte, für die das Arbeitsamt dann Bewerber vermittelt.

Für Schulabgänger, die jetzt noch auf der Suche nach Arbeitsplätzen sind, sind die neuen Stellen - vom Schuhmacher bis zur Bürokauffrau - auf jeden Fall eine Chance.

Unter 0180/32255 bei der Berufsberatung oder unter 02431/8099247 direkt beim Arbeitsamt in Erkelenz können sich junge Arbeitssuchende jederzeit melden.